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Geldern
Logistik wichtige Branche im Kreis Kleve

Geldern. Wirtschaftsförderung ging am "Tag der Logistik" auf Tour, besuchte drei Betriebe in der Region und führte viele Gespräche. Arbeitsagentur mit im Boot. Grund: Noch 80 freie Ausbildungsplätze mit guten Perspektiven. Von Anja Settnik

Wenn in der Vergangenheit ein Logistiker Interesse an einem Gewerbegrundstück anmeldete, gab es oft durchaus Vorbehalte - der Branche wurde nachgesagt, zwar viel Fläche zu verbrauchen, aber nur wenige Arbeitsplätze zu schaffen. Dieses Image habe sich gewandelt, versichert Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers, der aus Anlass des bundesweiten "Tag der Logistik" mit Begleitern jetzt die Unternehmen Kässbohrer und Vos Logistics in Goch besuchte sowie an einer Antenne-Live-Sendung mitwirkte. Einige Tage zuvor hatte die Gruppe sich schon einen Eindruck vom Mercedes-Dienstleister Herbrand24.com verschafft. Innerhalb kurzer Zeit hat der Teile-Lieferant in Goch 70 Arbeitsplätze geschaffen (RP berichtete). Und auch die beiden anderen Unternehmen bieten zahlreich Jobs.

Die Kreis-Wirtschaftsförderung hat den Aktionstag schon mehrmals genutzt, um auf die Chancen dieses Wirtschaftszweiges hinzuweisen. Die Runde machte bereits in Emmerich, Kalkar und Uedem Station, besuchte in Goch schon Leineweber Autoreisen. Dennoch befand Bürgermeister Ulrich Knickrehm, es sei an der Zeit, sich (wieder) um Goch zu kümmern, die Stadt mitten im Kreis, die verkehrstechnisch bestens erschlossen ist. "Das war für uns im Jahr 2004 auch das wichtigste Argument, nach Goch zu kommen", betonte Betriebsleiter Thomas Wernick, der die Gruppe durch das Hochregallager führte und dann als Gastgeber fürs abschließende Pressegespräch fungierte.

Der Vormittag startete allerdings mit einem Besuch der Fahrzeugwerke Kässbohrer, die zur türkischen Tirsan-Gruppe gehören. Produziert werden Lkw-Auflieger, zudem wird von Goch aus die Disposition (Ersatzteile) organisiert. Das Unternehmen, das am Standort Goch 2015 rund 1500 Auflieger fertigte, will expandieren, heißt es. Ob dies aber in Goch geschieht oder in Ulm oder Österreich, das sei noch nicht entschieden, erfuhr die RP.

Im Herbst war auf der Messe Expo Real angekündigt worden, die Mitarbeiterzahl von etwa 40 im folgenden Jahr zu verdoppeln. Soweit ist es bislang noch nicht gekommen: Knapp 60 Arbeitsplätze sollen bei Kässbohrer in Goch existieren. Von der Produktionslinie "Kippfahrzeuge", die 2016 eingeführt werden sollte, sprach Iffet Türken vom Kässbohrer-Vorstand im Pressegespräch gestern nicht. Sie sagte Kuypers und Knickrehm jedoch eine weiter gute Entwicklung in Goch zu.

Im Kreis Kleve gibt es nur noch wenige verfügbare Gewerbeflächen, vor allem keine so großen, wie sie schon mal nachgefragt werden. Gochs Wirtschaftsförderer Rüdiger Wenzel kann Flächen von 15.000 Quadratmetern anbieten. Weil viele Kommunen heftig gegen die Tendenz des neuen Gebietsentwicklungsplans protestiert hatten, durften neue Anträge nachgeschoben werden.

Ob das Land im Sinne des ländlichen Raum nachbessert, ist die Frage. Zumindest stimmt es Kuypers zufrieden, dass die Kommunen des Kreises sich einig darin sind, dass neue Gewerbeansiedlungen schwerpunktmäßig an drei Stellen realisiert werden sollten: in Emmerich, Goch / Weeze und Straelen - jeweils nahe an der Autobahn.

Vos-Betriebsleiter Wernick jedenfalls ist mit dem Standort Goch hochzufrieden und kündigt weitere Investitionen an. 64 Mitarbeiter und fünf Azubis hat Vos in Goch. Das Unternehmen leistet die Logistik für den niederländischen Farbenhersteller Akzo Nobel, der zudem spezialisiert ist auf die Lagerung gefährlicher Güter. Um in dieser Richtung zu expandieren, sind allerdings neue Genehmigungen nötig. Knickrehm und Wenzel freuen sich auf konstruktive Gespräche.

Auch die Arbeitsagentur Wesel, vertreten durch Sabine Hanzen-Paprotta, fand viele freundliche Worte für die Logistik-Branche. "Wir haben im Agenturbezirk noch rund 80 freie Ausbildungsplätze, und es gibt gute Perspektiven für junge Leute, die Fachlagerist oder Fachkraft für Lagerlogistik werden möchten." Oder auch Berufskraftfahrer - von den begehrteren kaufmännischen Berufen gar nicht zu reden.

Quelle: RP
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