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Geldern
Mammut-Prozess um Schlüsseldienst

Geldern: Mammut-Prozess um Schlüsseldienst
Das war am Tag der Razzia im August 2016. Die Behörden beschlagnahmten Autos, darunter mehrere Luxuskarossen. FOTO: Spütz
Geldern. Die Unternehmer, die von Geldern aus ein betrügerisches Schlüsseldienst-Imperium betrieben haben sollen, stehen ab Dienstag vor Gericht. Beide bestreiten die Vorwürfe. Schon jetzt sind Verhandlungstermine bis in den Juli hinein geplant. Von Sina Zehrfeld

Im August 2016 hatten die Behörden dem laut Staatsanwaltschaft betrügerischen Treiben des Schlüsseldienst-Imperiums mit einer Razzia und Verhaftungen ein Ende gesetzt. Am Dienstag ist nun der Prozessauftakt vorm Landgericht Kleve. Die beiden mutmaßlichen Köpfe hinter dem "Geschäftsmodell", ein heute 57-Jähriger aus Geldern und ein 39-Jähriger aus Weeze, müssen sich verantworten. Die Anklage: gewerbsmäßiger Betrug und Wucher, Steuerhinterziehung sowie Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt.

Einen raschen Prozess dürfte es nicht geben: Bereits jetzt sind 28 Fortsetzungstermine angesetzt. Über 100 Zeugen sollen gehört werden - geprellte Kunden der Schlüsseldienste, aber auch Monteure und Mitarbeiter der Gelderner Zentrale.

Am Dienstag werden voraussichtlich zunächst nur die Anklageschriften verlesen. Davon gibt es drei Stück, "und die sind ellenlang", so Alexander Lembke, Sprecher des Landgerichts in Kleve. Am zweiten Prozesstag hofft man auf Aussagen der Angeklagten. Bislang haben die beiden die Anschuldigungen zurückgewiesen und sich ansonsten bedeckt gehalten. "Man kann insgesamt sagen, dass die beiden den Vorwürfen entgegengetreten sind", so Lembke: "Sie bestreiten das", und zwar "im Prinzip vollumfänglich". Zu weiten Teilen machten sie von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Für den dritten Prozesstag werden nach der vorläufigen Planung die Aussagen von Mitarbeitern erwartet, die im Gelderner Callcenter saßen und von dort aus die Monteure anwiesen. Anschließend werden die Handwerker angehört, und danach geht es los mit den Zeugenaussagen von Kunden.

Die beiden Angeklagten befinden sich seit ihrer Verhaftung in Untersuchungshaft. Der 57-Jährige aus Geldern hat im Laufe der Zeit zwar eine Haftbeschwerde eingereicht, scheiterte damit jedoch. Zum Prozessauftakt wird großes Medieninteresse erwartet - schon, weil es in ganz Deutschland mutmaßliche Opfer gibt.

Wie berichtet sollen die beiden Unternehmer von ihrer Firmenzentrale in Geldern aus bundesweit Monteure zu Menschen geschickt haben, die auf die Hilfe eines Schlüsseldienstes angewiesen waren. Weil sie überall mit örtlichen Telefonnummern geworben hatten, glaubten die Kunden, sie hätten es mit ansässigen Betrieben zu tun. Später wurden ihnen weite Anfahrtswege berechnet. Die Dienstleistungen sollen vielfach schlecht erledigt und zu völlig überhöhten Preisen abgerechnet worden sein. Auch überflüssige Arbeiten sollen durchgeführt worden sein, um die Kosten in die Höhe zu treiben.

Dass es fast eineinhalb Jahre gedauert hat, bis es nun zum Prozess kommt, liegt vor allem daran, dass sich im Laufe der Ermittlungen immer mehr Menschen meldeten, die sich als Opfer erkannt hatten.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten zudem vor, die Monteure als "Scheinselbstständige" beschäftigt zu haben. Dadurch hätten sie Lohnsteuern und -nebenkosten in Höhe von insgesamt rund zehn Millionen Euro nicht bezahlt. Umsatzsteuern sollen sie in Höhe von 5,8 Millionen Euro nicht abgeführt haben.

Quelle: RP
 
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