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Geldern
Kinder der Michael-Schule wollen toben

Geldern. Die Grundschule im Zentrum Gelderns hat ihren Hof aus eigener Kraft neu gestaltet. Ein Projekt ist aber noch übrig: eine große Rutsche, von der ersten Etage an abwärts. Für die Kinder wäre das toll. Man hofft nun auf Hilfe von der Stadt. Von Sina Zehrfeld

Eine "Wahnsinns-Idee" nennt Mutter Kerstin Nolte vom Förderverein der St.-Michael-Schule das Rutschen-Projekt. Wobei: So "wahnsinnig" ist es gar nicht. Das Spielgerät könnte nämlich eigentlich recht simpel angebaut werden.

Auf der Rückseite des Schulgebäudes an der Hülser-Kloster-Straße mitten in der Stadt gibt es in der ersten Etage einen Ausgang mit Metalltreppe abwärts. Dort oben könnte man die Rutsche installieren. Für die Sicherheit wäre es im oberen Bereich eine Tunnel-Rutsche, und generell müssten noch ein paar Sicherheitsvorkehrungen gebaut werden. Aber dann kämen die Kinder richtig in Bewegung: runterrutschen, hochlaufen, die Höhe erleben.

Lehrerin Daniela Scheffer hat den großen Schulhof-Umbau initiiert, der seit über zwei Jahren läuft. Die Rutschen-Idee sieht sie als elegante Variante: "Wir nutzen die Gegebenheiten, die schon da sind", sagt sie.

Zwei Probleme gibt es dabei allerdings. Erstens: die Kosten. Die Installation wäre voraussichtlich etwa 10.000 Euro teuer. Zweitens: bürokratische Hürden. Bei beidem hofft die Schule nun auf Hilfe von Politik und Stadtverwaltung.

Immerhin habe man schon so viel aus eigener Kraft gestemmt. Früher gab es auf dem Schulhof nämlich nur einen Pavillon mit in die Jahre gekommenen Bänken, kleine Klettergelegenheiten mit Mini-Rutsche. "Das war nicht genug, um den Kindern das zu bieten, was sie brauchen, nämlich Bewegungsanreize", sagt Schulleiterin Karin Bachmann.

Ihre Kollegin Daniela Scheffer wollte das ändern, holte den Förderverein mit ins Boot, und bald war die ganze Schulgemeinschaft involviert: Mitarbeiter, Kinder, Eltern. Als Erstes wurde aus dem Pavillon eine richtige Außenklasse mit Tischen und Bänken rundherum. Dann kamen kleine Fußballtore, ein Basketballkorb, ein Parcours aus Tauen zum Balancieren und Reckstangen zum Hangeln und Turnen. Gerade auf diese schlichten Geräte fliegen die Kinder geradezu.

Das Ganze war natürlich teuer. Über 7000 Euro wurden allein für die Außenklasse fällig, rund 12.000 Euro für den Rest. All das stemmte die Schulgemeinschaft aus eigener Finanzkraft. "Die Eltern haben mitgemacht, die Kinder haben Geld gesammelt", erzählt Karin Bachmann. Es gab Spendenaufrufe, Sponsoring, Verkaufsprojekte, Unternehmen "spendeten" Arbeit, "wir haben wirklich viele Aktionen gemacht."

Jetzt aber, nachdem man insgesamt rund 19.000 Euro zusammengebracht habe, sei man am Ende der Möglichkeiten. "Noch mal kann der Förderverein das nicht", sagt Bachmann. "Wir sind jetzt wirklich an unsere Grenzen gekommen." Ihr Wunsch: "Es wäre schön, wenn die Stadt die Kosten für die Rutsche übernehmen würde." Die Stadt habe sich nämlich bis jetzt lediglich beteiligt, indem sie in einer Ecke des Schulhofs Gebüsch und Fahrradständer beseitigen und die Fläche pflastern ließ.

Auch bei den organisatorischen Vorbereitungen für das Rutschenprojekt hofft die Schulgemeinschaft auf Entgegenkommen. Beispielsweise brauche man absolut genaue Baupläne von Haus und Treppe. Die Stadtverwaltung hat zunächst nur ein Exemplar aus den 60er Jahren vorgelegt- da ist von der Außentreppe noch gar nichts zu sehen. Jetzt ist Lehrerin Scheffer also auf der Suche nach genaueren Bauzeichnungen - irgendwo müssten die ja sein, meint sie.

Gelderns Lokalpolitiker werden sich im Schulausschuss mit dem Ansinnen der St.-Michael-Schule befassen. Daniela Scheffer hofft, dass sie das Projekt unterstützen. "Wir haben jetzt was auf dem Schulhof, aber das reicht längst noch nicht aus", betont sie. Viele Kinder sind heutzutage bis 16 Uhr am Nachmittag in der Einrichtung. Wo Kinder so viel Zeit verbringen, da müsse es Anlässe und Gelegenheit geben, sich auszutoben. "Das ist auch unsere Verantwortung, dass wir den Kindern das bieten", sagt Scheffer.

Quelle: RP
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