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Geldern
Mit der Bimmelbahn durch Xanten

Geldern: Mit der Bimmelbahn durch Xanten
Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt, die ist schön - das denken sich auch die Passagiere des Nibelungen-Express in Xanten. 16.000 bis 17.000 sind das pro Jahr. FOTO: Armin Fischer
Geldern. Wer eine Fahrt mit dem Nibelungen-Express macht, der erfährt, was Touristen an unserer Heimat so lieben. 40 Minuten Dom-, Römer- und Siegfriedstadt im Schnelldurchlauf. Von Julia Lörcks

Johanna Ressing, 56 Jahre alt, ist nicht zum ersten Mal in Xanten. Die Kevelaererin ist mit ihrem Vater Gerhard Steinhoff (84) unterwegs. Beide sitzen im Nibelungen-Express, Xantens benzinbetriebene Bimmelbahn, und machen - wie sie selbst sagen - eine "Vater-Tochter-Tour". Warum? "Weil es in Xanten so schön ist", sagt Ressing. Sie blickt aus dem Fenster, stupst ihren Vater an und sagt: "Schau mal, da hinten ist das Römermuseum, da können wir bei schlechtem Wetter auch einmal hin."

Das Wetter ist an diesem Nachmittag alles andere als schlecht. Ressing und Steinhoff werden später auf dem Marktplatz sitzen, ein Eis essen, die Sonne genießen und den historischen Stadtkern betrachten. Jenes Flair, das Jahr für Jahr Hunderttausende Touristen in die Dom-, Römer- und Siegfriedstadt lockt. Seit drei Jahren ist Xanten zudem Luftkurort. Wer einen Hauch davon einatmen möchte, dem sei eine Fahrt mit dem Nibelungen-Express empfohlen. 40 Minuten Heimat im Schnelldurchlauf. Und zwar sowohl bei Sonnenschein, als auch bei Wind und Wetter.

Die Idee hatte Ralf Graumann. Mittlerweile fährt der Zug seine 10. Saison. Die Strecke führt an Sehenswürdigkeiten wie das Klever Tor vorbei. FOTO: Armin Fischer

Los geht es um 11 Uhr an der Tourist Information Xanten (TIX). Dort wartet Ralf Graumann auf die Gäste. Der gebürtige Duisburger, der mittlerweile in Wardt wohnt, hat die Stadtrundfahrt mit dem Nibelungen-Express ins Leben gerufen. "Aus der Not heraus", gesteht Graumann, der früher in der IT-Branche tätig war, "die Alternative wäre Hartz IV gewesen". Gelohnt hat es sich allemal. Die Züge, mittlerweile sind es zwei, fahren 2017 ihre zehnte Saison, Graumann befördert 16.000 bis 17.000 Passagiere pro Jahr. Und auch an die Zukunft denkt er bereits. So hat Graumann gerade eine gebrauchte Lok gekauft. Diese möchte er im Winter restaurieren und mit einem Elektroantrieb ausstatten. Das einzige, was fehlt, ist ein potenzieller Sponsor. 50.000 Euro kosten die Umbauten.

Doch zurück zur Stadtrundfahrt. Von der Bahnhofstraße geht es links in den Westwall über den Fildersteg auf die Poststraße. Dabei erfahren die Reisenden per Audiodatei, dass Xantens Ferienwohnungen zum Teil in Sehenswürdigkeiten untergebracht sind - am Mitteltor, im Rundturm am Westwall, im Pesthäuschen und im Klever Tor zum Beispiel. Letzteres ist übrigens eines der wenigen, noch erhaltenen Doppeltore am Niederrhein. 1393 erbaut, war es Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

FOTO: Armin Fischer

Für ergänzende Informationen greift Jürgen van Eisden zum Mikrofon. Der 54-Jährige ist seit sechs Jahren Fahrer des Nibelungen-Express. Mit 15 bis 20 Stundenkilometern tuckert er zur ersten Haltestelle - das Römermuseum an der Siegfriedstraße. Wer mag, kann dort aus- und zu einem späteren Zeitpunkt wieder einsteigen. "Ein Besuch im Römermuseum lohnt sich", sagt van Eisden. Anschließend setzt er seine knapp acht Kilometer lange Rundfahrt fort, berichtet über den Archäologischen Park in Xanten (APX). 60 Hektar Freilichtmuseum, das 2016 von fast 600.000 Besuchern erkundet wurde.

Weiter geht es über die Hagenbuschstraße und die Klever Straße auf den Nordwall, Bemmelstraße, Rheinstraße, Brückstraße, zurück zum Nordwall. In der Zwischenzeit haben die Fahrgäste den Mauerturm Westwall, die Kriemhildmühle, den Rundturm am Nordwall sowie das Arme-Mägde-Haus und den Gotischen Treppengiebel gesehen. Über die Straße Am Rheintor geht es Richtung Hafen Xanten. Auch dort ist ein Ausstieg möglich - unter anderem, um eine 90-minütige Fahrt mit dem Fahrgastschiff und Kooperationspartner "Seestern" zu unternehmen. Wer lieber zu Fuß statt auf dem Wasser unterwegs ist, kann den Rundweg um die Xantener Nord- und Südsee - ein 240 Hektar großes, künstlich angelegtes Freizeitareal - nehmen. Zurück zum Nibelungen-Express. Dieser fährt über den neuen Haupteingang des APX (ebenfalls eine Haltestelle) über die Rheinstraße vorbei am ehemaligen Karthäuserkloster und dem Renaissance-Erker über die Hühnerstraße zum Markt. Dort geht es über Karthaus und Spülsteg auf den Ostwall, über die Orkstraße, Hochstraße, Mühlenberg und Südwall auf die Marsstraße.

Jürgen van Eisden zieht an der Kordel, die Glocke ertönt. Der Nibelungen-Express ist in Xantens enger Fußgängerzone angekommen. Dort macht die Bimmelbahn ihrem Namen alle Ehre. Vorbei am Rokokogiebel, dem Gotischen Haus und der Evangelischen Kirche geht es zurück zur Tourist Information.

"Schön war es", sagen Ressing und Steinhoff nach der Fahrt. Sie haben fast alles gesehen - nur den Dom nicht. Den kann der Nibelungen-Express leider nicht anfahren. "Aus diesem Grunde haben wir ihn uns vorher angeschaut", so Ressing.

Quelle: RP
 
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