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Wachtendonk
Kampf um den Parkausweis gewonnen

Wachtendonk: Kampf um den Parkausweis gewonnen
Hartnäckigkeit zahlt sich aus: Hildegard Indenhock hält endlich den Parkausweis in den Händen. FOTO: Gerhard Seybert
Wachtendonk. Vor Gericht hat sich die Wachtendonkerin Hildegard Indenhock gegen die Klever Kreisverwaltung durchgesetzt. Nach dem Urteil musste die Frau allerdings noch lange auf das Dokument mit dem Zusatz "aG" warten. Von Michael Klatt

Blau ist das Dokument, und es macht das Leben für Hildegard Indenhock leichter. Denn die beiden Buchstaben "aG" auf dem Ausweis erlauben es der Wachtendonkerin, ihr Auto auf Behindertenparkplätzen abzustellen. Fünf Jahre gilt dieser Behindertenausweis. Fast anderthalb Jahre musste die 77-Jährige, die zu 80 Grad behindert ist und nur mit Rollator oder Gehstütze wenige Schritte bewältigen kann, bei der Klever Kreisverwaltung um diesen Behindertenausweis kämpfen.

Die Korrespondenz in dieser Sache ließ den Aktenordner schwellen (die RP berichtete). Am 28. Oktober kam es am Sozialgericht Duisburg zur Entscheidung. Das Urteil des Richters fiel zu Gunsten der Wachtendonkerin aus. Von der Vertreterin des Kreises musste sie sich beim Verlassen des Gerichtssaals die Mahnung anhören, damit keine Reklame zu machen. "Dabei habe ich nur auf meinem guten Recht bestanden", so die Bürgerin.

Die dann allerdings noch lange warten musste, bis sie den begehrten Ausweis in Händen hielt. Sorgfältig hat Hildegard Indenhock notiert, welchen Aufwand sie nach dem Urteil noch treiben musste.

3. November Die Wachtendonkerin ruft bei der auch vor Gericht anwesenden Sachbearbeiterin des Kreises an, wo denn der Ausweis bleibe. Das Urteil liege noch nicht vor, so der Bescheid.

11. November Hildegard Indenhock bekommt das Urteil vom Kreis Kleve zugesandt. Am selben Tag ruft sie bei der genannten Sachbearbeiterin an und erkundigt sich, welche Schritte sie jetzt unternehmen müsse. Die Verwaltungsmitarbeiterin teilt der Wachtendonkerin mit, dass die Unterlagen samt des Passfotos zum Straßenverkehrsamt geschickt werden müssten. Sie nennt auch gleich die Telefonnummer der dortigen Sachbearbeiterin.

12. November Hildegard Indenhock schickt eine Kopie des Urteils samt Passfoto zum Straßenverkehrsamt.

16. November Hildegard Indenhock ruft beim Straßenverkehrsamt an. Dort seien die Unterlagen noch nicht eingetroffen, heißt es.

17. November Erneuter Kontakt mit dem Straßenverkehrsamt. Die Unterlagen reichten nicht, wird der Wachtendonkerin mitgeteilt. Es fehle noch der Feststellungsbescheid von der Stelle 1.3 bei der Kreisverwaltung. Umgehend ruft Hildegard Indenhock bei der genannten Abteilung der Kreisverwaltung an und bekommt eine andere Sachbearbeiterin ans Telefon. Die behauptet, das Urteil liege noch nicht vor. Auf den Hinweis der Bürgerin, sie habe doch schon eine Kopie des Urteils, verspricht die Sachbearbeiterin einen Rückruf. Der kommt dann prompt mit der Information, dass das Urteil doch vorliege und der Feststellungsbescheid zugeschickt werde. Hildegard Indenhock bittet darum, eine Kopie direkt zum Straßenverkehrsamt zu senden, um einen Umweg zu vermeiden.

18. November Hildegard Indenhock bekommt den Feststellungsbescheid.

22. November Hildegard Indenhock erhält den Behindertenausweis mit dem Merkzeichen "aG".

Die Wachtendonkerin ist froh, dass sie das Papier hat. "Ich konnte für den Besuch bei meinem Orthopäden schon den Behindertenparkplatz nutzen." Auf die Klever Kreisverwaltung ist sie nicht gut zu sprechen. Es brauche Durchhaltevermögen. "Man muss bohren, widersprechen, erst dann bewegt sich was." Von der Kreisverwaltung gab es keine Stellungnahme. "Zu Einzelfällen dürfen wir keine Auskünfte machen", sagte Pressesprecherin Ruth Keuken.

"Im Fall Indenhock dauerte es viel zu lange", urteilt Bernd Stara, der seit 2013 Behindertenlotse im Kreis Kleve ist. Der Kerkener hat "manchmal den Eindruck, als sei Willkür im Spiel". Er hat bisher mehr als 400 Klienten betreut. "60 Prozent konnte ich helfen", bilanziert Stara, der Menschen in Situationen wie Hildegard Indenhock einlädt, sich an ihn zu senden (Telefon 02833 2973, E-Mail b.stara@lotsen-nrw.de). Eine Adresse ist auch der Sozialverband VdK. Dessen Kreisverband am Niederrhein ist zuständig für die Kreise Kleve und Wesel sowie die Stadt Duisburg. Vorsitzender ist Horst Vöge aus Rheinberg, Telefon 02843 95920, E-Mail kv-am-niederrhein@vdk.de.

Quelle: RP
 
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