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Wilde Flucht in Geldern
Missglückte Diebestour endet in Gebüsch

Wilde Flucht in Geldern: Missglückte Diebestour endet in Gebüsch
Feuerwehrleute des Löschzugs Sevelen am Einsatzort. Der Wagen war womöglich vom erhabenen Kreisverkehr aus von der Straße abgekommen, er war tief in die Böschung gerast. Im Auto fand die Polizei Diebesgut. FOTO: Löschzug Sevelen
Geldern. Ertappt auf der Tat, wilde Flucht, Unfall: In der Nacht nach Heiligabend hat sich in Geldern eine Einbruchsgeschichte abgespielt, die für den mutmaßlichen Täter spektakulär schief gelaufen ist. Mehrere Zeugen waren sehr aufmerksam. Von Sina Zehrfeld

Die Geschichte dieses Kriminalstücks zu Weihnachten beginnt damit, dass die Alarmanlage in einer Zahnarztpraxis an der Krefelder Straße in Nieukerk anschlug. Der Inhaber empfing das Warnsignal um 1.25 Uhr in der Nacht zum 25. Dezember auf seinem Handy. "Da er schon viele Alarme in der Vergangenheit hatte, hat er uns nicht direkt informiert, sondern sich erstmal selber auf den Weg gemacht", schildert Polizeisprecher Achim Jaspers die Sache.

Der Arzt fuhr zur Praxis und sah auf dem Grundstück einen Mann, der sich hinter den Mülltonnen versteckte. Als ihm klar wurde, dass er entdeckt war, flüchtete der Fremde. Der Mediziner verfolgte ihn, verlor ihn aber rasch aus den Augen. Die herbeigerufene Polizei stellte dann fest, dass ein Seitenfenster der Praxis mit einem Stein eingeschlagen war. Eingestiegen war niemand.

Einbruchswerkzeug und mehrere EC-Karten im Pkw

Kurz darauf, um 1.40 Uhr, hörte ein 45-jähriger Anwohner aus Sevelen erst einen lauten Knall aus Richtung des Kreisverkehrs der Sevelener Straße kurz vor dem Ort, danach mehrfach das Aufheulen des Motors. Der Zeuge fuhr hin, um zu helfen, sah einen verlassenen blauen Ford Mondeo tief in der Böschung stecken und bekam eben noch mit, dass eine Person davontaumelte.

Die alarmierte Polizei fand in dem Wagen Einbruchswerkzeug und mehrere EC-Karten, die Nummernschilder waren falsch. Damit nicht genug: "Während der Unfallaufnahme tauchte eine Frau auf, die angab, von ihrem Mann zur Unfallstelle gerufen worden zu sein", erzählt Achim Jaspers. Sie sollte ihn am Kreisverkehr abholen, erklärte die Frau und bestätigte, dass der verunglückte Ford ihrem Mann gehöre.

Also legte die Polizei sich vor dem Haus des Gesuchten auf die Lauer. Und tatsächlich: Eine Weile später tauchte er dort auf, und zwar im Taxi. Es handelt sich um einen 48-jährigen Mann aus Geldern, der der Polizei wegen "vergleichbarer Delikte" bekannt ist und auf den haargenau die sehr detaillierte Täterbeschreibung passte, die der Nieukerker Zahnarzt in der Nacht abgegeben hatte. Statur, Haarfarbe und Barttracht, markante Mütze, Kleidung: "Das war sehr eindeutig", so Polizeisprecher Jaspers. Man fand bei dem Mann zudem eine geringe Menge Drogen, vermutlich Kokain.

Bergung dauerte eineinhalb Stunden

Um 4.30 Uhr in der Frühe des ersten Weihnachtstages klingelte die Polizei nun die Besitzer der im Auto gefundenen EC-Karten aus den Betten. Es handelte sich um die Inhaber des Handwerksbetriebes Elektro-Schäfer an der Gottlieb-Daimler Straße in Geldern. Die Bankkarten stammten aus den Firmenbüros. Wie sich zeigte, war dort ebenfalls eine Scheibe eingeschlagen und eingebrochen worden.

Für die aufwendige Bergung des verunglückten Autos waren in der Nacht 21 Leute des Löschzugs Sevelen für eineinhalb Stunden im Einsatz. Der Wagen steckte nämlich "mitten in der Böschung", beschreibt Bernd Manders, Sprecher der Issumer Feuerwehr, die Szenerie. Mit Motorsägen schlugen die Wehrleute eine Schneise, durch die ein Bergungsunternehmen das Fahrzeug herausziehen konnte.

Der Verdächtige wurde am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt. Ob er als mutmaßlicher Täter für weitere Einbrüche infrage kommt, war noch unklar. Lob gab es von der Polizei für die Zeugen in dem Fall, vor allem den Kerkener Arzt und den Einwohner aus Sevelen: "Die Hinweisgeber haben gut gearbeitet."

In einer früheren Version des Artikels war die Rede von einem Elektromarkt. Das ist nicht korrekt. Es handelt sich um einen Handwerksbetrieb. 

Quelle: RP