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Stadtwerke Geldern Präsentieren Verschwundene Orte (11)
Mühlen und Badespaß in Kapellen

Stadtwerke Geldern Präsentieren Verschwundene Orte (11): Mühlen und Badespaß in Kapellen
Die Kapellener hatten sie, ihre eigene Badeanstalt, in der Männer und Frauen zu getrennten Zeiten schwimmen konnten. FOTO: Archiv Kapellen
Geldern. Die Fleuth trieb mit ihrem Wasser die Mühle Waterfort an. Sie verschwand 1924 mit der Begradigung des Flusses. Kurz darauf bekam der Ort seine eigene Badeanstalt unweit der Seufzerallee. Daran erinnern heute nur noch Schwarz-Weiß-Fotos. Von Bianca Mokwa

Kapellen Im Wohnzimmer von Dr. Udo Oerding hängt eine Zeichnung der Wassermühle Waterfort. "Jeder gute Haushalt der Ur-Kapellener hat natürlich in seinem Wohnzimmer ein Bild der Mühle hängen", sagt der Kapellener Hausarzt. Wenn man die Zeit 92 Jahre zurückdrehen würde, dann könnte man sie sogar noch sehen, die Mühle Waterfort. Sie stand an der Fleuth, in unmittelbarer Nähe des heutigen Parkplatzes am Kapellener Sportplatz.

Daran erinnert heute noch der Straßenname "Am Mühlenwasser". Tatsächlich wurden die Mühlsteine der Mühle Waterfort von der Strömung der Fleuth in Bewegung gesetzt. Erstmals erwähnt wird die Mühle 1326. Sie taucht im Lehnsverzeichnis des Grafen von Geldern auf. Damaliger Besitzer ist Loef von Beerenbrouck. Dr. Oerding hat gemeinsam mit Stefan Frankewitz die wechselnden Besitzverhältnisse im Buch "Die alten Bauernhöfe in Kapellen, Hamb und in Achterhoek" zusammengetragen.

Beliebtes Motiv auf Bildern in vielen alten Kapellener Haushalten: die Mühle Waterfort an der Fleuth. FOTO: Archiv Heimatfreunde Kapellen

1827 ist Freifrau von Nagel Eigentümerin, schreibt Oerding. Zuvor wird 1748 die Mühle allerdings noch renoviert, 1776 erhält sie ein neues Wasserrad. Der Name Freifrau von Nagel taucht bereits zuvor in einer Übereinkunft vom 31. Dezember 1806 auf, die zwischen ihr und Grundbesitzern getroffen wurde. Geeinigt wurde sich darauf, dass die Mühlenschleusen jährlich ab dem 15. Oktober eingesetzt, am 15. März aber wieder entfernt werden sollen.

Die Schleusen sollten dafür sorgen, dass die Mühle auch in den Wintermonaten genügend Schwung durch das gestaute Wasser bekam. Felix Verhoolen beschreibt den Vorgang in seinem Aufsatz im Geldrischen Heimatkalender 1972. Oft waren Müller und Bauern keine Freunde, denn die Stauung des Flusswassers sorgte auch für nasse Wiesen. Überschwemmungen der Äcker waren den Bauern gerade im Frühjahr ein Dorn im Auge, weil sie dann nicht ihre Felder bestellen konnten.

Die Besitzer der Kapellener Mühle hielten sich offensichtlich an die Vereinbarung. Sie werden als positives Beispiel genannt in der Klageschrift, die 1830 an den Bürgermeister ging. Darin beschwerten sich seinerzeit die Fleuthuferbesitzer, dass die Langendonker Mühle in Aengenesch ihre Felder zu verderben drohe.

Die Mühle an der Waterfort war allerdings nicht die einzige, die in Kapellen genutzt wurde. Es gab eine weitere am Rinschen Hof, ehemals Haus Engelsom. "Auch dort ist ein Fleutharm gewesen", erklärt Dr. Oerding. Viel ist darüber nicht bekannt, außer, dass die Mühle Gegenstand eines spektakulären Gerichtsverfahrens war. 1690 wurde sie von einer "Frauensperson" in Brand gesteckt. Die Strafe war die Exekution durch einen Scharfrichter, der für seine Arbeit 14 Dukaten bekam.

Ein Bauwerk neuerer Geschichte war die Ölmühle auf der Langen Straße in Kapellen. Hubert Driever errichtete die Frucht- und Samenmühle 1900, von 1925 bis 1933 war sein Sohn Hubert dort als Müller tätig. Nach 1969 wurde das Haus als Unterkunft für alleinstehende Männer genutzt.

Die Mühle Waterfort war da schon lange wie vom Erdboden verschluckt. 1924 wird die Fleuth begradigt, die Mühle abgerissen. Dafür beginnt auf dem gegenüberliegendem Fleuthufer eine neue Ära. Kapellen erhält seine eigene Badeanstalt. "Da haben natürlich alle Kapellener mitgearbeitet", ist Dr. Oerding vom Fleiß der Kapellener Bevölkerung überzeugt. Die Schwarz-Weiß-Fotos, die noch existieren, geben ihm recht. Während einige Männer da ihre Köpfe über einen Plan zusammenstecken, stehen andere bereits in einer hüfttiefen Grube und schaufeln. Interessiert schaut auch Kaplan Maasen zu, seinen Hund auf dem Arm haltend.

Die Badeanstalt entstand am Rand der Seufzerallee. Ihren Namen hat die lauschige Allee, weil sie ein beliebter Treffpunkt von Liebenden war. Dass es allerdings in der Badeanstalt gesittet zuging, darauf hatten Pastor und Kaplan ein Auge. Die alten Kapellener können noch davon erzählen. Es gab feste Badezeiten, sowohl für Männer als auch für Frauen - getrennte Badezeiten, versteht sich.

Wenn Dr. Oerding in seinen Garten geht, dann würde er an einem lauen Sommernachmittag die planschenden Badegäste sicher hören. Die Badeanstalt verschwand Ende der 50er Jahre.

Heute ist dort eine Wiese, nur das leise Säuseln der vorbeifließenden Fleuth ist zu vernehmen.

Quelle: RP
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