| 19.18 Uhr

Geldern
Meisterstücke in spe

Geldern. Das Wichtigste in 8 ZeilenElena Schoofs (20) und Pascal Welters (20) machen eine Ausbildung zum Tischler. Im Kranenburger Betrieb van Wickeren lernen sie alles über die Herstellung von Möbeln, Fenstern, Türen – und den Innenausbau. Von Michael Baers

KREIS KLEVE Der Davoser Holzschlitten, der das Fenster der sonnendurchfluteten Ausstellung ziert, ist mindestens ebenso charakteristisch für die Branche wie der kräftige Händedruck des Chefs. "Wir machen alles, was mit Holz zu tun hat", sagt Jochen van Wickeren von der gleichnamigen Schreinerei und Zimmerei, die er gemeinsam mit seinem Bruder in Kranenburg führt. Seit vielen Jahren bildet der "doppelte" Meister bereits aus, doch das aktuelle Duo bedeutet auch für den erfahrenen van Wickeren Neuland: mit Elena Schoofs hat sich nämlich erstmals eine Frau für die dreijährige Ausbildung entschieden.

Premiere

"Es spricht absolut nichts dagegen, dass eine Frau diesen Beruf ergreift", zeigt sich van Wickeren der Premiere, die mittlerweile ins dritte Ausbildungsjahr geht, gegenüber aufgeschlossen. Und auch für Pascal Welters, Schoofs' Kollegen, ist es "völlig normal", gemeinsam mit der 20-Jährigen in der Werkstatt Hammer und Hobel zu schwingen.

Dabei hilft natürlich, dass sie gleichen Alters sind, doch auch die Leidenschaft für das traditionsreiche Handwerk verbindet die beiden. Denn Schoofs und Welters hatten sich schon früh fürs Tischlern entschieden. Im Elternhaus packten beide stets mit an, wenn es um handwerkliche Herausforderungen ging. Während des Schulpraktikums machten sie ihre ersten betriebspraktischen Erfahrungen und sollten nach der Schulbank schon bald an die Werkbank zurückkehren.

"Man sollte schon mindestens einen guten 10-B-Abschluss mitbringen", sagt van Wickeren und ergänzt: "Allerdings ist das Interesse am Beruf das Wichtigste." Nur ein Tischler, der Spaß an seiner Arbeit hat, ist auch ein guter Tischler. Fundierte Grundkenntnisse in Mathematik gehören demnach ebenso zum Tischler-Einmaleins wie handwerkliches Geschick.

Breite Palette

Bei van Wickeren profitieren die Auszubildenden überdies von der breiten Angebotspalette des Betriebs. Neben der Tischlerei, die sich mit allen Gebieten der Holzverarbeitung beschäftigt, gibt es immer wieder Abstecher in die Zimmerei, sprich den Dachstuhl- und Holzhausbau. Und während Welters genau dieser Bereich, also der des Bautischlers, am meisten Spaß macht, begeistert sich Schoofs eher für den der "Möbelkonstruktion und Restauration". Sie hat nämlich Höhenangst, und das Balancieren auf schmalen Holzbalken sorgt bei ihr für ähnliches Unwohlsein wie der Gedanke an die im Mai bevorstehende Abschlussprüfung bei Welters.

Neben dem theoretischen Teil besteht die aus dem Gesellenstück und einer Arbeitsprobe. Da geht es dann unter anderem um durchge-stemmte Zapfen und Schwalbenschwanzverzinkungen – und spätestens dort spielt das Geschlecht dann gar keine Rolle mehr.

INTERNET Alle Folgen lesen Sie auf www.rp-online.de/geldern

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Geldern: Meisterstücke in spe


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.