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Gelderland
Koch-Integration im Gelderner Knast

Gelderland: Koch-Integration im Gelderner Knast
Drei-Gänge-Menü im Gefängnis: JVA-Leiter Karl Schweers (v.l.), TV-Koch Volker Westermann und NRW-Justizminister Thomas Kutschaty probieren das Walbecker Spargelcremesüppchen, das am Montag für die ehrenamtlichen Helfer der Haftanstalt zubereitet wurde. FOTO: Markus van Offern
Gelderland. TV-Koch Volker Westermann und NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) luden zum Festessen für ehrenamtliche Helfer in die JVA ein. Die Auszubildenden vor Ort fertigten ein Drei-Gänge-Menü an und erzählten aus ihrem Leben. Von Christoph Kellerbach

Als Vorspeise gab es eine Walbecker Spargelcremesuppe. Danach als Hauptgang ein gebratenes Lachsfilet auf Blattspinat mit Hummersoße, dazu Kräuterreis-Timbale. Als Nachtisch wurde eine Limettencreme mit Beerenarrangement auf Fruchtmarkspiegel gereicht. Wo gab es dieses feine Menü? In der JVA Geldern.

Wie kam es dazu? Die Geschichte dazu beginnt im Oktober auf der RehaCare-Messe in Düsseldorf. Dort trifft "Dinner For Everyone"-TV-Koch und Integrationsvorbild Volker Westermann auf Thomas Kutschaty (SPD, Justizminister von Nordrhein-Westfalen. Westernmann bekundet sein Interesse, "mein barrierefreies Kochen auf Gefängnis-Häftlinge auszuweiten. Gleichzeitig wollten der Justizminister und ich damit die vielen Ehrenamtlichen belohnen, die sich Jahr für Jahr um die Insassen kümmern."

Denn zu dem großen Festschmaus um 15 Uhr waren rund 32 der mehr als 2000 ehrenamtlichen Helfer eingeladen, welche sich um die Belange und das Rehabilitieren von Gefängnisinsassen kümmern. "Ich habe eine Hochachtung für diese Art des Engagements", erklärte Kutschaty, "denn oftmals können solche Ehrenamtlichen schneller eine Beziehung mit den Leuten aufbauen und so leichter Werte vermitteln und über die Außenwelt informieren, als professionelle Vollzugsbeamten."

Da das kulinarische Programm am Montag in der JVA Geldern so viel Zeit einnahm, bekamen die Häftlinge eine kleinere Auswahl ihres Mittagessens, damit sich die von Küchenmeister Frank Vutz und Volker Westermann angeleiteten Auszubildenden länger auf das Festessen für die Ehrenamtler konzentrieren konnten.

Der für die Kantinenaufsicht zuständige Vollzugsbeamte Wolfgang Philip lobte das Anlernen der inhaftierten Auszubildenden und "dass die Leute so gefördert werden". Im Mai 2015 hatten insgesamt acht "Umschüler" den Kurs gestartet, aktuell sind noch fünf übrig.

René Apelt (49) aus Köln ist einer von ihnen. Er kam 2010 wegen eines Tötungsdeliktes im Drogenrausch ins Gefängnis. Er lobte besonders "das Miteinander hier. Man arbeitet gut zusammen, lernt Empathie und Disziplin. Persönlich denke ich auch an später. Wenn ich gegen 2023 wieder hier raus komme, möchte ich gerne als Koch weiterarbeiten." Denn seine vorherige Arbeit als Lehrrettungsassistenten darf er nicht mehr ausführen.

Am gestrigen Montag kümmerte er sich um die Zubereitung des Lachses, der unter anderem "tranchiert, filetiert und abgebraten wird". Am meisten freute Apelt die Tatsache, "dass man so auch lernt, ein Event zu planen und was man alles beachten muss." Bereits vor drei Wochen bekam das JVA-Kochteam die Ankündigung des Termins, plante seitdem und legte das Arrangement der Nachspeise fest.

TV-Koch und Integrationsvorbild Volker Westermann resümierte über das Erlebte: "Der Arbeitseifer der Auszubildenden war sehr gut. Ich bin begeistert, wie viel Ehrgeiz hier gezeigt wird. Ich kann nur hoffen, dass die Menschen hier nachher in der Freiheit ihren Traum vom Koch auch wirklich umsetzen können."

Quelle: RP
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