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Kerken
Kerkens Flächen für die Flüchtlinge

Kerken: Kerkens Flächen für die Flüchtlinge
Am Grauelsweg in Nieukerk ist ein Grundstück, das nach den derzeitigen Plänen mit einem Flüchtlingsheim bebaut werden soll. FOTO: markus van Offern
Kerken. Die Planungen für Unterkünfte werden konkreter: Standorte sind ins Auge gefasst, ein Mietvertrag und Bauanträge in Vorbereitung. Die Gemeinde erwartet mehr als 200 Geflüchtete. Vorbereitungen auch für die Integration der Menschen. Von Antje Seemann

Dass das Thema Flüchtlinge auch oft emotional ist, haben die Gemeindeverwaltung und die Kerkener Politik in der vergangenen Ratssitzung erfahren: Einige Kerkener machen sich Sorgen, dass sie bald Flüchtlinge in der Nachbarschaft haben. Sie sind in die Ratssitzung gekommen, um ihre Ängste mitzuteilen. Das nimmt Bürgermeister Dirk Möcking ernst, beruhigt seine Bürger aber auch: "Wir haben uns natürlich Gedanken gemacht, wie die Menschen in unsere Gesellschaft eingegliedert werden und wie man Konflikte mit der Bevölkerung vermeidet."

Kerken muss nach der Schließung der Via Stenden als landeseigene Unterkunft jetzt selbst Platz für rund 250 Flüchtlinge schaffen. Gespräche, wie auch die Integrationsarbeit gelingt, gebe es mit der Kirche, mit ehrenamtlichen Helfern und auch mit anderen Bürgermeistern: "In unseren Nachbarkommunen läuft es gut. es gibt ein großes ehrenamtliches Engagement, und es funktioniert mit den Flüchtlingen und den Bürgern." An dem Konzept, wie und wo in Kerken die Flüchtlinge untergebracht werden, hat die Verwaltung in den vergangenen Wochen mit Hochdruck gearbeitet. Die Kosten dafür schätzt der Bürgermeister auf 3,5 Millionen Euro.

Auch im Gebiet am Weinberg befinden sich Flächen, auf denen Unterkünfte für Flüchtlinge entstehen könnten. FOTO: van Offern Markus

Als erste Maßnahme sind Container geplant - an der der Oststraße in Nieukerk und an der Kolpingstraße oder der Güterstraße in Aldekerk. Der Gemeinderat hatte die Verwaltung damit beauftragt, eigene Grundstücke zu prüfen, ob sie für Unterkünfte geeignet sind und mit welchen Kosten das verbunden ist. Möcking: "Das Grundstück an der Kolpingstraße ist schon erschlossen. Das heißt, wenn wir da Container aufstellen, sind Strom und Wasser schon da. Das Grundstück auf der Güterstraße müssten wir noch erschließen. Das würde mit Kanal 157.000 Euro kosten - ohne Strom." Stehen sollen die ersten Container im November an der Oststraße.

Zum Konzept gehört aber auch, dass ein Teil der Unterkünfte als Wohnhäuser gebaut wird, denn das sei nachhaltiger, erklärt Möcking. Geplant sind sie als Reihenhäuser oder Doppelhaushälften in Nieukerk am Grauelsweg und am Weinberg. Möcking: "Wenn die Häuser wieder frei werden, haben wir als Gemeinde alle Möglichkeiten. Wir könnten sie zum Beispiel als sozialen Wohnbau vermieten." Häuser in Massivbauweise zu bauen braucht allerdings Zeit. Die Verwaltung geht von etwa einem Jahr aus. Dann sollen die Flüchtlinge dahin umziehen.

Außerdem reaktiviert die Gemeinde einen schon erprobten Standort für Flüchtlingsunterkünfte aus den 1990er Jahren, sagt der Bürgermeister: "Wir planen Blockhäuser auf dem Grundstück Am Aermen Düwel zwischen dem Tennisplatz und dem Sportplatz." Vier Stück für insgesamt 48 Bewohner sollen hierhin kommen. Dann ist auch noch etwas Potenzial in den schon bestehenden Unterkünften an der Hochstraße in Aldekerk und in der alten Schule in Winternam, wo die ersten der neuankommenden Flüchtlinge ab November untergebracht werden. Einige Plätze gibt es außerdem durch Mietverträge mit Hauseigentümern, die ihren ungenutzten Wohnraum an die Gemeinde vermieten, erklärt der Bürgermeister: "Da haben wir vermutlich zwei Häuser, wo wir auch nochmal je Platz für 15 Menschen haben." Die Via Stenden war als Zwischenlösung intensiv diskutiert worden. Allerdings kam sie nach einer Prüfung nicht mehr infrage. Zu teuer sei es, die Brandschutzauflagen zu erfüllen sowie Verpflegung und Sicherheitsdienst sicherzustellen.

Rein rechnerisch hat die Gemeinde mit dem Konzept alle Flüchtlinge nach der aktuellen Quote untergebracht. Dennoch sucht sie weiter nach Unterbringungsmöglichkeiten: "Es ist gut, wenn wir auch einen Puffer haben. Zum Beispiel haben wir dann bei der Zusammensetzung der Unterkünfte Potenzial. Wir achten natürlich auf ein möglichst geringes Konfliktpotenzial. Wenn doch wieder mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen."

Auch privaten Wohnraum zum Anmieten sucht die Gemeinde weiterhin. Infos gibt es bei Klaus Arnolds unter Telefon 02833 922163. Diese Woche sollen alle Bürger informiert werden, die Anwohner einer künftigen Unterkunft sind, Möcking steht außerdem auch persönlich für Fragen zur Verfügung.

Quelle: RP
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