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Tödlicher Badeunfall in Kerken
Junger Mann stirbt im Eyller See

Kerken: 18-Jähriger ertrinkt in Badesee
Mehr als 150 Rettungskräfte von Feuerwehr, Polizei und DLRG waren im Einsatz. FOTO: Latzel
Kerken. Ein Mann ist am Montag beim Schwimmen in Kerken verunglückt. Es handelt sich anscheinend um einen 24-jährigen Tunesier aus einer nahen Flüchtlingsunterkunft. Ein Großaufgebot von Rettungskräften war im Einsatz. Von Sina Zehrfeld

Der Badeunfall ereignete sich Montag in der Hitze des Nachmittages. Zwei junge Männer waren miteinander im Strandbad am Eyller See. "Der eine war im Wasser, der andere lag außerhalb auf einem Handtuch und hat ihn an einer Boje gesehen", beschrieb vor Ort der Einsatzleiter der Polizei, Marc Seeger, das Geschehen. "Und eine Minute später sah er ihn plötzlich nicht mehr."

Gegen 16.20 Uhr lief der junge Mann sofort zum Betreiber der Anlage und rief um Hilfe. Der Betreiber wiederum verständigte auf der Stelle die Rettungskräfte.

Ein Großaufgebot von Einsatzkräften war binnen kürzester Zeit vor Ort. Die Feuerwehr Duisburg schickte einen Hubschrauber und Taucher, ein Polizeihubschrauber ging ebenfalls in die Luft. Boote von Feuerwehr und DLRG wurden auf das Wasser gebracht. All das konnte den jungen Mann aber nicht mehr retten. Gegen 18 Uhr entdeckten Mitglieder der Feuerwehr den Körper des Toten durch den Einsatz von Sonar unterhalb einer Boje. Ob es dieselbe Boje war, an der er zuletzt noch lebend gesehen worden war, blieb am Montag zunächst unklar.

FOTO: Latzel

Die Identität des Toten ist noch nicht zweifelsfrei geklärt, teilte die Polizei mit. Der junge Zeuge wurde Montag nicht mehr befragt; ein Notfallseelsorger betreute ihn mit Hilfe eines Dolmetschers.

Weshalb der Verunglückte zu Tode gekommen ist, ob er ertrunken ist und ob er schwimmen konnte oder nicht, ist noch offen. Die Kripo wird sich nun in einem Todesermittlungsverfahren mit diesen Fragen befassen.

Zum Auftakt der Rettungsaktion hatte es ein Missverständnis gegeben. In einer ersten Meldung an die Helfer glaubte man noch, dass ein neunjähriger Junge vermisst werde. Das aber lag an Verständigungsproblemen: Der Freund des Verunglückten spricht kaum Deutsch, sondern Französisch und nur ein paar Brocken Englisch. Der Betreiber des Strandbades wiederum versuchte, die Erklärungen des aufgeregten Hilfesuchenden zu deuten. Das führte dazu, dass am Anfang von "acht oder neun Jahren" die Rede war.

Der Betreiber des Strandbades zeigte sich am Montag schockiert von den Ereignissen, er wollte nichts dazu sagen. Die Badegäste hatte er gleich nach Bekanntwerden des Unfalls darum gebeten, die Anlage zu verlassen. Insgesamt waren weit über 100 Rettungskräfte im Einsatz, die somit ungestört arbeiten konnten: "Alles, was im Kreis Kleve zur Wasserrettung zur Verfügung steht, war da", so der Einsatzleiter Marc Seeger.

Die Unglücksursache in diesem Fall ist noch offen. Sollte sich allerdings herausstellen, dass der junge Mann nicht gut oder sogar überhaupt nicht schwimmen konnte, dann wäre es ein weiteres tragisches Beispiel in einer Reihe von Vorkommnissen, die seit Jahren zunehmen.

In den vergangenen Sommern hat es vermehrt tödliche Badeunfälle mit – meist jungen – geflüchteten Menschen gegeben, die die Gefahren von Seen und Flüssen nicht richtig einschätzen konnten. Die DLRG hat darauf immer wieder hingewiesen und Warnhinweise in verschiedenen Sprachen erstellt. Auch Schwimmkurse für Flüchtlinge werden regelmäßig gefordert.

Anmerkung der Redaktion: Zunächst hatten wir berichtet, bei dem Ertrunkenen handele es sich um einen 18-Jährigen. Das hatte die Polizei vermutet. Am Dienstagmorgen teilte die Behörde mit, dass der Mann wohl 24 Jahre alt war. Die Identität des Verstorbenen steht nach Angaben der Polizei aber noch nicht zweifelsfrei fest.

Quelle: RP