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Geldern
"Lise" fliegt volle Kraft voraus in den Weltraum

Geldern: "Lise" fliegt volle Kraft voraus in den Weltraum
Viele Schüler, Eltern und Lehrer erlebten den Start auf dem Sportplatz live mit. Das Wetter war bestens. FOTO: Latzel
Geldern. Der Start des Ballons ins All gelang, die Suche war mit viel Nervenkitzel verbunden. Von B. Mokwa und S. Latzel

Beim Versuch unter freiem Himmel ist Fingerspitzengefühl gefragt. Denn die millimeterdünne Hülle des Ballons ist sehr empfindlich. Kleinste Beschädigungen könnten zum Riss führen und damit das ganze Experiment im wahrsten Sinne des Wortes platzen lassen. Daher tragen die Schüler auch weiße Handschuhe, als sich der weiße Ballon am Boden langsam mit Helium füllt. Nichts soll die sensible Hülle verletzten.

Denn die ist beim Experiment der entscheidende Faktor. Der Latexkörper des Himmelballons soll gleichzeitig ultraleicht und strapazierfähig sein. Der Ballon soll schließlich 40.000 Meter in die Höhe steigen, dann dort platzen und per Fallschirm wieder zu Boden gleiten. Soweit der Plan. "Ich hoffe, das klappt alles so", meint Physiklehrer Michael Berghoff, der spürbar angespannt die letzten Vorbereitungen auf dem Sportplatz am Lise-Meitner-Gymnasium überwacht.

Michael Berghoff mit dem Ballon, an dem ein Kasten mit Kamera befestigt war. Der Ballon verschwand schließlich in den Wolken. FOTO: Latzel

Lange Zeit haben die Planungen gedauert, jetzt sind es noch wenige Sekunden bis zum Start des Ballons. Die Kamera im kleinen Kasten, der mit einer Schnur am Luftballon befestigt ist, ist "scharf" gemacht. Sie zeichnet in Ton und Bild bereits alles auf. Dann ist es so weit. Berghoff lässt den Ballon steigen, der ganz langsam an Höhe gewinnt. Der Wind weht nur leicht, der Flugkörper steigt fast senkrecht in die Höhe. Ob alles gelaufen ist, wie er sich das vorgestellt hat? Berghoff ist noch skeptisch: "Diesmal war der Ballon etwas labbriger, ich bin mal gespannt, wie weit die Reise geht."

Es sollte mehr als 24 Stunden dauern, ehe er Gewissheit hatte. "Die ganzen Vorhersagen waren für die Katz'", sagt Berghoff über Wettervorhersagen zum Thema "Wind" und möglichen Landesplätzen des Ballons. Gelandet ist er "mitten im Nichts", beschreibt es der Lehrer. Durch gesendete GPS-Daten machte er sich auf die Suche. Vier Stunden musste er aber erst einmal auf ein Signal warten. Das wertet er allerdings als gutes Zeichen, dass der Ballon wirklich in großer Höhe unterwegs war und an der 38.000 Meter Grenze zum All gekratzt hat. Gefunden hat er den Ballon dann im rund 230 Kilometer entfernten St. Goarshausen am Rhein, mitten in einem Feld. "Ich habe extra eine Leiter mitgenommen, um von einer höheren Position aus besser beobachten zu können", sagt Berghoff. Am Mittwochabend war die Suche bis Einbruch der Dunkelheit allerdings ergebnislos, erst am Donnerstag brachte eine erneute, intensive Suche die erlösende Nachricht: Die Box, die mit ins All und wieder zurückkam, wurde gefunden. Die Auswertung ergab, dass der Ballon in 40.236 Metern Höhe unterwegs war. Die Bilder der Kamera faszinieren selbst den gestandenen Mathematik- und Physiklehrer. "So tiefschwarz habe ich es mir nicht vorgestellt", sagt er über die Bilder aus dem All, die er heute schon seinen Schülern präsentieren will.

FOTO: Latzel
Quelle: RP
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