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Geldern
Mit wenig Geld um die ganze Welt

Geldern: Mit wenig Geld um die ganze Welt
Weltenbummlerin Ann-Sophie Reintjes aus Kleve, 22 Jahre alt, hat die ganze Erde im Griff. Oder hier zumindest das Taj Mahal in Indien. Zusammen mit ihrem Freund Mathew ist sie grenzenlos unterwegs. FOTO: Mathew
Geldern. Ann-Sophie Reintjes aus Kleve ist nach dem Abi zu einer langen Reise aufgebrochen. Mehr als zwei Jahre tourte sie mit ihrem Freund aus Neuseeland durch viele Kontinente. Sie gibt Tipps, wie es gelingt, Weltenbummlerin zu sein. Von Bianca Mokwa

Mit 500 Euro und einem Flugticket begann für Ann-Sophie Reintjes eine Reise, die heute noch nicht zu Ende ist. Auch wenn die 22-Jährige gerade mal kurz Station in ihrer Heimat macht.

Sie kommt aus Kleve, aufgewachsen ist sie in Nütternden. Und ganz ehrlich, wenn bei den vielen Fotos auf ihrer Instagram-Seite plötzlich der Hinweis "Cleve, Germany" auftaucht, ist das schon fast exotisch. Denn auf den anderen Bildern sieht man Ann-Sophie bei Nacht im thailändischen Chiang Mai, beim Känguru-Kuscheln in Sydney, Australien, mit Sonne im Rücken und Meer vor sich in Neuseeland oder vor dem Taj Mahal in Indien.

Aug in Aug mit dem Kamel in Marrakesch, Marokko. FOTO: Mathew

Sie hat sich mit dem Besuch all dieser Orte einen Traum erfüllt, den sie nicht alleine träumt. "Ich erhalte täglich Nachrichten via Facebook und Instagram, in denen ich gefragt werde, wie ich es schaffe, so viel zu reisen", sagt die 22-Jährige. Wie es funktioniert, erklärt sie in ihrem neuen Blog.

"Die meisten denken, dass Mama und Papa alles bezahlen. Das ist nicht so", stellt sie klar. Ihre Lösung ist simpel: "Warum nicht in dem Land arbeiten, wo ich hin will?" Man müsse nur einen guten Ausgleich zwischen Reisen und Arbeiten finden.

Superhelden unterwegs im Van für alle Fälle in den Bergen in Banff, Kanada. FOTO: Mathew

Mehr als zwei Jahre Reisen und zig Jobs später kann Ann-Sophie aus erster Hand erzählen, wie es funktioniert. Gestartet ist sie in Kanada mit ihrem "Working holiday", nachdem sie eines der begehrten Visa erhalten hatte. Sie hat bei Starbucks in einem Skigebiet gearbeitet. Dafür gab es nicht nur Lohn, sondern auch einen kostenlosen Ski-Pass und günstige Ausrüstung.

In Kanada lernte sie ihren Freund Mathew kennen. Der stammt aus Neuseeland. Beide kauften sich für 800 Dollar einen Van vom angesammelten Lohn und machten einen Road-Trip durch die USA. "Wir haben in dem Van gelebt, denn Übernachten im Hostel kostet schon total viel", sagt Ann-Sophie.

Ann-Sophie und Mathew mit Sportgerät in Leon, Nicaragua. FOTO: Mathew

Teilweise hatte sie drei Jobs auf einmal, um über die Runden zu kommen. In Vancouver hat sie bei Starbucks gearbeitet und in einem Hostel. Dafür durften sie und ihr Freund die dortige Küche und Dusche nutzen. Am Wochenende war sie Tellerwäscherin. "Ich geh' einfach rein und sage: ,Ich möchte den Chef sprechen'", erklärt die Kleverin, wie sie es anstellt, an einen Gelegenheitsjob zu kommen. "Ich versuche, das Thema, wie lange ich bleibe, nicht anzusprechen", sagt sie lachend.

Manchmal haben sie und ihr Freund sich auch einfach Geschäftsideen abgeschaut und zum Beispiel Sandwiches zubereitet und verkauft. Das war während ihrer Tour durch Asien. In Neuseeland haben sie Trauben ausgedünnt, Äpfel gepflückt und Truthähne besamt. Wie das funktioniert, wolle sie nicht unbedingt erklären. "Danach wirst du Vegetarier", sagt die Weltenbummlerin.

Sie habe auf ihrer Reise viele Leute kennen gelernt, auch und gerade solche, die schon viele Jahre reisen. "Da ist anscheinend jeder Vegetarier, vielleicht weil es günstiger ist", überlegt sie. Ohne Geld reisen geht mit Hitchhiking, also fahren per Anhalter, kostenlos wohnen dank Couchsurfing.

Nach zweieinhalb Jahren ist sie nun zurück. "Um der Familie Hallo zu sagen", sagt sie. Ihre Mutter sei selber gerne gereist. Ihr Vater ist praktisch veranlagt und hat gefragt, was ihr das Reisen bringe. "Wenn ich mal 65 bin, werde ich die zwei, drei Jahre bestimmt nicht vergessen", ist Ann-Sophie überzeugt.

Einmal haben ihr ihre Eltern finanziell aushelfen müssen. Das Geld ist längst zurückgezahlt. Geld verdient Ann-Sophie übrigens auch mit ihren Beiträgen auf Instagram. Firmen bezahlen dafür, dass sie ihre Produkte platzieren können. Das ist dann zielgruppenorientierte Werbung. "Unsere Generation guckt ja kaum noch Fernsehen", sagt die Kleverin. Da sucht die Werbebranche sich neue Wege.

Auch Ann-Sophie überlegt, wie es weitergeht. "Mir ist bewusst, dass ich nicht, bis ich 45 Jahre alt bin, im Van leben kann", sagt sie. Der Bereich Film interessiert sie. "Aber der Ort, wo ich bin, ist so unfassbar wichtig." Und den Ort, wo sie bleiben möchte, den hat sie noch nicht gefunden. Im Moment ist sie außerdem superglücklich mit dem, was sie macht. Die vielen Treffen mit den "Locals", den Menschen, die sie unterwegs trifft, die an den vielen, zunächst fremden Orten leben und ihr Heimat geben - das passt. "Wenn man so viel Güte und Lebenslust trifft", sagt sie, dann wolle man das nicht aufgeben.

Momentan wird der alte VW-Bus repariert, in dem sie und Mathew zurzeit reisen. Dann geht es nach Südfrankreich oder Nordspanien, wo es ein bisschen wärmer ist. "In Europa kannst du in einer Woche in zehn verschiedene Länder gehen", schwärmt die Kleverin. Denn alle Länder liegen nah zusammen. In den USA oder Asien ist das schon eine andere Hausnummer.

Anfang Februar geht es dann für sie und Mathew nach Neuseeland. "Mein erster Langstreckenflug", verrät Ann-Sophie. Denn bisher hat sie sich auf ihren Touren immer von Land zu Land vorgearbeitet.

Wer mehr darüber erfahren möchte, wie es mit dem Reisen mit wenig Geld klappt und wie die Vorzüge von deutschem Brot im internationalen Vergleich sind, der kann sich den Blog an Ann-Sophie anschauen. Zu finden ist er unter:

https://wastedlife.blog/. Mehr gibt's auch auf https://www.instagram.com/sophodophalus/, und Videos von Ann-Sophie unterwegs finden sich auf https://www.youtube.com/wastedlife.

Quelle: RP
 
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