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Geldern
"mini-art" spiegelt die Welt der Demenz

Geldern: "mini-art" spiegelt die Welt der Demenz
Hans Westpfahl, Alexia Meyer, Maria Ebbers, Sjef van der Linden, Dr. Christoph Baumsteiger und Crischa Ohler (von links) laden als Mit-Organisatoren zu dem Theaterstück in die Stadthalle ein. FOTO: Gottfried Evers
Geldern. Das Netzwerk Demenz im Kreis Kleve lädt zum Theater in die Klever Stadthalle. Das Ensemble von "mini-art" spielt das Stück "Wenn ich groß bin, werd' ich wieder Kind" und zeigt so die Veränderungen durch die Demenzerkrankung. Von Ann-Lea Woitge

kleve Demenz ist für viele Menschen ein Thema, mit dem sie sich lieber nicht befassen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Die Krankheit lässt die Menschen vergessen: Erst vergisst man Worte, und irgendwann vergisst man, dass man verheiratet ist oder Kinder hat. Das seit 2006 bestehende Netzwerk Demenz im Kreis Kleve beschäftigt sich mit diesem Thema.

Am Donnerstag, 12. November, ab 18 Uhr lädt das Netzwerk in die Klever Stadthalle ein. Es wird das Theaterstück "Wenn ich groß bin, werd' ich wieder Kind" des Belgiers Stefan Perceval vom Kinder- und Jugendtheater "mini-art" Bedburg-Hau aufgeführt. In dem Zwei-Personen-Stück verkörpern die Schauspieler Sjef van der Linden und Crischa Ohler ein alterndes Ehepaar, das zusammen schon viel erlebt hat. Die beiden zeigen, wie sich die Gefühlswelten der an Demenz erkrankten Frau und ihres Partners verändern.

"Bei dem Theaterstück geht es um Emotionalität, das ist ein wichtiger Aspekt bei der Krankheit", sagt Dr. Christoph Baumsteiger, Chefarzt der LVR-Föhrenbachklinik und Mitglied des Netzwerkes Demenz. Denn es sei für alle Beteiligten eine neue Herausforderung.

Das Theaterstück zeige, dass die Krankheit nicht nur die Dementen, sondern die ganze Familie betrifft. "Das Theaterstück von mini-art soll auch Kinder ansprechen. Denn auch für sie ist es merkwürdig, wenn Oma oder Opa plötzlich nicht mehr wissen, wer sie sind", sagt Maria Ebbers, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Netzwerk Demenz im Kreis Kleve. Das Theaterstück sei also generationsübergreifend. "Der frühe Beginn (18 Uhr) soll besonders Familien mit Kindern oder Schulklassen ansprechen. Nach dem Theaterstück stehen das Netzwerk Demenz und die Schauspieler auch für Fragen zum Thema Demenz bereit", sagt Gerald Bestier von der Familienbildungsstätte Kleve. Demenz sei eine "Angehörigen-Krankheit", so Alexia Meyer vom Caritasverband Kleve. Die ganze Familie sei involviert: "Auch bei den ,gesunden' Menschen verändert sich etwas. Sie müssen sich Tag und Nacht mit einer vollen Verantwortung ihren Verwandten gegenüber auseinandersetzen. Daher ist es wichtig, dass auch die Familie Unterstützung bekommt." Das Netzwerk möchte erreichen, dass die Menschen sich mehr mit dem Thema befassen. "Klar ist es anstrengend, wenn ein Dementer nach und nach mehr vergisst. Aber wenn beispielsweise Freunde oder Nachbarn Unterstützung und Halt bieten, ist das viel wert. Deshalb sollte Demenz kein Tabu-Thema mehr sein", sagt Meyer.

Auch die beiden "mini-artler" Crischa Ohler und Sjef van der Linden haben sich im Zuge des Theaterstücks mit dem Thema Demenz beschäftigt. "In dem Theaterstück wird die Spannung in der Familie deutlich. Kinder nehmen das Ganze mit etwas mehr Humor auf als Erwachsene. Deshalb soll das Stück auch für alle Generationen sein", sagt Ohler. "Außerdem wollen wir zeigen, dass die Betroffenen und die Angehörigen Gefühle nicht unterdrücken sollten", meint van der Linden. In dem Zusammenhang sei es wichtig, dass man über das Thema spreche, so Hans Westpfahl vom Demenz-Servicezentrum Region Niederrhein: "So wird es für alle normaler und einfacher."

Karten sind bei der Familienbildungsstätte Kleve unter Telefon 02821 72320, per E-Mail unter fbs-kleve@bistum-muenster.de oder an der Abendkasse (Erwachsene: neun Euro, Kinder bis 16 Jahre sechs Euro) erhältlich.

Quelle: RP
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