| 00.00 Uhr

Kerken
Mr. Stadtranderholung sagt "Ade"

Kerken. Günther Osthoff leitet seit 25 Jahren die Ferienveranstaltung des Kreises Kleve. Besser bekannt ist er als "Günni". Am Eyller See verbringt er gerade die letzten Tage als Organisationstalent. Kinder und Betreuer bedauern das sehr. Von Bianca Mokwa

Ungesehen kann Günther Osthoff nicht über den Platz gehen. Wenn der 62-Jährige über den Jugendzeltplatz des Kreises Kleve am Eyller See eilt, schallt ihm entweder ein fröhliches "Hallo Günni" entgegen oder eine Frage, Bitte, jemand bringt eine gefundene Jacke oder, oder, oder.

Um den Aldekerker tobt das Leben. Das Hämmern an den Holzhütten ist zu hören, Kinder spielen, rufen, hüpfen. Seit 25 Jahren tauscht der Mitarbeiter der Abteilung Jugend und Familie beim Kreis Kleve für drei Wochen seinen ruhigen Schreibtischplatz gegen den Rüsel auf dem Zeltplatz ein. Für diese Wochen ist die Umgebung zwischen selbstgezimmerten Holzhütten und ganz viel Wald sein Arbeitsplatz und nach 25 Jahren auch ein bisschen ein Zuhause.

Er freue sich immer auf diese Zeit, sagt er, während ein Junge zu ihm kommt und ihm eine Hand voll kleiner Amphibien hinhält. "Guck mal meine Frösche", sagt der kleine Finder. "Günni" erklärt dem Jungen ruhig, dass Frösche kein Spielzeug sind und dass er die gerne wieder zurückbringen darf. Angefangen hat Osthoff als Leiter der Stadtranderholung vor 25 Jahren. Vorher hat er eine Jugendfreizeiteinrichtung geleitet und noch davor die eigenen Kinder zu Hause versorgt.

"Damals war das noch eine andere Nummer, Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre", sagt der Vater von zwei Kindern über seine Zeit als Hausmann. Im Studium hat er den Schwerpunkt auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gelegt. 1991 wurde er Jugendpfleger beim Kreis Kleve. Die achtjährige Maria, ein Stadtranderholungskind, und ein anderes Mädchen hören gespannt zu und schauen auf ein altes Foto. "Du siehst ja ganz schön aus", sagt das Mädchen mit dem lila Pullover und bewundert die blaue Bemalung, die Osthoffs Gesicht ziert. Das war lange bevor der Film Avatar die Kinos eroberte. "Da habe ich auch noch ziemlich braune Haare, jetzt sind die grau, so ist das, wenn man älter wird", erklärt er den Mädchen und sagt es auch ein bisschen zu sich selbst.

42 Berufjahre liegen hinter ihm. Am 1. Oktober wird er 63 Jahre alt, Ende des Jahres geht er in Rente. Erstmal nichts müssen, wenn das im Bauch angekommen sei, dann könne er sich auch ein Ehrenamt vorstellen. Den Kontakt zu einigen Betreuern der Stadtranderholung, den wird es auch nach seinem Berufsleben geben. "Wenn einzelne Betreuer uns besuchen kamen oder alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, um drei Tage Urlaub zu bekommen, um zu helfen", das waren für den Mann aus Aldekerk Highlights. Und natürlich, wenn die Kinder es toll fanden. Da hat Maria noch eine Frage. "Wann gibt es Essen?" "Günni" antwortet pädagogisch mit der Gegenfrage: "Wann gab es gestern Essen?" "Um zwölf." "Wann gibt es heute Mittagessen?" "Um zwölf."

Der Lagerleiter ist verständlicherweise der letzte, der zu Messer und Gabel greifen wird und den anderen einen guten Appetit wünscht. Meist gibt es immer noch was zu tun. "Und ich bin dünnhäutiger geworden", sagt er. Wenn 100 Kinder zusammen sitzen und essen, das sei schon eine ordentliche Geräuschkulisse. Aber auch die wird ihm fehlen. Zwiespältig sehe er seinem letzten Tag bei der Stadtranderholung entgegen. "Wehmut, Abschied, Tränchen, die werden auch kommen, aber so isset und das ist auch vollkommen okay."

Platzwart Oliver "Olli" Hofmann nennt "Günni" einen tollen Typen. "Der Neue wird es schwer haben", ist er überzeugt. Denn viele Betreuer seien nur da, weil Osthoff derjenige ist, der mit viel Herzblut die Stadtranderholung leitet. "Es ist eine ganze Menge Organisation, damit im Hintergrund alles funktioniert. Aber die wichtigste Arbeit ist die mit den Betreuern, dass es denen gut geht und die Spaß haben. Dann geht es auch den Kindern gut", lautet die Philosophie von Günther Osthoff. Platzwart Olli fasst es so zusammen: "Günni ist die Stadtranderholung."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kerken: Mr. Stadtranderholung sagt "Ade"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.