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Geldern
Kanal marode: Gärten werden aufgerissen

Geldern: Kanal marode: Gärten werden aufgerissen
Hier werden der Regenwasser- und der Schmutzwasserkanal erneuert. Beide Leitungen laufen mitten durch die Vorgärten - zur großen Verblüffung der Stadtverwaltung. Und zur Verblüffung der Familie von Lukas (links) und Alen, vor deren Haus gerade erst der Vorplatz frisch gepflastert wurde. FOTO: Evers
Geldern. An einem Stück der Straße "An der Ley" müssen für die Erneuerung der Leitungen alle Vorgärten aufgerissen werden. Normalerweise laufen die Rohre unter der Straße entlang. Warum das diesmal anders ist, weiß kein Mensch. Von Sina Zehrfeld

Betroffen ist die Stichstraße "An der Ley" mit den Hausnummern 2 bis 12: sechs Häuser. Sowohl der Regenwasser- als auch der Schmutzwasserkanal - das sind zwei verschiedene Leitungen - sind dort marode und müssen vollständig erneuert werden. "Und da liegen diese Kanäle - warum auch immer - in den Vorgärten", erklärt Frank Hackstein vom Gelderner Tiefbauamt die Problematik.

Das heißt: Die ganze Reihe der Vorgärten wird aufgebuddelt, die Kanäle werden herausgeholt, ein paar Meter entfernt unter der Straße werden neue Leitungen verlegt. Dann werden die Gärten wiederhergestellt.

Bei der Stadtverwaltung hatte im Vorfeld niemand etwas von der Situation geahnt. "Zumal wir im Grundbuch gar kein Recht haben, mit unseren Kanälen da zu liegen", sagt Frank Hackstein mit deutlicher Verwunderung. "Die Situation ist uns erst bewusst geworden im Zuge der Kanaldurchfahrung, also bei der Inspektion."

Wären die Rohre nicht so sehr beschädigt, könnte man das Graben vermeiden und Schläuche einziehen - eine einfachere Form der Sanierung. Aber das sei nicht mehr möglich. Und wenn nun also alles aufgerissen werden muss, dann soll auch der ordnungsgemäße Zustand hergestellt und das System aus Gärten herausgeholt werden.

Die Hausanschlüsse zu den Gebäuden müssen entsprechend zum neuen Kanal an der Straße verlängert werden. Die Anwohner kostet das nichts, ebenso wenig wie sie für die sonstigen Arbeiten etwas bezahlen müssen: Sie können ja nichts dazu, dass der Kanal falsch liegt, betont Hackstein. Auch bei der Herrichtung der Vorgärten werde man auf die Anlieger eingehen: "Wir wollen das so wieder herstellen, wie es vorher war", sagt er. "Wir wollen das einvernehmlich machen - es ist Belastung genug für die Leute."

Der Baubeginn ist für den 2. Oktober vorgesehen, dann dauern die Arbeiten voraussichtlich 30 Werktage. Die betroffenen Hauseigentümer wurden durch die Stadt informiert. An der Straße gibt es allerdings auch Mieter, die dann oft erst aus zweiter Hand von der Sache erfahren.

Die Kosten für die Sanierung werden sich durch das Vorgarten-Problem voraussichtlich mehr als verdoppeln. Insgesamt rechnet die Stadt mit rund 140.000 Euro. 77.500 Euro davon entfallen auf die Mehrarbeiten.

Den Mitarbeitern im Rathaus ist ein Rätsel, warum die Kanäle An der Ley da sind, wo sie sind. "Das ist den Akten nicht mehr zu entnehmen", sagt Frank Hackstein. Man weiß nicht mal, wann die Entscheidung getroffen wurde. Klar ist nur: Es ist Jahrzehnte her. Es gebe darüber keine Unterlagen mehr, keine Bauakten, und auch keine Kollegen, die es noch wissen könnten.

Solche Fälle seien eine "absolute Ausnahme", macht Hackstein klar. Es gebe zum Beispiel die Möglichkeit, dass Grundstückszuschnitte nachträglich verändert wurden. Aber auch dann müssten Grundbucheinträge existieren. Und An der Ley seien die Leitungen nicht mal in der Nähe der Garten-Ränder verortet, sondern wirklich mittendrin.

Quelle: RP
 
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