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Wirtschaftsförderung Kreis Kleve Und Rp Präsentieren Serie "bauen & Wohnen" (9)
Nachhaltigkeit mit dem Passivhaus

Wirtschaftsförderung Kreis Kleve Und Rp Präsentieren Serie "bauen & Wohnen" (9): Nachhaltigkeit mit dem Passivhaus
FOTO: Peter Graupner
Geldern. Die Technik des hochgedämmten Hauses wird durch neue Fördermaßnahmen für den Mehrfamilienhausbau interessant. Von Matthias Grass

Kreis Kleve Energieeffizientes Bauen wird immer attraktiver. Vor allem im Mehrfamilienwohnbau, wo es Fördermöglichkeiten durch die KfW- oder NRW-Bank gibt. Der Gipfel des energieeffizienten Bauens ist derzeit das Passivhaus oder das Passivhaus plus. Das produziert über Photovoltaik-Anlagen Strom, den es verbraucht oder ins Netz einspeist.

Über 25.000 Wohneinheiten seien inzwischen im Passivhaus-Standard in der Bundesrepublik errichtet, verkündet die Interessengemeinschaft (IG) Passivhaus. Darunter versteht man ein Gebäude, das "passiv" von der Sonne, von inneren Wärmequellen und von zurückgewonnener Wärme warm gehalten wird. Deshalb benötige es kein konventionelles Heizsystem mit Heizkörpern in jedem Raum, erklärt die IG-Passivhaus. "Im Vergleich zum Niedrigenergiehaus benötigt ein Passivhaus rund 75 Prozent weniger Heizenergie, im Vergleich zu einem durchschnittlichen Bestandsgebäude über 90 Prozent weniger", verspricht die Interessengemeinschaft.

"Passivhäuser sind über die diversen Fördermöglichkeiten im Mehrfamilienwohnbau derzeit günstiger, als nur energieeffizientes Bauen, wenn man zum Beispiel auf den Nachlass von Teilen der Kreditsumme schaut", sagt Thomas Euwens. Der Projektentwickler vom Klever Büro Reppco-Architekten baut derzeit unter anderem in Goch und in Kleve diverse Mehrfamilienhäuser in Passivhaustechnik.

Euwens entwickelt ausschließlich Passivhäuser - warb für die Technik schon, als diese Häuser noch deutlich teurer waren, als herkömmlich errichtete. Damals rechneten sich diese hoch gedämmten Gebäude vor allem über die eingesparte Energie und das gute Gewissen in Sachen Umweltschutz. Das erste Passivhaus baute Euwens 2005. Seit dieser Zeit hat sich das Prinzip des hochgedämmten Hauses kaum geändert - doch bei den Materialien machte die Bauwirtschaft einen Schub. Schon lange muss man die Häuser nicht mehr in dicke Styropor-Mäntel kleiden, um den Passivhausstandard zu erreichen. "Wir haben inzwischen Steine, die so gedämmt sind, dass sie die Werte einhalten", sagt Reppco-Geschäftsführerin Christiane Behrens. Behrens und Euwens veranstalten im Kreis Kleve regelmäßig auch die Passivhaustage der bundesweit organisierten Passivhausbauer. Das Problem bei hochgedämmten Gebäuden ist die richtige Lüftung, rät Euwens künftigen Bauherren. Man müsse unkontrollierte Lüftung ausschließen, aber man müsse lüften - das gehe aber nicht über gekippte Fenster. "Ein Haus hoch zu dämmen, war nicht das Problem - das Problem war, für gute Luft zu sorgen und den Schimmel herauszuhalten", erklärt der Projektentwickler. Er habe dann 1993 das Angebot einer finnischen Firma entdeckt, erinnert sich Euwens. Damit war das Problem "Raumluft" gelöst: Die finnischen Lüfter sorgen für eine kontrollierte, ständige Lüftung des Hauses. "Das macht das Wohnen über die geringen Energiepreise nicht nur günstiger, sondern auch angenehmer, weil die Raumluft immer ausgetauscht wird und so frisch ist, ohne kalt zu sein", sagt er. Bei der Klever GeWoGe, die ein auch mit öffentlichen Mitteln gefördertes Wohn-Quartier in der Kreisstadt baute, werden in solch hoch gedämmten Häusern nur noch Pauschalen abgerechnet, erklärt GeWoGe-Geschäftsführer Michael Dorißen. Auch die Stadt Kleve entschied sich, ihr neues Rathaus in Passivhaustechnik hochziehen zu lassen.

Fachleute raten selbst bei Häusern, die noch unterhalb der Passivhauswerte liegen, kontrollierte Lüftungen einzubauen. Behrens rät, auch bei einer nachträglichen Dämmung von Gebäuden - öffentlicher Verwaltungsbauten oder Schulen oder auch privaten Häusern - dringend über eine solche Lüftung nachzudenken. "Für den Einbau brauche ich nur jeweils eine Kernbohrung durch die Außenwand pro Lüfter", sagt Behrens. Es wäre fatal, daran zu sparen: Nicht nur wegen der stickigen Luft, sagt sie.

Euwens setzt in Zukunft auf Passivhäuser plus. Zudem sieht er eine Entwicklung zum Holzbau. "Das ist auch Frage der Nachhaltigkeit", sagt er. Dabei denken Planer bei Holzhäusern inzwischen nicht an die Verblendung von Steinbauten. Die Wände zwischen den Konstruktionen sind dann aus Holz. Wenn man will, heißt es also "Back to the Roots" zum guten alten Fachwerk-Tragwerk. Nur dass diese Häuser in der Regel äußerlich nicht von Häusern aus Stein zu unterscheiden sind.

Quelle: RP
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