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Landgard auf dem Weg zu alter Stärke

Straelen: Landgard auf dem Weg zu alter Stärke
Das Ziel unzähliger Lastwagen sind jeden Werktag die Hallen von Landgard in Herongen. FOTO: privat
Straelen. Gartenbauvermarkter setzt Restrukturierung nach den Krisenjahren auch 2014 fort. Verlustbringer saniert. Mitgliederzahl wieder gesteigert. Vertreterversammlung stimmt Geschäftsmodell mit sehr großer Mehrheit zu. Von Michael Klatt

Armin Rehberg befleißigte sich medizinischen Vokabulars. "Der Patient Landgard ist als geheilt aus der Intensivstation entlassen. Jetzt befindet er sich mindestens im Trainingslager." Was der Vorstandsvorsitzende des Gartenbauvermarkters beim Bericht über das Geschäftsjahr 2014 damit deutlich machen wollte: Das Unternehmen mit Sitz in Herongen ist auf dem Weg zurück zu alter Stärke. "Wir sind optimistisch, den letzten Part der Restrukturierung in 2015 erledigt zu haben", blickte Rehberg nach vorne.

Dass der Umsatz 2014 im Vergleich zum Vorjahr sank (siehe Box), ist aus seiner Sicht kein Widerspruch. "Landgard macht nicht mehr Umsatz um jeden Preis", betonte der Vorstandsvorsitzende. Das ist eines der vielen Bausteine im Restrukturierungsprozess, mit dem Landgard die Krisenjahre 2011 bis 2013 überwinden will. Das Sanieren oder Abstoßen von Verlustbringern ist ein weiterer. Tochtergesellschaften wie Bloomways oder Godeland, die in jenem Zeitraum jeweils Defizite von rund 20 Millionen Euro einfuhren, erreichen jetzt die schwarze Null beziehungsweise die Gewinnzone. An Personalaufwand und Sachkosten wurden insgesamt 51,5 Millionen Euro eingespart.

Verkündeten den Aufwärtstrend: Vorstandsvorsitzender Armin Rehberg und Aufsichtsratsvorsitzender Bert Schmitz. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)

"Auf einem sehr guten Weg", sieht Rehberg das Unternehmen in Sachen Finanzen. Eine wichtige Kennziffer in dem deutlich verbesserten Resultat 2014 ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA). Dieser Beleg für die operative Ertragskraft verbesserte sich mit 53,3 Millionen Euro um 32,6 Prozent und stellt das beste Ergebnis der Unternehmengeschichte dar. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) weist zwar ein Minus von 6,9 Millionen Euro auf, verbesserte sich aber gegenüber 2013 um 21 Millionen Euro (75,3 Prozent). Bereinigt um Altlasten resultierende Sondereffekte lag das Ergebnis bei minus 2,9 Millionen Euro und damit besser als der Planwert von minus 3,3 Millionen Euro.

Gründe für den Rückgang beim Umsatz waren unter anderem extreme Wetterlagen in der Kernsaison, das russische Handelsembargo und die bewusste Einstellung des Vertriebs in der Schweiz im Geschäftsfeld Blumen und Pflanzen. Die Märkte insgesamt bei Blumen und Zierpflanzen sowie Obst und Gemüse stagnierten. Bei Blumen und Zierpflanzen verloren Fachmärkte Anteile, Gärtnereien und Baumärkte blieben stabil, Discounter wuchsen. Bei Obst und Gemüse herrschte, außer bei Tomaten, Preisdruck.

Die Mitgliederzahl ging nach dem Aderlass von 2011 bis 2013 im vergangenen Jahr wieder nach oben auf 2973. "Wir sind internationaler unterwegs", erklärte Rehberg. Mehr als 60 Pflanzenerzeuger stammen aus Dänemark. Acht Obsterzeuger aus Vietnam und China, die gemeinsam 980 Hektar bearbeiten, sind Landgard angeschlossen. Wachstumspotenzial sieht der Gartenbauvermarkter im Osten Deutschlands. Noch in diesem Jahr soll der Bau eines neuen Logistikzentrums für Obst in Berbersdorf beginnen. Es ersetzt die beiden Zentren in den nahen Städten Chemnitz und Dresden.

Erfreut blickte Rehberg gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Bert Schmitz auf die Vertreterversammlung zurück. Man habe mehr zum Zusammenhalt gefunden, sich mit dem Geschäft befasst statt mit sich selbst. Vorstand und Aufsichtsrat wurden auf Antrag eines Vertreters einstimmig entlastet. Der eingeschlagene Kurs und das Geschäftsmodell fanden große Zustimmung. 96 Prozent votierten für eine Satzungsänderung, wonach die Geschäftsanteile von 1000 auf 2000 Euro je Anteil erhöht werden. Schmitz: "Eine so hohe Zustimmung ist bei einer solch elementaren Änderung nicht üblich."

Durch diese Maßnahme erhofft Landgard, mindestens 15 Millionen Euro Eigenkapital zu erheben. Diese Eigenkapitalerhöhung ist laut Rehberg die Grundlage für eine nachhaltige Anschlussfinanzierung. 37 Banken sollen bei der weiteren Sanierung von Landgard helfen.

Quelle: RP
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