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Wachtendonk
Kunst von "drei Grazien" im alten Wasserwerk

Wachtendonk. Man spürt es sofort: Die "drei Grazien", wie sie sich nennen, verstehen sich. Deshalb haben die Keramikerin Ursula Dambrowski, die Bildhauerin Monika Bänsch und die Malerin Nanni Wagner gemeinsam zu einer interessanten Ausstellung ins alte Wasserwerk in Wachtendonk eingeladen. Die drei Damen freuen sich darüber, wie sehr sich ihr Antrieb für ihr künstlerisches Schaffen ähnelt. Sie wollen nämlich "Spuren hinterlassen", "Zeichen setzen" und "Aussagen treffen, die sich dem rein Verbalen entziehen", wie Ursula Dambrowski es in ihrer kurzen Einführung bei der Vernissage formulierte. In dieser Ausstellung seien vor allem der allen gemeinsame "Respekt vor Altem, vor Gebrauchtem und Zerstörtem" sowie "die ehemalige Funktion" und "die Kraft der Umgebung des Ausstellungsortes" die gemeinsame Basis, auf der die unterschiedlichen Werke gewachsen seien. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, wie sehr dabei spielerischer Ideenreichtum die Arbeiten der Künstlerinnen bestimmt.

Ursula Dambrowski greift beispielsweise auf ihre alten Gedanken des tagebuchartigen Arbeitens zurück, indem sie über lange Zeit sehr, sehr viele Tonwürste oder -wülste so minutiös bearbeitet, dass sie daraus fein gerillte Elemente schaffen kann. Sie stellt sie zu Segmenten von Tonsäulen zusammen, manches Mal durch alte Tonscherben ergänzt. Die Arbeit selber geschehe sozusagen in zeitlosem Raum, erläutert sie: Sie bearbeite fühlend das Material und könne dabei fast meditativ ihre Gedanken schweifen lassen, aber dennoch konzentriert mit dem Ton spielen. Was im Prinzip wohl auch für ihre übrigen Exponate gilt, die oft in Form, Farbe und Technik als vielgestaltige, verspielte Fantasieobjekte verstanden werden können.

Demgegenüber wirken einige der Werke von Nanni Wagner fast streng. Die Malerin hat beispielsweise auf alte abstrakte farbige Bilder zurückgegriffen, die sie mit Weiß neu so grundiert hat, dass die ursprünglichen Farben sich meist nur noch erahnen lassen. Die so entstandenen neuen Strukturen "interpretiert" sie dann mit eher geometrischen Formen und freier Linienführung in Schwarz. Ganz anders ihre von Blau bestimmte Bildserie "Atlantis", vor allem aber etliche Arbeiten, für die sie alte Leinwände blind zu recht kleinen Lappen zerschnitten, dann neu zusammengesetzt und mit der Nähmaschine bearbeitet hat. Das sei "Zeichnen mit der Nähmaschine", meint Nanni Wagner. Interessant auch die Bilder, in denen sie das Format und auch die Linienführung der Glasbausteine einer der Wände des Wasserwerks sowie das von außen durchschimmernde Grün der Büsche und Bäume aufgreift.

Sogar Bildhauerei kann leicht und spielerisch sein. Das beweisen schon allein einige der Titel von Monika Bänschs Werken, beispielsweise "Fisherman's girl-friend" oder "Wassermannfrau". Die Künstlerin arbeitet normalerweise gerne mit Teilen von Steinfassungen alter Kirchenfenster, aber auch mit Beton und bei reinen Bildhauerarbeiten vorzugsweise mit Tuffstein. Weitaus weniger normal ist da schon die Idee, den zementgrauen Kopf eines pummeligen "alten" Putto auf eine Säule aus Recycling-Material zu setzen. Und den dann noch mit einem knallroten Kussmund zu versehen!

(egeo)
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