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Geldern
Menschen im Netz die Kunst erklären

Geldern: Menschen im Netz die Kunst erklären
Wie erklärt man spannend in den digitalen Medien das Beuys-Multiple zur "Freien Internationalen Universität" (im Bild die F.I.U.-Flasche)? Ulli Seegers, Bettina Paust und Ido Iurgel (v.l.) wollen daran arbeiten. FOTO: Gottfried Evers
Geldern. Im September arbeiten 30 junge Wissenschaftler auf Schloss Moyland an der Kunst, die Kunst digital zu vermitteln. Organisiert wird diese "Summer School" von der Heine-Universität, der Hochschule Rhein-Waal und Schloss Moyland. Von Matthias Grass

Beuys erklärte dem toten Hasen die Bilder. 30 junge Wissenschaftler aus aller Herren Länder haben ein deutlich größeres und vor allem lebendigeres Publikum im Blick, wenn sie sich im September auf Schloss Moyland treffen: Sie wollen Konzepte entwickeln, wie man die neuen, digitalen Medien nutzen kann, um den Menschen die Kunst zu erklären. Und sei sie noch so sperrig wie die Werke des Niederrheiners Beuys.

In der "Summer School: Storytelling" vom 13. bis 19. September geht es um die digitale Kunstvermittlung, veranstaltet wird das Vorhaben von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Hochschule Rhein-Waal und von der Stiftung Museum Schloss Moyland. Die Volkswagenstiftung unterstützt das Vorhaben finanziell. Federführend stehen Moylands Museumsdirektorin Dr. Bettina Paust, Prof. Dr. Ulli Seegers vom Institut für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität und schließlich Prof. Ido Iurgel von der Hochschule Rhein-Waal, Campus Kamp-Lintfort, hinter dem Projekt. Die Dozenten kommen aus der Schweiz, aus Griechenland, Italien, den Niederlanden und Deutschland, es sind Kunsthistoriker, Museumspädagogen ebenso wie Informatiker. "Die Summer School ist ein wegweisendes Kooperationsprojekt für die künftige Kunstvermittlung", erklärt Bettina Paust das Moyländer Projekt.

"Es sollen in dieser Woche Prinzipien für die Vermittlung von Kunst in digitalen Medien entwickelt werden", sagt Iurgel. Es geht in dem internationalen, interdisziplinären Projekt auch um Storytelling, jene Methode, die mit einer spannenden Geschichte auch schwerere Inhalte verständlich erklärt. "Wir möchten ergründen, wie durch die Nutzung digitaler Medien, beispielsweise auch in social media, zeitgenössische moderne Kunst vermittelt werden kann, wie Apps die Kreativität und die Teilnahme von Besuchern fördern, die Neugier wecken und das Erleben vertiefen können", sagt Ulli Seegers.

Die Resonanz auf die Ausschreibung für das Projekt war bei den jungen Wissenschaftlern groß: Über 330 Männer und Frauen bewarben sich für die 30 Plätze, die das Projekt bietet. Sie werden ab Sonntag, 13. September, zuerst das Schloss besichtigen und zusammen mit den Dozenten in Workshops Ideen und Konzepte ausarbeiten. Dabei diskutieren sie auch mit der Justiziarin der Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst, Anke Schierholz, Urheberrechtsfragen. Die Abschlussdiskussion ist am 19. September im Hörsaalzentrum der Hochschule Rhein-Waal in Kleve. "Dazu ist die Öffentlichkeit eingeladen", sagt Paust.

Erarbeitet wird das Ganze an den Werken von Joseph Beuys in Schloss Moyland. Zum einen, so Seegers, weil Beuys immer noch zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts zählt. Zum anderen aber auch, weil Beuys als einer der ersten Künstler die Klaviatur der damals zur Verfügung stehenden Medien beherrschte und weil er sein Leben und seine Kunst in "Lebenslauf und Werklauf" (so Beuys) eng miteinander verknüpfte. "Das fordert zum Storystelling geradezu heraus", sagt Seegers. Beuys wurde aber auch ausgewählt, weil es eben nicht einfach ist, sein Werk zu erklären, weil gerade bei der Kunst von Beuys die Urheberrechtsfrage zur Veröffentlichung seiner Werke in Medien sehr restriktiv verfolgt wird. "An Beuys werden wir unsere Muskeln stärken - wenn wir den schaffen, dann schaffen wir viel", sagt Iurgel. Zumal Beuys bei seiner Aktion 1965 und in vielen anderen Aktionen nicht nur dem toten Hasen die Bilder erklärte.

Quelle: RP
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