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Issum
Katzentod auf der Neustraße in Issum

Issum: Katzentod auf der Neustraße in Issum
Ludwig "Lou" Schnitzler (l.) und Jörg Breitenfeld wollen, dass die Geschwindigkeit auf der Neustraße endlich eingehalten wird. FOTO: BIMO
Issum. Mit dem provokanten Satz "Heute ist es eine Katze, morgen vielleicht ein Kind" macht Jörg Breitenfeld auf die Verkehrssituation vor seiner Haustür aufmerksam. Statt "30" wird gerast, und das ausgerechnet vor der Grundschule. Von Bianca Mokwa

Zwischen die Trauer mischt sich Wut. "Der hat noch nicht einmal den Mut gehabt, stehen zu bleiben. Er ist einfach weitergefahren", sagt Jörg Breitenfeld. Seine Worte sollen den Fahrer treffen, der vor der Haustür der Familie Breitenfeld ihre Katze überfahren hat. "Heute ist es eine Katze, morgen vielleicht ein Kind", schreibt Jörg Breitenfeld dazu auf der Facebookseite "Weil Issum".

Die Familie Breitenfeld wohnt an der Ecke der Neustraße, nur wenige Meter von der Brüder-Grimm-Grundschule entfernt. "Es geht ja nicht nur um die Katze", sagt der Issumer. Sondern auch um die Kinder, die täglich der überhöhten Geschwindigkeit vieler Autofahrer ausgesetzt sind. "Es ist grundsätzlich so, dass Tempo 30 von mindestens jedem zweiten ignoriert wird", beschreibt der Issumer, was er tagtäglich erlebt. Viele Autos biegen mit viel Geschwindigkeit von der B 58 in die Neustraße. Ein Schild und auch Markierungen auf dem Boden weisen allerdings darauf hin, dass man sich in einer 30er-Zone befindet. "Außerdem ist die Straße, wenn man von der Rosenstraße kommt, schlecht einsehbar", sagt Breitenfeld. Das wäre ein Grund mehr, seine Geschwindigkeit zu drosseln und achtsam zu fahren. Das Gegenteil ist der Fall.

Erschwerend kommt noch der Bring- und Abholverkehr an der Schule dazu. Sicher kein neues Thema, aber dadurch entstehen viele gefährliche Situationen. "Es ist mittlerweile ein Krieg", schildert Breitenfeld seine Beobachtungen und erzählt von Schulbussen, die massiv hupen müssen, damit Mütter ihre Autos wegfahren. Die parken ihre Autos auch auf der weiß gezackten Linie, so dass Busse kaum oder gar nicht mehr durch den Kreisverkehr an der Schule kommen. "Rücksichtslosigkeit ist ein Thema, Bequemlichkeit ist ein Thema", zählt Breitenfeld mögliche Ursachen auf. Auch wenn er sich vielleicht damit unbeliebt machen könnte, so wünscht er sich doch mehr Kontrollen. "Es geht nicht darum, dass die Anlieger Ruhe haben wollen, sondern wir reden hier objektiv von einer Gefahrensituation, weil die Grundschule da ist."

Umso erstaunlicher ist die "Raserei", weil sich an die 30er-Zone eine Spielstraße anschließt, also ein Bereich, in dem nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf. Darüber kann Anwohner Ludwig "Lou" Schnitzler allerdings nur müde lächeln. Denn so gut wie keiner halte sich daran. Vom Reitsportgeschäft "Pferd und Mehr" hat er einen guten Blick auf das, was draußen passiert. "Freies Training", sagt er über die Geschwindigkeitsrekorde, die mancher in der schmalen Straße erreichen will. "Mindestens 30 und schneller", schätzt er die Geschwindigkeit der Autofahrer ein. "Sobald die bei uns vorbei sind, geben die noch einmal Frustgas", und das, obwohl die Straße kurz danach zu Ende ist.

"Ich habe das Gefühl, die Mütter setzen das Essen auf, holen die Kinder ab und haben Angst, dass, wenn sie nicht schnell genug zurück sind, das Essen anbrennt", versucht er einen Erklärungsversuch, warum die Abholsituation verkehrstechnisch jeden Tag so chaotisch ist. Wer sich dagegen an die Schrittgeschwindigkeit hält, werde regelmäßig angehupt oder angeblinkt, sagt der Issumer Robin Hein. Auch Kinder, die nach der Schule zu Fuß nach Hause gehen oder mit dem Fahrrad dort fahren, "werden von der Straße gehupt", sagt Schnitzler. Dabei mahnt nicht nur das Schild Spielstraße, sondern auch die Straßenstruktur zur Vorsicht und gegenseitigen Rücksichtnahme. Von den Häusern treten die Anwohner direkt auf die Straße, einen Bürgersteig gibt es nicht. Schnitzler fragt sich auch, warum überhaupt so viele Ortskundige durch diesen verkehrsberuhigten Bereich fahren müssen. Es gibt genug andere Wege um von einem Ende Issums zum anderen zu kommen. Und dann wird noch mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Spielstraße gefahren. Ärgerlich und gefährlich.

"Die Zahl der Leute, die sich bewusst über Regeln und Gesetze hinwegsetzen, nimmt zu", sagt Robert Hein, der Fachberater für Verkehrspsychologie ist. Die wenigsten hätten ein Problem damit, zehn Prozent schneller zu fahren. Viele würden allerdings vergessen, dass sich dadurch auch der Reaktions- und Bremsweg verlängern. "Regeln und Gesetze im Straßenverkehr dienen einem gesunden Miteinander. Sie sind nicht dafür da, dass Polizisten was zu tun haben, sondern weil sonst Leute zu Schaden kommen, in dem Fall eine Katze", stellt Robert Hein klar. "Zu schnelles Fahren ist die Hauptursache für Verkehrsunfälle." Die zweite Katze der Familie Breitenfeld bleibt erst einmal im Haus.

Quelle: RP
 
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