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Geldern
Neuer Müller in der Steprather Mühle

Geldern: Neuer Müller in der Steprather Mühle
Walbeck hat einen neuen Müller: Detlef Franz betreibt gemeinsam mit dem Förderverein die Steprather Mühle. FOTO: gerhard seybert
Geldern. Die älteste Mühle Deutschlands hat nun seit mehr als einem halben Jahrhundert endlich wieder einen eigenen Müller. Detlef Franz vom Förderverein hat die Ausbildung bestanden. Von Christoph Kellerbach

Die Steprather Mühle kann zurückblicken auf eine turbulente Historie. Kein Wunder, schließlich existiert sie bereits seit über 500 Jahren, da erlebt man schon mal viel. Ihrer angenommen hat sich schließlich 1990 der "Förderverein Steprather Mühle Walbeck", der es mit großer finanzieller Hilfe der Nordrhein-Westfalen-Stiftung und der Stadt Geldern 1995 geschafft hat, die Mühle komplett zu renovieren. Sie, wie auch das Backhaus daneben, werden seitdem von dem achtköpfigen Vereinsvorstand sowie 25 ehrenamtlichen Helfern betrieben.

Doch damit nicht genug, denn seit langer Zeit hat die Steprather Mühle mit Detlef Franz nun wieder ihren ganz eigenen Müller. Der 2011 zum Team dazu gestoßene und in Maastricht arbeitende Fluglotse hat sich nämlich laut eigenen Angaben "mit dem Mühlen-Virus infiziert!" Die Neugierde wurde immer größer, bis er schließlich im August 2013 in den Niederlanden die Ausbildung begann.

Geschafft hat er das Ganze in der Optimalzeit, denn ein Jahr müsse man auf jeden Fall praktisch arbeiten, "denn bei der Ausbildung wird sehr darauf geachtet, dass man auch jede Jahreszeit durchmacht", erklärt Franz. Dabei gibt es interessante Überschneidungen vom Müller-Beruf und seiner Arbeit als mit dem Radarschirm arbeitender Fluglotse, "denn bei beidem muss man stark auf das Wetter achten. Ein Gewitter ist eine Gefahr für Flieger und Mühle", erzählt er.

Denn schließlich wird trotz eines eingebauten elektrischen Antriebs, um unabhängig zu sein, auch sechs bis acht Mal pro Jahr noch ganz natürlich nur mit Windkraft gemahlen.

Nach mehr als 150 Ausbildungsstunden und einigen Einsätzen auf unterschiedlich konstruierten Mühlen musste Franz gleich zwei Prüfungen durchlaufen. Zuerst eine bei "Het Gilde van Vrijwillige Molenaare" und anschließend beim "Holländischen Mühlenverein". Dabei gibt es einen praktischen Teil, bei dem Fragen gestellt werden, als auch ein Tischgespräch mit weiteren theoretischen Themen. "Ich wurde da viel über das Wetter gefragt", verrät der schmunzelnde Detlef Franz. Das nennt man dann wohl "Heimvorteil".

Damit die Mühle und das anliegende Backhaus auch in Zukunft weiterlaufen können, hofft Vereinsvorsitzender Ludger Kersten allerdings auch auf weitere Beteiligung von ehrenamtlichen Helfern, "da wir leider ein aussterbender Verein sind. Egal, ob man mal ein paar Stunden hier, einen Tag da vielleicht Zeit hat. Jeder, der mithelfen möchte, ist hier gerne gesehen. Melden kann man sich bei

Doch in Zeiten kaltherziger Gewinnmaximierung stellt sich manch einem Menschen natürlich die Frage: Warum wird die Steprather Mühle überhaupt noch betrieben? Neu-Müller Franz, der am 14. April seinen Prüfungs-Stichtag hatte, gibt da eine klare Antwort: "Als älteste in Deutschland ist die Steprather Mühle natürlich ein historisches Denkmal für die nachfolgenden Generationen, aber es geht noch weiter: Viele Leute, oft auch jüngere, stehen vor der Mühle und sind ganz fasziniert davon, wie früher gearbeitet wurde, wie effizient das Ganze läuft und dass das sogar alles beinahe lautlos abläuft. Das ist richtig inspirierend. " Und nach den 500 Jahren kann die Steprather Mühle jetzt, mit einem engagierten Verein und endlich wieder einem eigenen Müller, hoffentlich einer rosigen Zukunft entgegenblicken, oder, besser gesagt, entgegenmahlen.

Quelle: RP
 
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