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Geldern
Kirche verkauft Siemes-Millionen-Erbe

Geistersiedlung in Geldern: Leerstehende Häuser aus dem Siemes-Erbe
Geistersiedlung in Geldern: Leerstehende Häuser aus dem Siemes-Erbe FOTO: Thomas Binn
Geldern. Liegenschaften und reihenweise leerstehende Häuser hat die Gemeinde St. Maria Magdalena von der Ponterin Christel Siemes geerbt. An zwei Samstagen werden die ersten elf zur Besichtigung geöffnet. Der Verkauf soll Gutes bewirken. Von Sina Zehrfeld

Eine Geistersiedlung formiert sich um die Stichstraße des Weges "In der Schanz": elf leerstehende Einfamilienhäuser. "Das ist ,unsere Straße'", sagt Karl Roeling, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes, nur halb im Scherz. Die Gemeinde hat die Gebäude entrümpelt, jetzt will sie sie verkaufen. Und dabei soll das millionenschweren Immobilienerbe, das die Ponterin Christel Siemes der Gemeinde St. Maria Magdalena hinterlassen hat, Gutes bewirken.

18 Häuser "In der Schanz" gehören zum Nachlass. Die ersten elf davon, Hausnummern 35 bis 55, können Interessenten an den kommenden Samstagen, 9. und 16. April, jeweils von 10 bis 12 Uhr besichtigen. Die Mitglieder des Kirchenvorstandes sperren dann einfach alle Haustüren auf und die Straße ab. Wegkommen kann da ohnehin nichts, es sei denn, jemand wollte ein Stück Mauer wegtragen. Und andere Anwohner, die sich gestört fühlen könnten, gibt es schließlich nicht.

Pfarrgemeinde erbt Siemes-Häuser in Pont

Es sind allesamt freistehende Einfamilienhäuser, massiv gebaut, verklinkert, Baujahr 1979, mit jeweils 120 Quadratmetern Wohnfläche und Garten; die Grundstücksflächen liegen meist bei um 500 Quadratmeter. "Ideal für Familien", sagt Karl Roeling. Die Bauten standen unterschiedlich lange leer: "Eins ist seit vier Jahren nicht mehr bewohnt, die anderen fast alle zehn bis 15 Jahre oder länger nicht", eines war noch nie vermietet. Der Erhaltungszustand sei unterschiedlich, die Bausubstanz aber gut.

Bei den Besichtigungsterminen werden den Interessenten Gutachten an die Hand gegeben, die Mängel, Schäden und voraussichtlichen Investitionsbedarf erläutern. Die Gemeinde spiele mit völlig offenen Karten, betont Karl Roeling. "Wir wollen auf keinen Fall, dass irgendwas verschwiegen wird", betont er eindringlich: "Wir wollen niemanden über den Tisch ziehen." Das Stichwort sei "absolute Transparenz". Die Interessenten können dann Gebote abgeben. Wobei Baulöwen und Immobilienhaie keine Chance haben sollen, sagt Karl Roeling. "Der soziale Aspekt ist uns ganz wichtig. Wir fragen: Was will der künftige Eigentümer mit der Immobilie mal machen?" Ein Groß-Investor, der eine Familie aussticht? "Vergessen Sie's", schüttelt sein Vorstandskollege Georg Raeth aus Pont den Kopf: "Nicht mal, wenn er das Doppelte zahlt."

Zum Erbe gehören auch der alte Ponter Bauernhof mitsamt Land und das nahegelegene Wohnhaus von Christel Siemes. Der Hof ist sehr verfallen, aber die dazu gehörige Ackerfläche ist bereits wieder verpachtet. Weiterhin Teil des Nachlasses war ein Mehrfamilienhaus in Geldern am Rosengarten 1. Die Wohnungsgenossenschaft Geldern hat es gekauft, um es für Flüchtlinge herzurichten. Und nicht zuletzt sind da vier Mehrfamilienhäuser in St. Tönis, die ebenfalls an eine Wohnungsbaugesellschaft verkauft und für soziale Ziele genutzt werden.

Die Gemeinde-Vertreter in "ihrer" Straße - verlassene Häuser, Wildwuchs in den Gärten. Neben dem Container stehen Georg Raeth (links) und Karl Roeling (rechts) vom Kirchenvorstand sowie Pfarrer Arndt Thielen. FOTO: THOMAS BINN

Die Erlöse werden vermutlich in eine Stiftung fließen, um daraus "jährlich etwas Gutes zu tun", kündigt Pfarrer Arndt Thielen an. Das Geld bleibe in der Gemeinde. Kurzfristig verfügbar wird es aber nicht, betont er: "Das ist jetzt Sondervermögen, da kommen wir nicht dran." Bei allen finanziellen Fragen rede das Bistum Münster mit. Vor allem aber denke man langfristig, sagt Karl Roeling. "Es geht hier nicht um heute und morgen. Es geht um viele Generationen."

Quelle: RP
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