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Straelen
Karneval ist mit Abstand am sichersten

Straelen: Karneval ist mit Abstand am sichersten
FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)
Straelen. Die Veranstalter der närrischen Umzüge müssen viel Aufwand betreiben, um die Großereignisse reibungslos abzuwickeln. Dabei appellieren sie auch an die Vernunft der Zuschauer. Zum Beispiel die GKG "Narrenschiff" Straelen. Von Michael Klatt und Sebastian Latzel

Die erste Etappe ist noch relativ problemlos, die Straße gerade und breit, der Abstand zu den Zuschauern komfortabel. Doch wenn sich der närrische Lindwurm der Innenstadt nähert, wird's heikel. "Dann wird es teilweise so eng, dass die Leute mit ihren Bäuchen fast die Wagen berühren", weiß Frank Renkes.

Er gehört bei der Großen Karnevalsgesellschaft (GKG) "Narrenschiff" zur Zugleitung. Die Straelener müssen, wie die Veranstalter überall, einen großen Aufwand betreiben, um den Umzug reibungslos über die Bühne zu bringen. Zum Auftakt des niederrheinischen Straßenkarnevals appellieren sie auch an die Zuschauer, sich vernünftig zu verhalten. Denn, so Renkes: "Die psychische Anspannung der Zugbegleiter ist sowieso schon hoch genug."

Besonders bei den "Wagenengeln", die unmittelbar neben den Karnevalswagen laufen und dafür sorgen müssen, dass niemand den Gespannen zu nahe kommt. Auf maximal 18 Meter Länge dürfen es Zugmaschine und Wagen zusammen maximal bringen, auf drei Meter Breite und 3,80 Meter Höhe. Dimensionen, die von allen Akteuren in den Gassen Geschick und Nervenstärke erfordern.

Durch Verkleidungen müssen die gefährlichen Stellen an Trecker und Wagen abgedeckt sein: die Räder und die Einstiegsstufen zur Fahrerkabine. Die "Wagenengel", die alle rote oder gelbe Warnwesten tragen müssen, sind an den neuralgischen Punkten postiert. Das sind laut Renkes von vorne nach hinten: die vorderen Ecken der Zugmaschine, das Ende der Zugmaschine, der Beginn des Wagens, das Ende des Wagens. Macht alleine für den Elferratswagen der GKG acht "Wagenengel".

Insgesamt ist "Narrenschiff" beim Umzug am morgigen Sonntag mit fünf großen Wagen vertreten. Die dafür nötigen 40 Begleiter wurden zum Teil über Facebook gesucht. "Es ist nicht immer einfach, Leute zu bekommen", sagt Renkes. Zum Teil kann die GKG laut "Narrenschiff"-Mitglied Clemens Pellens auf Personal von befreundeten Vereinen zum Beispiel aus Hinsbeck und Nettetal zurückgreifen, bei denen die Straelener im Austausch aushelfen.

Natürlich gelten die Vorschriften nicht nur für die GKG, sondern für alle Gruppen, die mit Wagen teilnehmen. "Die Zugverordnung steht im Internet", erklärt Renkes. Vor jedem Zug gibt es eine Unterweisung durch die Zugleitung. Auch für diejenigen, die als "Wagenengel" Routiniers sind. Striktes Alkoholverbot gilt bis nach dem Zug. Und wer nicht die genügende Anzahl an Begleitern dabei hat, dessen Wagen wird stillgelegt. Renkes erinnert sich an einen Vorfall vor vier Jahren, als ein auswärtiger Teilnehmer sich erst dann in den Zug einreihen durfte, nachdem ein Teil der Besatzung vom Wagen gestiegen war und sich als Eskorte betätigte.

Rund 20 Zugordner achten in Straelen darauf, dass von den Wagen aus keine schweren Gegenstände, die verletzen könnten, in die Menge geworfen werden. Verstöße melden sie an die Zugleitung, die dann aktiv wird. Treckerfahrer und "Zugengel" stehen dauernd im Blickkontakt. Möglichst begleiten eingespielte Teams die Wagen, die zum Beispiel Hupsignale richtig interpretieren. Und immer wieder dankbar ist die GKG der Feuerwehr, dem Ordnungsamt und den Johannitern. "Sie sind für uns als Partner unverzichtbar", sagt Elke Renkes, die bei den "Wagenengeln" zum Reserve-Team gehört.

Und froh sind die Straelener Karnevalisten, wenn sich die Zuschauer vernünftig verhalten. Das heißt vor allem: Abstand halten von den Wagen. Immer wieder beobachten die Organisatoren, wie sich gerade Erwachsene fast unter die Wagen werfen, um auch noch die letzten Kamelle zu erhaschen, und die dann höflich, aber bestimmt, zurückgedrängt werden. "Es gibt doch satt Süßigkeiten", mahnt Frank Renkes zur Vorsicht. Tonnenweise werden in der Blumenstadt süße und blühende Souvenirs geworfen beziehungsweise gereicht. Und erst recht nicht sollten die Eltern ihre Kinder zur Kamellejagd an die Wagen schicken. Am liebsten sieht die Zugleitung die Kleinen auf den Schultern von Papa oder auf dem Arm von Mama.

Wenn sich der Zug am frühen Abend aufgelöst hat, können die "Wagenengel" und alle anderen für die Sicherheit an den Gespannen Verantwortlichen entspannen. Erst dann auch ist die Zeit, sich das eine oder andere Bierchen zu gönnen. Dass die Bemühungen der Straelener um einen reibungslosen Ablauf Früchte tragen, wurde den GKG-Vertretern laut Renkes bei der Nachbesprechung vor zwei Jahren von der Polizei bestätigt. "Sie hat uns gesagt, dass wir einen der sichersten Karnevalsumzüge im Kreis Kleve haben."

Auch in Kevelaer wird seit Jahren darauf geachtet, dass die Wagen, die durch die Innenstadt fahren, möglichst niemanden gefährden können. Anhänger und Zugmaschine sind rundum komplett verkleidet, werden vom TÜV vor dem Zug noch einmal genau unter die Lupe genommen. "Da gab es in den vergangenen Jahren nie Probleme, alle Wagen, die angemeldet waren, durften auch am Zug teilnehmen", erläutert Ludger Holla vom Bauamt. Vor vielen Jahren habe einmal ein Wagen nicht den Bestimmungen entsprochen. Der durfte dann am Rosenmontag auch nicht mitfahren.

Natürlich gilt auch in Kevelaer striktes Alkoholverbot für die Fahrer und die "Wagenengel" an den Achsen. Zudem appelliert die Stadt an alle Teilnehmer, auch keinen Alkohol von den Wagen herunter an die Zuschauer abzugeben. Die Jecken hätten hier gewissermaßen eine Vorbildfunktion. Dass die bunten Fahrzeuge durch die Innenstadt kommen, sei bislang kein Problem gewesen. "Auch bei der Höhe wird darauf geachtet, dass die Aufbauten nur so hoch ausfallen, dass die Wagen noch unter den Ampeln durchpassen", erläutert Holla.

Quelle: RP
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