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Geldern
Jugendhilfe-Kosten rasant gestiegen

Geldern. Die Unterbringung von Kindern außerhalb ihrer Familien wird für Geldern immer teurer. Der Grund: Die Fälle werden härter, Heimplätze sind rar. Eine Million Euro mehr als geplant gibt die Stadt 2016 aus, 2017 geht es so weiter. Von Sina Zehrfeld

Es ist nicht die Zahl der Kindeswohl-Gefährdungen oder der "Inobhutnahmen", die in Geldern ansteigt. Diese Werte sind über die vergangenen Jahre einigermaßen stabil geblieben, erklärt Walburga Bons vom Gelderner Jugendamt. Jährlich bekommt sie es mit etwa 100 Anzeigen wegen echter oder vermeintlicher Kindeswohl-Gefährdung zu tun. In etwa zehn Fällen pro Jahr müssen junge Menschen aus ihren Familien herausgenommen werden. "Aber die Schwierigkeiten, die diese Kinder mit sich bringen, haben sich deutlich verändert", so Bons.

Die "Problematiken" würden größer, entsprechend aufwändiger und teurer wird die Betreuung. "Das ist ein Trend, der sich in den letzten Jahren deutlich fortsetzt", so Bons. Übrigens nicht nur in Geldern, das gehe auch anderen Städten so.

Die Unterbringung von Kindern in Heim oder Pflegefamilien kostet schon im "günstigsten" Fall viel Geld. Mit etwa 3000 Euro im Monat ist mindestens zu rechnen. Eine klassische "Heimunterbringung" in einer normal betreuten Wohngruppe kostet ohne besondere Umstände schon über 4000 Euro monatlich. Und wenn intensive Hilfe notwendig ist, gegebenenfalls psychologische Begleitung oder ähnliches, dann klettern die Kosten in Richtung der 7000-Euro-Marke.

Für jedes Kind muss eine geeignete Stelle gesucht werden. Und wenn die nicht innerhalb von Geldern zu finden ist, muss das Jugendamt außerhalb auf die Suche gehen. Rar sind die freien Plätze überall, vielfach gibt es Wartelisten: "Man kann es sich nicht aussuchen", erklärt Walburga Bons die Folge. "Man muss eine adäquate Einrichtung finden, und dann muss man nehmen, was man kriegen kann. Unter Umständen auch, wenn's teurer ist."

Verschärfend wirkt sich seit 2016 die Flüchtlingssituation aus, denn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, besetzen ebenfalls Heimplätze.

Eine Ursache für Kostenerhöhungen ist zudem, dass das Wissen voranschreitet. "Durch ausgefeilte Diagnostik-Verfahren weiß man heute einfach mehr darüber, was ein Kind braucht", erläutert Walburga Bons. Und wenn man das weiß, dann muss man es auch tun - auch, wenn es nicht billig ist: "Man kann ja nicht sagen, wir kennen den Bedarf, aber wir suchen eine Einrichtung, die den Bedarf nicht deckt, Hauptsache, das Kind ist untergebracht. Das geht nicht", macht Walburga Bons klar.

In den städtischen Finanzen schlägt sich die Sachlage deutlich nieder. Für das laufende Jahr 2016 waren für die "Förderung junger Menschen und Familien" ursprünglich mal 5,7 Millionen Euro angesetzt. Damit wird man nun nicht auskommen, mit Ausgaben von gut einer Million Euro mehr rechnet Kämmerer Thomas Knorrek. Die erwarteten Ausgaben in 2017 werden entsprechend angepasst.

"Gegensteuern" kann die Stadt allenfalls durch Vorbeugung: intensive Arbeit mit gefährdeten Familien, damit Kinder im eigenen Zuhause groß werden können. Dieses Ziel verfolge man auch sehr intensiv, heißt es bei der Stadt. "Wir versuchen, die Familien so lange es geht mit jedweder Unterstützung zusammen zu halten", betont Walburga Bons. "Wir schreiten erst dann ein, wenn es nicht mehr anders geht."

Quelle: RP
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