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Geldern
"Nackter Wahnsinn" - Top oder Flop?

Geldern. Geteilte Reaktionen in Geldern auf Stück des Rheinischen Landestheaters Neuss.

Was passiert hinter den Kulissen einer Theaterproduktion? Wie reagieren die Darsteller, wenn totales Chaos herrscht? Was muss der Regisseur machen, wenn es drunter und drüber geht? Solche Fragen wurden geklärt bei "Der nackte Wahnsinn", einer Komödie von Michael Frayn. Gespielt hat das Rheinische Landestheater Neuss, das mit seinen unorthodoxen Stücken beim Gelderner Publikum einen gewissen Ruf hat, denn etliche Dauerkartenbesitzer tauchten leider gar nicht erst auf. Damit nicht genug, denn auch zwischen den Akten gingen etliche Zuschauer nach Hause. Woran hat es gelegen?

Inhaltlich handelte das von Antje Thoms inszenierte Stück von einer chaotischen Probe. Die Akteure haben mit ihren Figuren zu kämpfen. Der Regisseur hat nicht nur das Problem, dass er gerne mal etwas von oben herab erklärt, sondern auch, dass er ein Verhältnis mit der Regieassistentin und einer Darstellerin hat. Und das ist nur der Anfang. Die Darsteller des Rheinischen Landestheaters Neuss liefen bei dieser "Stück im Stück"-Präsentation auch gerne durch den Saal. Das Licht ging an und aus. Immer dazu passend, ob nun geprobt wurde, oder nicht.

Genau dieses "mittendrin statt nur dabei"-Gefühl war bei vielen Zuschauern der Anfang der Irritation. Denn es gab keine klassische Dramaturgie, kein "normales Theaterstück". Es war ein exzellent gespieltes und konsequent fantastisch choreographiertes Stück, welches das Gesamterlebnis über alles setzte.

Es ging mit den Akteuren los, die wild gestikulierend und schreiend über die Bühne liefen. Sämtliche Figuren waren unbekannt, es brauchte einen Akt, um sie auch nur ansatzweise zu charakterisieren. Das größte Problem war, dass das Stück den Zuschauern in keinem Moment entgegen kam. Es gab keine Vorstellung der Figuren, kein Heranführen ans Konzept. "Der nackte Wahnsinn" war so für alle Gäste in der Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums ein Sprung ins kalte Wasser. "Sperrig" dürfte wohl das Stichwort des Abends gewesen sein. Die gelungene 80er-Jahre-Ausstattung, die wegen der 1982er Uraufführung des Werks benutzt wurde, und das ausgezeichnete Bühnenbild, dessen viele Türen für fantastischen Slapstick genutzt wurden, konnten da nicht mehr viel ändern. Denn im Endeffekt war "Der nackte Wahnsinn" zwar hochinteressant, ließ aber viele Zuschauer kalt, weil das Stück kaum eine emotionale Bindung zu seinen Figuren herstellte.

(cnk)
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