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Geldern
Nach Frauchens Tod neue Chance für "Indi"

Geldern. In Geldern wurde der Briard-Rüde verwahrlost aus einer Wohnung geholt. Hoffnung bringt die Züchterin aus den Niederlanden. Sie sucht jetzt für den Hund nach einem neuen Zuhause.

Der Hund ist nicht wiederzuerkennen. Statt wuscheligem Langhaar trägt der französische Hütehund eine Neun-Millimeter-Frisur, notgedrungen. "Alles war voller Filz, auch beim Laufen tat ihm alles weh", erinnert sich Kristina Scholz, Leiterin des Gelderner Tierheims, an ihr erstes Zusammentreffen mit "Indi". Der zweijährige Briard-Rüde war ihr Anfang Juli von der Polizei übergeben worden, nachdem das Frauchen verstorben war. "Ich bin ja einiges gewöhnt", sagt Scholz. Zwei bis drei Mal im Jahr kommt es vor, dass die Polizei ein Tier zu ihr bringt, weil der Besitzer verstorben ist. Aber "Indi" war ein echtes Bild des Jammers, als er ins Tierheim als Übergangsstation kam. "Als das Fell weg war, lief er wieder wie ein normaler Hund", sagt die Tierheimleiterin. Unter Vollnarkose bekam der Hütehund das verfilzte Fell abrasiert, das ihn durch Ziepen und Zusammenklumpen am Laufen hinderte. An ein Durchkommen mit Kamm und Bürste war bei dem Fell nicht mehr zu denken.

Glück im Unglück hatte der Briard-Rüde, weil seine Züchterin vom Tod der Besitzerin erfuhr und gleich alle Hebel in Bewegung setzte, um ihren ehemaligen Schützling wiederzusehen. "Das war schon sehr ungewöhnlich", kommentiert Scholz den Einsatz der Züchterin. Denn nicht immer haben die Züchter so viel Interesse, ein Tier wiederzuerlangen. "Eher noch, wenn das Tier noch nicht kastriert ist und sie damit noch etwas machen können", überlegt Scholz. Sprich, dass mit dem Tier weitergezüchtet werden kann. "In den Abgabeverträgen guter Züchter findet sich aber oft eine Klausel, dass, wenn etwas mit dem Tier sein sollte, der Züchter ein Vorkaufsrecht hat", erklärt Scholz. "Wir sind gleich ins Auto gestiegen", sagt die niederländische Züchterin Kitty Haenen über ihre Reaktion, als sie von dem allein gelassenen "Indi" hörte. "Indi" in Not.

Die Freude beim ersten Wiedersehen im Tierheim war auf beiden Seiten sehr überschwänglich. Auch wenn die Züchterin gleichzeitig Mitleid packte. "Man konnte sehen, dass er nicht gut versorgt wurde in den vergangenen Monaten." Noch etwas fiel der Züchterin am Verhalten auf. "Er war sehr gestresst. Das ist auch verständlich. Er hat viel mitgemacht." Um den Hund zur Ruhe kommen zu lassen, hat die Züchterin ihn mit nach Hause genommen, nach Roermond. Es gebe bereits viele Leute, die sich bei ihr gemeldet und Interesse an "Indi" als neues Familienmitglied hätten. Sie werde aber genau auswählen, wo der allerbeste Platz ist für ihn. "Das hat er verdient", sagt seine Züchterin. Dank ihres Einsatzes kann dieses Hundeschicksal ein gutes Ende nehmen.

(bimo)
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