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Geldern
Klara Holtmann blickt auf 40 Jahre als Lehrerin zurück

Geldern. Morgen wird die Lüllingerin 85 Jahre alt. Mit 20 bereits für 120 Kinder verantwortlich. Auch in der Ausbildung von Kollegen engagiert. Von Thomas Binn

Ihr Großvater war Lehrer in Lüllingen, ihr Vater auch. Wo sollte es beruflich sonst hingehen, resümiert Klara Holtmann anlässlich ihres morgigen 85. Geburtstags, auch wenn sie gerne was mit Sprachen studiert hätte.

Aufgewachsen ist sie in den Kriegsjahren in Wyler, im nördlichen Kreis Kleve. Nach dem Abitur stellte sich gar nicht die große Frage, in welche berufliche Richtung sie sich entwickeln sollte. "Die Studienzeit hatte damals nicht viel mit dem zu tun, was Studenten heute vorfinden, wenn sie auf Lehramt studieren", erzählt sie. "Ich lebte damals in einem winzigen Zimmer, möbliert mit einem Bett und einer Apfelsinen-Kiste, die als Essplatz diente. Nach zwei Studienjahren wurden die damaligen Lehreraspiranten gefragt, ob sie fit für den Schuldienst wären.

In Deutschland herrschte damals ein großer Lehrermangel, und so wurden die jungen Erwachsenen in den Schuldienst überführt. Die ersten drei Jahre bekamen die damaligen Junglehrer, so hießen die neuen Lehrerinnen zu dieser Zeit, einen Mentor zur Seite gestellt und waren quasi sofort mittendrin im Schulleben.

Auch dieses Schulleben hatte nichts mit dem gemeinsam, wie Schule heute aussieht. Klara Holtmann kam im Jahr 1956 auf eigenen Wunsch nach Kevelaer an die St.-Hubertus-Volksschule. Dort war sie die Jüngste im gesamten Kollegium. Der nächst ältere Kollege war 15 Jahre älter und der älteste Lehrer an der Schule war bereits Mitte 70.

Klara Holtmann startete damals mit einem dritten Schuljahr und einer Klassengröße von 60 Kindern - heute unvorstellbar. Im darauffolgenden Jahr musste sie die Klassenleitung eines weiteren dritten Schuljahres übernehmen und war mit Anfang 20 verantwortlich für 120 Kinder. Eine Mammutaufgabe, wie sie heute erzählt. "Als ich nach der Schule nach Hause kam, hatte ich manchmal noch nicht mal die Kraft, um Mittag zu essen und bin sofort ins Bett gegangen, um mich auszuruhen. Nach zwölf Jahren im Schuldienst kam es schließlich zu einer großen Schulstrukturänderung. Es entstanden Grund- und weiterführende Schulen. Nach einer zweijährigen berufsbegleitenden Qualifikation in Englisch kam Klara Holtmann schließlich zur neu gegründeten Edith-Stein-Hauptschule, ebenfalls in Kevelaer. Ab 1976 engagierte sie sich parallel bis zu ihrer Pensionierung in der Lehrerausbildung. Klara Holtmann lebt seit 40 Jahren mit ihrem Partner Werner Kirking in Lüllingen. Sie hat einen Sohn, drei Enkelkinder und freut sich, dass sie nach rund 40 Dienstjahren mehr Zeit für ihre Hobbies Klavierspielen, Malerei und Gartenarbeit hat.

Quelle: RP
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