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Issum
Landesministerin sieht sich Issum an

Issum: Landesministerin sieht sich Issum an
Die Landesministerin ließ sich später auch den neuen Issumer Dorfplatz zeigen, der am 1. September eröffnet wird. FOTO: kla
Issum. Ina Scharrenbach ist in der neuen schwarz-gelben Regierung für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung zuständig. Gestern besuchte die CDU-Politikerin das Altbierdorf. Ein Gang durch Historie und Gegenwart. Von Michael Klatt

Drei Stationen hatte die Tour von Ina Scharrenbach (CDU) gestern im Kreis Kleve. Der Abschluss war am Nachmittag in Issum - dort tauchte die neue Landesministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung tief hinein in die Historie des Ortes und ließ sich ein aktuelles Bauprojekt erläutern.

Die Issumer CDU-Landtagsabgeordnete Margret Voßeler begrüßte die Ministerin und deren Begleiter an der ehemaligen Synagoge. Seine Freude über "den Besuch von hoher Stelle an diesem Gedenkort" äußerte Johannes van Leuck vom Arbeitskreis Jüdisches Bethaus, der die Gäste durch das Gebäude an der Kapellener Straße führte. Interessiert ließ sich Ina Scharrenbach erklären, dass die jüdische Gemeinde in Issum ab 1860 ihre Blütezeit erlebte, dass nach Erweiterungen und Umbauten im Bestand die Synagoge ab 1865 genutzt wurde, dass die Gemeinde mangels Mitgliedern ab etwa 1925 nicht mehr lebensfähig war und die Synagoge von der jüdischen Gemeinde Geldern übernommen wurde, die das Haus 1935 an einen Goldschmied und Uhrmacher verkaufte. Nur diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die ehemalige Synagoge in der Reichspogromnacht im November 1938 nicht zerstört wurde und 1984 aus dem Dornröschenschlaf erwachte. Im Mai 1990 wurde sie wieder eröffnet.

Johannes van Leuck (2.v.l.) gab Ina Scharrenbach (M.) einen Einblick in die Geschichte des jüdischen Bethauses. Zuhörer waren auch (v.l.) Bürgermeister Clemens Brüx, CDU-Bundestagskandidat Stefan Rouenhoff und Margret Voßeler. FOTO: G.S.

Rund 1200 Besucher führten van Leuck und andere aus dem zwölfköpfigen Arbeitskreis durch die ehemalige Synagoge. "Wir wollen zeigen, dass die drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam mehr Verbindendes als Trennendes haben", erklärte van Leuck. Auch wird im Inneren der Synagoge an den Holocaust erinnert durch Bilder beziehungsweise Erwähnung der zwölf im KZ ermordeten Issumer Juden. Weil das jüdische Gemeindezentrum mit Schulhaus und Mikwe, dem Bad zur rituellen Reinigung, komplett sei, komme dem Gebäude am Niederrhein ein einzigartiger Rang zu.

Nur kurz war der Fußweg von der ehemaligen Synagoge zum neuen Issumer Dorfplatz an de Pomp. "Schön hell", meinte die Landesministerin. "Hier stand mal eine Häuserzeile", deutete Bürgermeister Clemens Brüx den früheren Zustand beim Zugang zur großen Fläche an. Er beschrieb den Weg zum jetzigen Zustand als langen Kampf mit Riesendiskussionen. Es habe Zweifel in der Bevölkerung an dem Vorhaben gegeben. "Mittlerweile aber ist die Stimmung überwiegend sehr positiv", betonte der Rathaus-Chef.

Am 1. September soll der Dorfplatz eröffnet werden. "Es ist wichtig, dass er angenommen wird, dass die Leute auch kommen", merkte CDU-Fraktionsvorsitzender Gerhard Stenmans an.

Auch in Sevelen werde ein Platz von einem reinen Parkplatz zu einer Fläche mit Aufenthaltsqualität umgestaltet, spielte Bürgermeister Brüx auf das Projekt "Kirchplatz" an. Hier ist für Mitte September eine Bürgerinformations-Veranstaltung geplant. Wie berichtet, sollen an einer Seite die Parkplätze wegfallen. Dafür soll dort unter anderem Gastronomie Platz finden. "Und es müssen dringend Sitzbänke dahin", forderte Stenmans.

Nach dem Spaziergang war eine Stärkung passend. Auf die Ministerin wartete in der Herrlichkeitsmühle eine Kaffeetafel.

Vor Issum hatte Ina Scharrenbach Emmerich und Kalkar besucht. "Mein Ziel ist es, Heimat zu stärken", war ihre Tour quer durch sechs Regionen in Nordrhein-Westfalen angekündigt worden.

Quelle: RP
 
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