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Geldern
Junger Mann tot im Nierskanal gefunden

Geldern: Junger Mann tot im Nierskanal gefunden
Im Nierskanal lag der Leichnam des jungen Mannes vermutlich für einige Zeit unentdeckt. Spaziergänger, die auf der Walbecker Straße unterwegs waren, erkannten einen leblosen Körper an einer nicht sofort einsehbaren Stelle im Wasser. FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Es wird vermutet, dass es sich um einen 24-Jährigen aus Krefeld handelt, der vor knapp drei Wochen von einem Discobesuch nicht nach Hause gekommen ist. Er wird seitdem von seiner Gelderner Familie vermisst. Von Sina Zehrfeld

Spaziergänger auf der Walbecker Straße fanden den Toten gestern Mittag gegen 13 Uhr. Die Passanten glaubten, im Nierskanal in einiger Entfernung, etwa in der Nähe des Tombergswegs, eine leblose Person zu sehen. Sie riefen Polizei und Rettungsdienst. Die Einsatzkräfte arbeiteten sich zu dem Fundort vor, der von außen nicht gut einzusehen war, und fanden im Wasser den Leichnam des jungen Mannes.

Wenn sich der traurige Verdacht bestätigt, der nun im Raum steht, dann handelt es sich bei dem Toten um jenen 24-Jährigen, der in der Nacht zu Sonntag, 28. Februar, nach einem Besuch in der Discothek E-dry verschwand.

Bereits am besagten Sonntag meldete sich seine in Geldern lebende Familie in großer Sorge bei der Gelderner Polizei: Es sei keineswegs üblich für den Sohn und Bruder, einfach zu verschwinden, ohne sich zu melden. Am Montag, 29. Februar, startete ein Bruder einen Hilferuf über Facebook: Der 24-Jährige habe die Discothek E-dry um etwa halb ein Uhr in der Nacht verlassen und sei nicht mehr zu Hause aufgetaucht. Man sei dankbar für jeden Hinweis auf seinen Verbleib. Viele Facebook-Nutzer nahmen Anteil, wünschten Glück bei der Suche und Durchhaltevermögen.

Gestern erhielten Angehörige des Vermissten schon von dem Geschehen am Nierskanal Kenntnis und kamen zum Einsatzort, der von der Disco E-dry einige hundert Meter entfernt liegt. Eine Identifikation durch die Familienmitglieder sei "in der Situation nicht möglich" gewesen, stellte Polizeisprecher Manfred Jacobi fest. So eine Vorgehensweise sei auch nicht polizeiliche Praxis.

Stattdessen erhofft man sich von der Obduktion in der Duisburger Rechtsmedizin, die für 11 Uhr am heutigen Vormittag anberaumt ist, größere Sicherheit über die Identität des Mannes. Es gebe bislang "keinen Hinweis auf Fremdverschulden", also auf eine Straftat, so Manfred Jakobi. Das allein sagt allerdings noch nicht allzu viel, denn der Mann blieb einige Zeit unentdeckt und ist noch nicht umfassend untersucht worden.

Für den 24-Jährigen, der nun möglicherweise nicht mehr lebt, wurde auf das Vorsprechen der Familie hin keine Vermisstenanzeige aufgenommen. Das geschehe bei erwachsenen Menschen nur dann, "wenn entsprechende Umstände geschildert werden", begründet die Polizei. So zum Beispiel, wenn ein verwirrter Mensch den Weg nach Hause nicht findet oder wenn andere gesundheitliche Beeinträchtigungen, Hinweise auf einen Suizid oder auf eine Straftat vorlägen. Gibt es solche Hinweise nicht, dann gebe es keinen Grund für eine Suchaktion. "Jeder hat das Recht, als erwachsener Mensch auch seine Angehörigen im Unklaren zu lassen über seinen Aufenthaltsort", heißt es seitens der Polizei. Nicht mal ein längeres Verschwinden sei nicht automatisch Grund für die Suche, es komme immer auf den Einzelfall an.

Quelle: RP
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