Geldern Messerstecher: Acht Jahre Haft gefordert

Geldern · Am vorletzten Prozesstag äußerte sich der Angeklagte erstmals selbst. Das Urteil wird heute erwartet.

Im Prozess gegen einen 24-jährigen Mann aus Geldern forderte Staatsanwalt Hendrik Timmer gestern eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Acht Jahre Freiheitsstrafe bezeichnete der Anklagevertreter in seinem Plädoyer für tat- und schuldangemessen. Außerdem solle der Angeklagte rund 20.000 Euro an die Geschädigte zahlen, die den Messerangriff ihres damaligen Ehemannes nur durch eine Notoperation überlebt und dabei eine Niere verloren hatte (die RP berichtete).

Zuvor hatten am vorletzten Prozesstag am Klever Landgericht weitere Zeugen ausgesagt, darunter ein Paar aus Geldern, bei dem der Angeklagte nach dem Messerangriff auf seine Frau um Hilfe gebeten hatte. "Es klingelte irgendwann mittags bei uns. Als ich die Türe öffnete, kam der Angeklagte mit tränenden Augen und stark gerötetem Gesicht hochgerannt und wollte sich die Augen auswaschen", erinnerte sich die 29-jährige Zeugin an das Zusammentreffen. Der Mann war von seiner damaligen Ehefrau mit Pfefferspray besprüht worden, weil diese sich durch das Messer bedroht gefühlt hatte. Nach dem Sprayeinsatz hatte der 24-Jährige mit der 5,5 Zentimeter langen Klinge zugestochen.

Ein Kripobeamter, der den Angeklagten nach mehrwöchiger Flucht in Gewahrsam genommen hatte, erinnerte sich gestern im Zeugenstand an die Festnahme: Ein Kioskbesitzer habe sich demnach bei der Polizei gemeldet, nachdem sich der Angeklagte im Kiosk als zur Fahndung ausgeschrieben erkenntlich gemacht hatte. "Er sah deutlich mitgenommen und gestresst aus, ganz anders als heute auf der Anklagebank. Ich vermute, dass die Flucht ihn einiges an Nerven und Substanz gekostet hat", so der Kripobeamte. Während der Festnahme in der Nähe des Klever Bahnhofes habe der 24-jährige gebürtige Klever dem Beamten erklärt, er sei "froh, dass es endlich vorbei ist".

Nachdem der Angeklagte bisher nur über seine Verteidigerin Erklärungen abgegeben hatte, äußerte er sich gestern auf behutsames Nachfragen des Vorsitzenden Richters Jürgen Ruby hin erstmals selber im Gerichtssaal: "Ich habe mich wegen meines Gewissens und dem psychischen Druck gestellt. Die Tat habe ich begangen und konnte nicht ewig davor wegrennen. Ich muss dafür geradestehen", sagte der 24-Jährige, dem bisher der Mut zur eigenen Aussage im Gerichtssaal gefehlt habe.

Der sachverständige Psychiater Dr. Jack Kreutz sah gestern in seinem Gutachten keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten: Eine psychiatrische Diagnose sei nicht zu stellen, eine verminderte Einsichts- und Steuerungsfähigkeit sei zum Tatzeitpunkt ebenfalls nicht gegeben gewesen.

Der letzte Verhandlungstag im Prozess gegen den 24-Jährigen ist für heute angesetzt: Um 10 Uhr wird der Prozess im Schwurgerichtssaal des Klever Landgerichts (Saal A 105) fortgesetzt. Nach dem Plädoyer der Verteidigung wird das Urteil erwartet.

(jehe)
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