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Wachtendonk
Messer-Attacke am Spielplatz ?

Wachtendonk: Messer-Attacke am Spielplatz ?
Symbolisch hat RP-Fotograf Gerhard Seybert den möglichen Vorfall am Schlecker Deich "nachgestellt". Dabei soll auch ein Messer im Spiel gewesen sein. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)
Wachtendonk. Eine Gruppe Ausländer soll in Wachtendonk einen Iraker angegriffen, beraubt und verletzt haben. Auch sein kleiner Junge soll mit einem Messer bedroht worden sein. Die Polizei ermittelt. Von Michael Klatt

In seiner Heimat machte der irakische Kurde wohl eine schreckliche Erfahrung. "Er musste mit ansehen, wie seine Frau erschossen wurde", berichtet Rolf Netz vom ökumenischen Arbeitskreis Asyl, der sich in Wachtendonk um Flüchtlinge kümmert. Auch um den 31-jährigen Iraker, der mit seinem achtjährigen Sohn - gleichfalls Zeuge der Erschießung - seit Ende Dezember in den Containern am Ostring lebt. In Sicherheit. Doch nun soll der Mann selber Opfer von Gewalt geworden sein.

Es geschah laut gestrigem Bericht der Polizei am Montag gegen 18.45 Uhr. Der Iraker war mit seinem Sohn auf dem Spielplatz Schlecker Deich. Der Junge fuhr mit einem Fahrrad auf dem unbefestigten Weg am Spielplatz hin und her. Aus Richtung Moorenstraße kamen neun Männer und eine Frau. Alle sollen unter 20 Jahre alt gewesen sein, erklärt die Polizei weiter. Wie Netz, der sich am nächsten Tag mit dem Iraker unterhielt, ausführt, hielt die Gruppe den Jungen an, der mit seinem Fahrrad hinfiel. "Die hoben ihn dann auf und setzten ihm ein Messer an den Hals."

Der Junge schrie, der Vater eilte herbei. Laut Polizei bedrohte ein etwa 18 Jahre alter Mann den Achtjährigen mit dem Messer und forderte in englischer Sprache vom Vater Geld. Der 31-Jährige gab dem Täter Bares. Sechs Männer aus der Gruppe schlugen anschließend auf den Mann ein, der sich im Gesicht und an den Rippen verletzte, so die Polizei weiter.

Am Dienstag ging der Iraker zu einem Arzt und ließ sich behandeln. Der Mediziner wiederum nahm Kontakt zu Netz auf, der mit dem Opfer zur Polizei ging, wo der Iraker Anzeige erstattete. "Er wusste die Nummer der Polizei nicht", begründet Netz diese Verzögerung.

Die Angreifer stammen vermutlich aus Afghanistan, wie die Pressestelle der Kreispolizeibehörde auf Anfrage verriet. Nach Angaben des 31-Jährigen sprachen die Täter in der arabischen Sprache Farsi miteinander. "Das Opfer erkannte die Sprache deshalb, weil er sie als irakischer Kurde bruchstückhaft beherrscht", so Michael Ermers von der Polizeipressestelle. Trotz eines Dolmetschers habe es während der Vernehmung Probleme bei der Verständigung gegeben, weil Dolmetscher und Opfer unterschiedliche Dialekte sprechen. Es soll noch einmal zur Vernehmung kommen.

Die Polizei ist bei ihrer Ermittlung auch auf Zeugen angewiesen, denen die Personengruppe am Montagabend in Wachtendonk aufgefallen ist. Hinweise nimmt die Polizei in Geldern unter Telefon 02831 1250 entgegen.

Dem Iraker waren die Täter nicht bekannt. Somit kann laut Netz ausgeschlossen werden, dass sie ebenfalls am Ostring untergebracht sind. Woher sie kamen, muss die Polizei ermitteln. Netz ist überrascht von diesem Verbrechen. Nach seinen Erfahrungen gibt es keine Probleme unter den Asylsuchenden in Wachtendonk. "Es rastet zwar mal einer aus, aber es kommt nicht zu Gewalt in größerem Ausmaß." Das weitgehend friedliche Miteinander habe sicher auch damit zu tun, dass der ökumenische Arbeitskreis ständig präsent ist, erklärt Netz.

Zurzeit sind dort 30 ehrenamtliche Helfer aktiv. Sie geben unter anderem Deutschkurse und sehen immer wieder mal in den Unterkünften vorbei.

Quelle: RP
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