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Wachtendonk
Neue Asylunterkunft für Wachtendonk

Wachtendonk: Neue Asylunterkunft für Wachtendonk
Nach einer Ansprache von Bürgermeister Hans-Josef Aengenendt (2. v. r.) sowie der Einsegnung durch Pfarrerin Ulrike Stürmlinger (vorne links) und Pater Joseph Pazhoor (vorne rechts) wurde die Asylunterkunft übergeben. FOTO: Seybert
Wachtendonk. Das Gebäude an der Lessingstraße ist gestern offiziell übergeben worden. Ab Montag soll es nach und nach mit Flüchtlingen belegt werden. Die Verwaltung hofft auf Entspannung für die übrigen Unterkünfte in der Gemeinde. Von Michael Klatt

Es war eine kurze Zeremonie gestern: Nach einer Ansprache von Bürgermeister Hans-Josef Aengenendt sowie der Einsegnung durch Pfarrerin Ulrike Stürmlinger und Pater Joseph Pazhoor ist die neue Asylunterkunft an der Lessingstraße offiziell übergeben worden. Platz für 38 Personen bietet der Neubau, der laut Verwaltung ab Montag nach und nach bezogen werden soll.

Die Gemeinde wartet händeringend darauf, das Haus nutzen zu können. Mehrere Eröffnungstermine - zunächst 20. Oktober, dann Mitte November - konnten unter anderem aus bautechnischen Gründen nicht gehalten werden. Jetzt hofft die Verwaltung darauf, dass es durch das Gebäude an der Lessingstraße zu einer gewissen Entspannung in den übrigen Unterkünften auf Gemeindegebiet kommt. Vor allem in den Containern am Ostring und im Jugendheim "Old School" an der Wankumer Straße. Die platzten zuletzt aus allen Nähten, wodurch die Gefahr von Konfrontationen anstieg. Vor allem von dort sollen ab Montag Flüchtlinge an die Lessingstraße umziehen.

Vorgesehen sind in den fünf Wohneinheiten nach Angaben von Bürgermeister Aengenendt männliche Einzelpersonen und auch Ehepaare. Wie Kämmerer Uwe Marksteiner ergänzte, nimmt die Auswahl der Hausmeister vor. "Der kennt sich am besten mit den Menschen aus, weiß, wer unproblematisch ist und wo keine Konflikte zu erwarten sind." Auch sei daran gedacht, länger bleibende Flüchtlinge an der Lessingstraße unterzubringen. Marksteiner: "Das soll eine gewisse Stetigkeit bringen, auch im Sinne einer guten Nachbarschaft. Das ist besser, als wenn es immer wieder zu Wechseln kommt."

162 Flüchtlinge befinden sich zurzeit auf Wachtendonker Gemeindegebiet; Mitte Oktober waren es noch 136. Drei kamen erst am Donnerstag an. "Wir hoffen, dass es durch das Haus an der Lessingstraße zu einer Entzerrung bei der Unterbringung kommt", sagte Aengenendt der RP. Hilfreich war dabei auch, dass die Umkleiden am alten Sportplatz in Wankum schneller umgebaut werden konnten als geplant. "Da wohnen jetzt eine Familie mit fünf Kindern, eine mit drei Kindern und eine Schwangere mit einem Kind", berichtet der Bürgermeister über die neue Situation für diese Menschen, die zuvor am Ostring untergebracht waren. Dort sollen die jetzt etwas leereren Container laut Kämmerer Marksteiner saniert werden, in erster Linie die Sanitärbereiche, um die Verhältnisse für die Flüchtlinge zu verbessern. Ein weiteres Vorhaben ist, hinter der Turnhalle am Schoelkensdyck ein Mobilheim aufzustellen, das 22 Personen Platz bieten soll. "Der Bauantrag ist gestellt", berichtete Aengenendt. Zugleich soll aber noch geprüft werden, ob der Boden hinter der Halle so beschaffen ist, dass er das Bauwerk auch trägt.

Finanzielle Zusatzlasten kommen durch die Flüchtlingsunterbringung auf die Gemeinde zu. Für den Haushalt 2016 geht der Kämmerer von 200 unterzubringenden Personen aus. Zuweisungen von 700.000 Euro stehen dann nach derzeitigem Stand Ausgaben von 1,15 Millionen Euro gegenüber. Fast 420.000 Euro trägt demnach die Gemeinde. Kritik an Land und Bund übt Bürgermeister Aengenendt. "Die müssen den Kommunen endlich richtig helfen und es nicht bei halbherzigen Versuchen und Ankündigungen belassen." Dankbar äußerte sich Aengenendt über das Engagement des Ökumenischen Arbeitskreises, der sich schon lange für die Betreuung der Asylsuchenden einsetzt.

Die Interessengemeinschaft Lessingstraße (IGL) bleibt bei ihrer skeptischen Beurteilung des neuen Asylhauses. Die "anstehende Ghettoisierung der Flüchtlinge in dieser kleinen Ecke der Gemeinde" sei eine Belastung für die Flüchtlinge, schreibt sie auf Anfrage der RP. Hier sei kein Platz für Entfaltung, Konflikte seien programmiert. "Es bleibt zu hoffen, dass sich die Gemeinde nach der Fertigstellung nicht ihren Pflichten und Aufgaben entzieht und die Unterkunft und deren Umfeld auch nachhaltig und sorgsam in den kommenden Jahren betreut und pflegt."

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Quelle: RP