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Geldern
Maria Magdalena mit Worten skizziert

Geldern: Maria Magdalena mit Worten skizziert
Künstler Piotr Zamojski bei der Arbeit. Dr. Rolf Kolb und Helga Schulte sehen sich die Fortschritte am neuen Kunstwerk von unten an. FOTO: Gerhard Seybert
Geldern. Die große katholische Kirche in Gelderns Stadtmitte bekommt ein neues Kunstwerk. Seit einem Monat verwirklicht Piotr Zamojski das Werk. Farbe und Schrift des Spruchbandes haben eine tiefere Bedeutung. Von Bianca Mokwa

Eine Leiter, ein Mann, Farbe, viele Buchstaben. So ähnlich lässt sich beschreiben, was momentan in der katholischen Kirche St. Maria Magdalena außer Gottesdiensten vorherrschend ist. Aktuell nimmt nämlich auch das neue Kunstwerk Gestalt an. Dafür steht Piotr Zamojski auf der Leiter, arbeitet sich Buchstabe für Buchstabe vor. Am Ende soll der Dialog zwischen Jesus und der Frau, die ihn am leeren Grab trifft, stehen.

Der Künstler zeigt auf den Dialoganfang: "Frau, was weinst du" steht dort als Zitat aus dem Johannesevangelium der Bibel. "Sat lacrimis", "Genug der Tränen" nennt Zamojski das Werk, das er damals der Jury von St. Maria Magdalena Geldern präsentierte und das einstimmig gewählt wurde. "Ein Kunstwerk der anderen Art", nennt es Dr. Rolf Kolb, Sprecher der Arbeitsgruppe, die mit der Suche nach dem Kunstwerk St. Maria Magdalena betraut ist.

100.000 Euro waren dafür angesetzt. "Wir kommen mit der Hälfte aus", sagt Kolb. Zwei Drittel der Summe sind schon zusammengekommen. Finanziert wird es allein durch Sponsoren. "Alle haben etwas Gegenständliches erwartet", sagt Kolb über die Findung des passenden Kunstwerks für St. Maria Magdalena Geldern. Zamojski hingegen kam es gerade darauf an, "kein fertiges Bild zu liefern, sondern jeden Betrachter einzuladen, sich ein eigenes Bild zu machen", erklärt der Künstler. Das Bild erschließt sich aus dem Dialog mit dem auferstandenen Gottessohn. "Es sind die einzigen Worte von Maria Magdalena in der Bibel, die sie direkt spricht", erklärt er zu dem Gesagten der Namenspatronin der Gelderner Kirche. "Ansonsten wissen wir sehr wenig über die historische Person." Den Dialog, den versucht er mit der Architektur der Kirche in Einklang zu bringen. An den Stellen, an denen eine Denk- oder Sprechpause angebracht ist, ist auch eine Lücke gelassen. Den Text hat er aus verschiedenen Bibelübersetzungen genommen: Luther, Einheitsübersetzung und Hoffnung für alle.

Und noch etwas wird dem Betrachter auffallen. "Die Farben verändern sich", sagt Kolb. Der Künstler selbst spricht von einem Farbcode, der sich an den Himmelsrichtungen orientiert, aber auch die Emotionen der gesprochenen Worte widerspiegelt. Violett, die dunkelste Farbe des Farbkreises, steht im Norden. Der Osten ist blau, der Süden gelb, der Westen rot. Der triumphale Hauptsatz des Dialogs "Ich habe den Herrn gesehen" ist in warmem Gelb-Orange gehalten und steht über dem alten Haupteingang zum Kloster. In Türkis-Blau, einem leicht grünlichen Ton, der für das Kostbare, aber auch das Unerreichbare stehe, sind die Worte "Halte mich nicht fest" zu lesen, die der auferstandene Jesus zu Maria Magdalena sagt. "Wichtig ist es, aktiv zu werden, die Kirche zu durchwandern", fordert der Künstler die Betrachter auf. Denn von keinem Punkt der Kirche aus, kann das Kunstwerk ganz erfasst werden. "Je öfter man es sieht, desto eindringlicher ist es" schildert Kolb seinen Eindruck. Dabei sei das Kunstwerk, das Spruchband in den bunten Farben, nicht knallig, nicht aufdringlich. Ja, bei der Größe der Kirche wirke es nahezu zierlich.

Offiziell wird es zum Patronatsfest vorgestellt. Der Schlusssatz "Ich habe den Herrn gesehen" wird feierlich enthüllt. "Zurück zu den Wurzeln" nennt es Kolb. "Denn in der Urkirche durfte es keine Bilder geben." Für Zamojski kommt noch eine andere Überlegung hinzu. "Wir leben in einer Zeit, in der wir einen absoluten Überfluss an Bildern haben, zum Beispiel in den Medien." Das Kunstwerk biete die Gelegenheit auf das Wort zurückzukommen. Hier auf Worte aus der Bibel.

Quelle: RP
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