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Geldern
Neuer Disput um Integrationszentrum

Geldern. CDU und FDP im Kreis Kleve lehnen ein "Kommunales Integrationszentrum" ab. In Geldern signalisieren die Christdemokraten jetzt aber neue Offenheit. Die SPD in der Stadt fordert eine Entlastung fürs Schulamt. Von Sina Zehrfeld

Das Schulamt des Kreises Kleve geht schier darin unter, asylsuchende Kinder und Jugendliche - so genannte "Seiteneinsteiger" - auf die Schulen zu verteilen. Darauf verweisen nun die Gelderner Befürworter eines so genannten "Kommunalen Integrationszentrums". Gerade das Schulamt würde durch so eine Einrichtung entlastet, meinen sie. Derzeit laufen alle Fäden bei Schulrätin Birgit Pontzen zusammen: "Wie soll sie das leisten?", fragte die SPD-Ratsfrau Doris Keuck in der jüngsten Sitzung des Gelderner Stadtrats.

Kommunale Integrationszentren sollen Schaltzentralen für die Integrationsarbeit sein. Sie dienen unter anderem der Vernetzung unterschiedlicher Stellen. Die Gelderner SPD will, dass die Stadt Geldern sich für so eine Einrichtung starkmacht.

Schulrätin Birgit Pontzen selbst äußert sich auf Anfrage zurückhaltend: Die politische Ansicht, ob ein Zentrum gut wäre oder nicht, kommentiert sie nicht. Klar sind aber die Zahlen: 1084 "Seiteneinsteiger" gab es zum Stichtag 25. Februar im Kreis Kleve, 134 davon in Geldern. All diese jungen Menschen auf die Schulen zu verteilen, sei eigentlich nur einer von vielen Teilbereichen ihrer Arbeit, so Pontzen: "Es nimmt aber inzwischen über 50 Prozent meiner Zeit ein", stellt sie fest. "Dass meine Arbeitsmöglichkeiten dadurch sehr begrenzt werden, das ist keine Frage."

Für SPD-Ratsfrau Doris Keuck wäre ein Integrationszentrum ein Lösungsansatz. Die Einrichtung würde viel Geld bringen und "fünfeinhalb Stellen, die Frau Pontzen helfen könnten", führte sie aus. Und auch darüber hinaus stünden alle zuständigen Stellen im Kreis durch die Zuwanderung "vor einer wahnsinnigen Aufgabe". Um diese zu bewältigen, seien Kommunikation, Vernetzung und Austausch einfach nötig. "Dieses geht nicht von alleine, dieses geht nicht klein-klein."

Ob ein Integrationszentrum eingerichtet wird, entscheidet die Politik im Kreis Kleve, der Kreistag. Und da gibt es bislang eine Mehrheit von CDU und FDP, die nichts davon hält. Alle anderen politischen Fraktionen sind hingegen dafür, ebenso wie zahlreiche Schulen, Verbände und Organisationen. Die Gelderner CDU signalisierte in der Ratssitzung am Donnerstagabend nun - im Gegensatz zur Partei auf Kreis-Ebene - eine gewisse Offenheit. Natürlich habe man sich in der Vergangenheit schon mit den Kommunen im Kreis, den Institutionen und Ehrenamtlern zusammengesetzt, betonte Stefan Wolters von der Gelderner CDU. Und dabei sei seinerzeit nun mal herausgekommen, "dass die Notwendigkeit einer weiteren, einer zusätzlichen, Institution nicht gegeben war". Aber wenn es inzwischen neue Erkenntnisse geben sollte, die ein anderes Licht auf die Sache werfen, dann könnte man über die Sache auch noch mal neu nachdenken.

Die Bürgermeister des Kreises wollen nun einen Vertreter des Landesministeriums für Integration und Soziales in ihre nächste Konferenz einladen. Die Stadtverwaltung hat angekündigt, danach über die Ergebnisse zu berichten.

Für die SPD drängt aber die Zeit. Wenigstens sollte die Stadtverwaltung die Haltung des Rates, dass man der Sache eine Chance geben wolle, an den Kreis Kleve weitertransportieren, verlangte SPD-Fraktionschef Hejo Eicker: Es bringe nichts, über etwas nachzudenken, "und in der Zwischenzeit lehnt der Kreis das ab".

Diese Einschätzung ist vielleicht nicht ganz aus der Luft gegriffen. Am vergangenen Donnerstagabend hat nämlich auch der Kreis-Ausschuss getagt. Dabei lehnten CDU und FDP ein Integrationszentrum erneut ab.

Quelle: RP
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