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Interview mit Hendrik Wenning
Lebewohl, Kevelaer

Interview mit Hendrik Wenning: Lebewohl, Kevelaer
Hendrik Wenning an der Gnadenkapelle. Bald muss der Kaplan Abschied nehmen von Kevelaer und seinen religiösen Stätten. FOTO: Seybert
Geldern. Kevelaers Kaplan wird Pfarrer in Gescher. Bis es soweit ist, bleibt Zeit für einen kleinen Rückblick.

Die Nachricht ist raus, Sie verlassen Kevelaer als Kaplan und werden Pfarrer in Gescher. In dem kleinen, schwarzen Koffer, bekommen Sie dort alles rein für Ihren Umzug nach Gescher?

Hendrik Wenning Wie ich gekommen bin, so werde ich auch gehen. Aber nein, es wird etwas mehr sein, als in den kleinen Koffer passt.

Was nehmen Sie materiell aus Kevelaer mit?

Wenning Materiell hat sich nicht viel verändert in den drei Jahren, in denen ich in Kevelaer war. Wobei ich zuletzt noch ein schönes Foto vom Gnadenbild geschenkt bekommen habe. Das wird einen Ehrenplatz bekommen.

Bis es mit dem Umzug soweit ist, sind Sie noch ein paar Wochen in Kevelaer. Was machen Sie in der Zeit?

Wenning Ich werde die Zeit nutzen, um meinen Nachfolger Kaplan Christoph Schwerhoff einzuarbeiten. Das ist meine primäre Aufgabe, auch wenn es für mich etwas seltsam ist. Eigentlich habe ich alles, was ich hier zu tun hatte, gerne gemacht. Jetzt ist es ungewohnt, geplante Aktionen nicht selbst zu Ende zu bringen. Ich bin gerne mittendrin und von Anfang bis Ende dabei.

Was muss man denn einem Kaplan beibringen?

Wenning Naja, wenn ich mich an meine eigene Neupriesterzeit erinnere, weiß ich, dass mir hier und da einfach die Routine fehlte. Man weiß genau, wie alles geht, aber es dann selbst zu machen, kann eine Herausforderung sein. Und dann gleich St. Marien, das ist schon was. Kevelaer ist schließlich unverwechselbar. Konkret geht es zum Beispiel darum, was bei der Motorradwallfahrt alles im Vorfeld zu beachten ist, aber auch bei der Tamilen- oder Karnevalistenwallfahrt, auch wenn die noch etwas hin ist. Christoph und ich können jetzt ausführlich über diese Dinge sprechen und ich hoffe, dass das eine echte Hilfe für ihn ist.

So Dinge wie die Motorradwallfahrt, werden Sie die vermissen?

Wenning Ja, natürlich werde ich das vermissen! Ich habe das sehr, sehr gerne gemacht. Bei der Motorradwallfahrt herrscht schon eine besondere Stimmung. Ich habe mir vorher immer aufgeschrieben, was ich sagen will und habe es dann doch ganz anders gemacht. Bei solchen Sondergottesdiensten muss man viel wacher und spontaner sein als bei Gottesdiensten mit einem festen Ablauf.

Für Sie geht es ja quasi von Null auf 100, vom Kaplan zum leitenden Pfarrer mit 11.500 Gläubigen. Das bedeutet für Sie einen Riesensprung, oder?

Wenning Die Stelle in Kevelaer ist eine gute Vorbereitung gewesen. Pastor Rolf Lohmann und ich haben freundschaftlich und eng zusammengearbeitet. Ich habe viel von ihm lernen können. Aber, wenn wir auch ein gutes Gespann waren, so müssen Kapläne natürlich irgendwann Pastöre werden. Jetzt kann für mich der nächste Schritt, das Gelernte eigenverantwortlich umzusetzen, kommen. Ich bin da ganz zuversichtlich.

Was werden Sie denn ideell aus Kevelaer mitnehmen?

Wenning Ich werde viele, sehr schöne Erinnerungen mitnehmen, zum Beispiel an die Gemeinschaft im Priesterhaus mit den anderen Geistlichen ebenso wie mit den Angestellten. Das ist eine große Freude. Aber auch die Beziehungen, die in der Gemeinde gewachsen sind, sind mit wichtig geworden. Und natürlich, was zu Kevelaer dazugehört, die Erinnerungen an die Wallfahrten, Konzertmessen und die großen Liturgien, aber auch Heimatabende und manches andere Fest.

Wie würden Sie die Kevelaerer Kirchengemeinde St. Marien beschreiben?

Wenning Es ist eine sehr lebendige Gemeinde mit vielen Menschen, die sich engagieren. Manchmal gerät das etwas aus dem Blickfeld. St. Marien ist eine sehr kräftige, starke Gemeinde. Man weiß hier die Dinge stilsicher anzufassen und wenn es darauf ankommt, sind viele für die Kirche da.

Gibt es etwas, was Sie noch erleben möchten, bevor Sie Richtung Münsterland ziehen?

Wenning Ich werde mehr mit dem Fahrrad fahren und probiere schon jetzt unterschiedliche Routen aus. Ansonsten würde mich ein Besuch von Brügge, Gent oder Antwerpen reizen.

Was nehmen Sie sich für Ihre letzten Tage in der Marienstadt vor?

Wenning Soweit es geht, werde ich die Zeit noch für Hausbesuche nutzen und die Sommerabende, um mich von dem ein oder anderen zu verabschieden. Was ich zum Start in St. Marien gesagt habe, gilt noch immer: "Wenn Sie mich einladen, dann komme ich gerne." Und die Kevelaerer haben das gemacht, das kann man nicht anders sagen.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA.

Quelle: RP
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