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Möbellager: Nachbarn sind in Sorge

Geldern: Möbellager: Nachbarn sind in Sorge
Im alten Möbellager sieht es gerade alles andere als anheimelnd aus. Es gibt aber die Idee, die Immobilie zu reaktivieren. FOTO: Markus van Offern
Geldern. Die Pläne fürs Gelände am Holländer See sorgen für Ängste bei Anwohnern und Ärger in der Politik. Die Nachbarn fürchten Lärm, Gefahren und Belästigungen, sollte es für Partys genutzt werden. Heute Abend berät der Ratsausschuss. Von Sina Zehrfeld

Was soll nur werden aus dem alten Möbellager am Holländer See? Heute Abend befasst sich die Politik erneut mit einem möglichen Verkauf. Dabei sehen alle Parteien noch jede Menge Klärungsbedarf. Jugendhilfeausschuss und Jugendparlament sollen mitreden. Und besonders aufmerksam beobachten die Anwohner in der direkten Nähe des Geländes die Entwicklung: Sie befürchten Schlimmes.

Die Nachbarn haben Angst, dass sie unter Lärm und anderen Belästigungen leiden werden, wenn die Immobilie wirklich für Disco und Partys, Jugendarbeit, Vereine und womöglich eine Skateranlage genutzt werden sollte, wie es eines der beiden vorliegendes Konzepte vorsieht. Der konkurrierende Vorschlag ist die Ansiedlung eines großen Getränkemarktes.

Wie würden die Lokalpolitiker es finden, "wenn eine Discothek weniger als 20 Meter entfernt von ihrem Zuhause aufgemacht werden würde?", fragen drei Nachbarn in einem Schreiben und ergänzen: "Auch die Einrichtung einer Skaterbahn ist wegen der Geräuschkulisse und des Gefahrenpotenzials des Standortes nicht akzeptabel."

Teils malen die Verfasser in ihrem Brief ein recht drastisches Bild von der möglichen Zukunft. Von Familien, denen beim Sonntagsspaziergang "die Kinder mit einem gebrauchten Kondom in der rechten Hand und einer Spritze oder Kippe in der linken zu ihren Eltern gehen und fragen: ,Mama, Papa, was ist das?'". Von Disco-Gängern, die zu später Stunde die Anwohner belästigen könnten. Davon, dass der angrenzende Wald ein "Gefahrenpotenzial für Mädchen" berge.

Verfasser Karl Heinz Walter versichert, diese Szenarien seien keineswegs übertrieben. "Gehen Sie schon jetzt mal mit offenen Augen um den Holländer See, da finden sie so einiges", fordert er auf. Und wenn das Möbellager zur Party-Stätte würde, "dann wird da noch schlimmer". Er findet die Idee grundsätzlich verfehlt: "Ich verstehe nicht, wie man so was in ein Mischgebiet und an der Grenze zu einem Naherholungsgebiet planen kann."

Ferner gebe es doch schon die große Disco E-dry, geben seine Mitstreiter und er zu bedenken. Und die Möbelhalle liege direkt an Bahngleisen, See und Wald: "Jugendliche könnten im angetrunkenen Zustand Mutproben durchführen, zum Beispiel sich auf die Gleise der Deutschen Bahn stellen, oder sich gegenseitig in den See schubsen."

Hintergrund der Sorgen sind nicht nur bloße Spekulationen, sondern auch schlechte Erfahrungen, die man schon in der Vergangenheit mit der Nutzung des Möbellagers gemacht habe, sagt Aloys Lessing, ebenfalls einer der Anwohner. Er erinnert sich mit Schrecken daran, wie auf dem Platz Holzkohle gelagert und abgefüllt wurde, weshalb das ganze Umfeld den Kohlenstaub abbekam. Mancher Zirkus hätte unter fragwürdigen Umständen überwintert, Jugendliche eroberten das Gelände und kletterten sogar auf den Dächern herum, schildert er.

Die Nachbarn schlagen vor, dass der Getränkemarkt genehmigt wird. Dieser könne sich das Areal ja mit der Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) teilen, die dringend auf eine neue Bleibe in der Immobilie hofft.

Der ehemalige Bürgermeisterkandidat Jörg Grahl (SPD), der sich für die Nutzung des Baus für Jugend und Vereine eingesetzt hat, möchte die Sorgen entkräften. Es sei schade, wenn mit Ängsten gespielt werde. Übrigens biete die Immobilie bereits jetzt guten Lärmschutz, der sich ausbauen lasse. Karl Heinz Walter hingegen findet: Die Vorstellung, am Holländer See würde durch Partys niemand gestört, sei eine "bodenlose Unverschämtheit".

Quelle: RP
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