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Geldern
Neuer Anlauf für Festungswanderweg

Geldern. Ein Spazierweg auf den Spuren einer historischen Verteidigungsanlage rund um Geldern - das sähen historisch interessierte Gelderner gerne verwirklicht. Wer dabei helfen will, ist eingeladen: Ideen werden gesucht. Von Sina Zehrfeld

Das Vollraths Gässchen war einst ein romantischer Treffpunkt für Liebende. Dieser Ort hätte was zu erzählen, wenn er könnte. Und vielleicht kann er es ja eines Tages. Wenn man die Erinnerungen, die die Menschen an ihn haben, auf Band oder Video aufzeichnet. Besucher könnten sich die Aufnahmen über einen QR-Code, den sie an Ort und Stelle finden, abrufen. Und dann würden sie sehen und hören, was es mit diesem besonderen Ort auf sich hat, hier am Gelderner "Festungswanderweg".

Das Ganze ist noch nicht mehr als ein Hirngespinst; eine Idee unter vielen. Eine Gruppe historisch Interessierter, die sich aus der SPD heraus gebildet hat, hat sich auf die Spuren des "Festungswanderwegs" gemacht, ist die Route so gut es ging abgelaufen und hat Einfälle gesammelt. Die Beteiligten würden sich freuen, wenn möglichst viele Bürger dabei mitmachten. Das Ganze steht unter dem Ziel: "Gelderns historisches Erbe erlebbar machen."

Der Festungswanderweg ist eine oft gewünschte, aber nie zum Wanderweg umgesetzte Rund-Route. Die Strecke orientiert sich mehr oder weniger eng am historischen Festungsgraben, der sich früher um Geldern legte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er verfüllt. Heute gibt es teilweise wildromantische Fußwege entlang seines Verlaufs, teilweise nur Straßen oder auch gar nichts mehr, weil darauf Häuser gebaut oder Gärten angelegt wurden. Aber auf der gesamten Strecke gibt es immer wieder Stationen von stadthistorischem Wert.

Die älteren Gelrianer wüssten noch, wo der Festungsgraben mal war, erzählt Katja von und zu Hoensbroech, die mit der Gruppe unterwegs war. "Kann man nicht mal einen Weg festlegen und den doch noch hinbekommen als Spazierweg?", fragt sie. Denn das sei immer wieder gescheitert, weil die Route nicht durchgängig begehbar ist. "Ja, dann muss man halt außenrum gehen", schlussfolgert Hoensbroech: "Idealvorstellung hin oder her".

Zu den simpelsten Ideen der "Spaziergänger" gehört es, eine Route mit Schildern auszuweisen und hier und dort Info-Tafeln zu Besonderheiten aufzustellen. Weiter führt schon die Sache mit den QR-Codes: Man könnte kleine Vorträge von Gelderner Geschichtsexperten, auf Video aufgezeichnet, abrufbar machen. Oder auch von den "normalen Geldernern", die noch etwas zu berichten haben über das alte Straßenbild, ehemalige Arbeitsstellen oder Treffpunkte - Stichwort "Vollraths Gässchen".

Die Wanderer haben auch Vorschläge zu stimmiger Beleuchtung gesammelt, und zur Gestaltung mit Hecken, Bäumen, Bänken. Hier und dort, etwa im Bereich zwischen den Gymnasien, sei der alte Stadtgraben noch zu erkennen, stellten sie fest: Vielleicht könnte man ihn besser kenntlich machen. Und es gibt Stellen, an denen man neue Pfade durchs Gelände anlegen könnte.

Das alles sind nur Ansätze, betont Bärbel Hänsch, ebenfalls Mitglied der Gruppe. Vielleicht hätten andere Menschen ganz andere Ideen dazu, wie man die Route gestalten könnte. "Ich denke, es gibt viele Geschichtsinteressierte", sagt Hänsch. "Auf diese Weise könnten die sich doch einbringen - Geschichten erzählen, Erinnerungen wachhalten."

"Gelderns Historisches Erbe erlebbar machen" gehört zu den Zielen im "Integrierten Handlungskonzept", das bei der Umgestaltung der Innenstadt zum Tragen kommt. Dabei sei die Bürgerbeteiligung leider "ziemlich abgebröselt", beklagt Bärbel Hänsch.

Wer nun Ideen beisteuern möchte oder bei der Geschichts-Gruppe mitmachen will, kann sich an Lars Aengenvoort im SPD-Fraktionsbüro wenden, Issumer Tor 40, Telefon 02831 398411. Um Parteipolitik geht es nicht, betonen die Mitglieder: Man hätte gerne jeden dabei. Alle Ideen würden später an das Planungsbüro "Junker und Kruse" weitergeleitet, das die Aktionen im "Integrierten Handlungskonzept" begleitet.

Quelle: RP
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