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Issum
Mysteriöse Pferdekrankheit grassiert

Issum: Mysteriöse Pferdekrankheit grassiert
Doris Lenzen und Ralf Naues haben ein Pferd durchdie mysteriöse Pferdekrankheit verloren. Auf dem Gestütshof "Mispelhof" sind mehrere Pferde erkrankt. Mutmaßlich ist der Baum Bergahorn dafür verantwortlich. FOTO: Gerhard Seybert
Issum. Auf dem Sevelener Gestüt "Mispelhof" sind zwei Pferde erkrankt, eines verstarb. Die Muskeln der Tiere werden nicht mehr versorgt. Der Tod tritt sehr schnell ein. Schuld soll der Samen des Bergahorns sein. Mediziner sind alarmiert. Von Christian Cadel

Als Doris Lenzen und Ralf Naues vor rund einer Woche ihren Hengst Xarajan wie üblich versorgen wollten, entdeckte das Ehepaar ein merkwürdiges Verhalten bei dem Andalusier. "Zunächst hatten wir Koliken in Verdacht. Was uns dann aber stutzig machte, war, dass Xarajan unheimlich steif ging", sagt Naues. So erschienen Muskelkrämpfe als plausible Ursache. Da der Urin des Hengstes jedoch zusätzlich "schokobraun" war, wie Naues weiter ausführt, wurden die beiden stutzig, riefen erst ihre Tierärztin Ute Küppers und ließen den Hengst anschließend sofort in die Pferdeklinik Kerken einliefern. Zu dem Zeitpunkt war es jedoch schon zu spät. Der Hengst musste eingeschläfert werden.

Die Diagnose lautete "Atypische Weidemyopathie", eine akute Muskelerkrankung, die auch als plötzlicher Weidetod bezeichnet wird. Schuld daran sollen die Samen des Bergahorns sein, die das Pferd mit dem Weidegras zu sich genommen hat. "In diesem Jahr waren die klimatischen Bedingungen für alle Baumarten sehr günstig. In dem sogenannten Mastjahr produzieren die Bäume unheimlich viele Samen", erklärt der Sevelener. "Momentan ist noch ein weiteres Pferd von uns in Behandlung. Es befindet sich aber auf dem Weg der Besserung, weil wir die Symptome nach dem Tod unseres Hengstes viel besser einschätzen konnten." Naues und Lenzen gehen nach intensiver Recherche davon aus, dass die Dunkelziffer erkrankter Pferde enorm hoch sein muss.

Und das hat einen Grund: Die "Atypische Weidekrankheit" ist bisher nur wenig erforscht stellt selbst Tierärzte vor ein großes Rätsel. "Erst in den vergangenen Jahren hat man diese Krankheit auf die Samen des Bergahorns zurückführen können. Bei ähnlichen Fällen dachte man früher an andere Ursachen", sagt Tierärztin Ute Küppers. Sie selbst habe vor vier Jahren Pferde betreut, die die gleichen Symptome aufgewiesen haben. "Damals haben wir fünf Pferde verloren. Als ich die betroffenen Besitzer von damals jetzt noch einmal kontaktet habe, haben mir alle bestätigt, dass Bergahorne in unmittelbarer Nähe stehen."

Gefährliche Tierseuchen der Region FOTO: AFP, AFP

Der Bergahorn ist am Niederrhein kein seltener Baum, wie Claudia Pelzer von der unteren Landschaftsbehörde im Kreis Kleve bestätigt. In der Behörde ist die Krankheit aber auch unbekannt. Ähnlich sieht es beim Kreisveterinäramt aus. "Wir schließen nicht aus, dass der Bergahorn dafür verantwortlich sein kann, da einige Ahornarten giftig sind. Die spezielle Erkrankung ist aber nicht meldepflichtig. Es ist Sache des Tierhalters, einen Tierarzt aufzusuchen", erklärt Christoph Janßen, Sprecher des Veterinäramtes.

Und genau hier liegt das Problem: Da die Erkrankung nicht meldepflichtig ist, bei Pferdehaltern, Behörden und womöglich auch einigen Tiermedizinern unbekannt ist, und die Symptome nicht gleich auf sie schließen lassen, sollten alle Pferdebesitzer gewarnt sein.

Die Wahrscheinlichkeit, dass andere Tierarten betroffen sein könnten, schätzt Tierärztin Küppers aber als gering ein. "Allerdings rechne ich damit, dass in den kommenden Wochen mehr Fälle bei Pferden auftreten könnten, da die Samen des Bergahorns nun bei jedem Windstoß von den Bäumen fallen." Wie groß die Menge an gefressenen Samen sein müsse, kann die Medizinerin nicht genau beziffern. Küppers rät, dass Pferde auf anderen Weideflächen untergebracht werden sollten, die nicht vom Bergahorn umgeben sind.

Für das betroffene Sevelener Ehepaar war der Tod ihres Zuchthengstes ein großer Schock. "Er war unser Kapital. Wir haben noch vier Stuten und wollten mit Xarajan eine Zucht aufbauen. Sein Tod ist nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden, sondern er geht uns vor allem ans Herz."

Quelle: RP
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