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Issum
Lesevergnügen auf Spanisch im Kindergarten

Issum. In der Hand hält Esther Vazquez die deutsche Ausgabe von "Die Raupe Nimmersatt". Aus ihrem Mund purzeln allerdings spanische Worte. Sechs Kinder schauen gebannt auf ihre Lippen. "Mucho hambre", viel Hunger, habe die Raupe, erzählt Ester Vazquez.

Wie viele "fresas", also Erdbeeren, die gefräßige Raupe vertilgt, da sind die Kinder gefragt. "Eins" beginnt eines der Mädchen. "No, Español" sagt die Erzählerin ruhig, aber bestimmt. Los geht's. "Uno, dos, tres", zählen alle zusammen. Dafür gibt es am Ende ein "muy bien" als Lob. Bevor die Raupe zu einem wunderschönen "mariposa" wird, ist sie "muy pesada", sehr schwerfällig, und baut sich "una casa pequeña", den Kokon. Weil es in Deutschland so schwer sei, spanische Kinderbücher zu bekommen, hat Esther Vazquez das deutsche mal eben simultan übersetzt und den Kindern im Issumer St.-Nikolaus-Kindergarten mit spanischen Worten und ausdrucksstarken Gesten nahe gebracht.

Es ist Vorlesetag, deswegen gibt es auch noch "Bambi" auf Spanisch und "Arielle" auf Wunsch der Mädchen auch noch. Beim Erzählen rollt Esther Vazquez das "R" ganz wunderbar. Das ist kein Wunder. Sie ist Muttersprachlerin. Und darauf legt Kindergartenleiterin Margret Huber besonderen Wert. Für die englische Sprache ist das Melissa Roser, die beim Internationalen Vorlesetag im Sevelener Antonius-Kindergarten war.

Ein Zuviel an Sprache, neben dem Erlernen des Deutschen, stellt die Kindergartenleiterin nicht fest. "Kinder können sehr gut nebeneinander lernen, wenn sie mit einer Sprache ein bestimmtes Gesicht und eine Klangfarbe verbinden." Sie spricht davon, dass die Kinder in der Sprache baden. Gelernt werde nach der immersiven Methode, Satzmelodie und Klang prägen sich ein, Vokabeln lernen die Kinder nebenher.

Daraus ergibt sich laut Margret Huber ein weiterer Vorteil. "Wenn man erst einmal eine Fremdsprache erlernt hat und im Fluss ist, fällt es einem viel leichter, eine weitere zu lernen", lautet ihre Überzeugung. Aktuell habe sie eine neue Kollegin eingestellt. Die ist Niederländerin. "Mal gucken, was sich daraus entwickelt", überlegt die Kindergartenleiterin laut. Die Möglichkeit, Niederländisch durch eine Muttersprachlerin zu vermitteln, die sei damit gegeben.

Die Kinder um Esther Vazquez lernen währenddessen, dass Arielles rote Haare "rojo" sind und eine Prinzessin eine "princesa" ist. Nach so langem Stillsitzen und konzentriertem Zuhören gibt es ein lustiges Ringelreihen - auf Spanisch versteht sich.

Und am Ende heißt es: "Adiós!"

(bimo)
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