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Geldern
Naturschutzbund erwägt Klage gegen Mega-Kuhstall

Geldern. Der Nütterdener Landwirt Thyssen will seinen Hof auf 1074 Tiere vergrößern und zusätzlich eine Biogasanlage bauen. Von Peter Janssen

Die Stellungnahme des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Landesverband NRW, lässt nur wenig Interpretationsspielraum zu. Der Nabu spricht sich klar gegen die geplante Erweiterung eines Betriebs in Nütterden aus. Der Landwirt Bernhard Thyssen will seine Rinderhaltung auf 1074 Tierplätze (515 Milchkühe, 477 Jungvieh, 82 Kälber) vergrößern.

Auch die Errichtung einer Biogasanlage wird nicht befürwortet. Dies geht aus der Antwort von Dr. Volkhard Wille, Vorsitzender Nabu-Naturschutzstation, hervor, der die Stellungnahme für den Nabu ausarbeitete und Anfang des Monats an die zuständige Behörde, den Kreis Kleve, geschickt hatte. Der Nabu ist an dem Verfahren beteiligt, da die Pläne nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz beurteilt werden müssen.

Wille führt gleich eine Reihe von Gründen an, die die Umsetzung des Vorhabens aus seiner Sicht unmöglich machen. "In dem Antrag fehlen etliche Unterlagen, die für eine Beurteilung zwingend erforderlich sind", sagt der Naturschützer. So seien etwa anstelle von artenschutzrechtlichen Prüfungen lediglich belanglose Vermutungen und keine aktuellen Kartierungen vorgenommen worden. Selbst die typischen Arten der Hofstellen wie etwa Rauch- und Mehlschwalbe, Steinkauz und Schleiereule seien nicht untersucht worden.

Landwirt Bernhard Thyssen hatte im Vorfeld seiner Antragstellung betont, dass es aus wirtschaftlichen Gründen notwendig sei, in den Hof zu investieren. Die Einwände der Nabu kennt Thyssen. "Meine Stimmung ist deshalb nicht schlechter geworden. Ich bin davon überzeugt, dass mein Antrag genehmigungsfähig ist", sagt der Milchbauer. Grund für seine optimistische Haltung sind die Stellungnahmen seiner Gutachter zu den Vorwürfen der Nabu. Thyssen hatte für das Verfahren Fachbüros engagiert, die ihn bei dem Projekt unterstützen. "Die haben alle übereinstimmend gesagt, dass die vom Nabu erhobenen Kritikpunkte haltlos seien. Die in der Stellungnahme aufgeführten Ablehnungsgründe sind größtenteils Standardformulierungen", sagt der Agronom. Neben einer Diplom-Biologin, "eine absolute Fachfrau", so Thyssen, arbeiten zwei weitere Büros für den Landwirt. Unter anderem eins, das sich um den Bereich Emissionsschutz kümmert. Nach Aussage von Bernhard Thyssen stammt die einzige Ablehnung, die es zu seinem Antrag gibt, vom Nabu. Aber der kann er nach Ansicht seiner Experten offenbar gelassen entgegensehen.

Am 6. Juli wird es einen Erörterungstermin beim Kreis Kleve geben. Nach aktuellem Sachstand wird der Nabu diesen nicht wahrnehmen. Man werde, so Wille, die Entscheidung des Kreises abwarten. Falls die Behörde den Antrag bewilligt, werde man gegen die Entscheidung klagen.

Für den Nabu-Vorsitzenden ist der Fall ähnlich gelagert, wie die Erweiterung des Kuhstalls in Griethausen. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) hatte damals entschieden, dass die Erweiterung des landwirtschaftlichen Gebäudes "illegal" war. Die Kranenburger Politik hatte bei zwölf Ja-, zwölf Nein-Stimmen und einer Enthaltung den Antrag abgelehnt.

Quelle: RP
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