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Geldern
Neues Mini-Zentrum versorgt Pont

Geldern: Neues Mini-Zentrum versorgt Pont
Alexandra Richartz präsentiert schon mal die ersten Kaffee-Spezialitäten. Die Konditormeisterin wird im Café auch eigene Kreationen anbieten, die im Backhaus in der ersten Etage entstehen werden. FOTO: van Offern Markus
Geldern. Das Projekt der Kleinen-Brüder nimmt Formen an: Anfang November soll das Dienstleistungszentrum eröffnen. Der Mix aus Einzelhandel und Hilfe könnte wegweisenden Charakter haben. Sonntag Vorab-Besichtigung beim Kartoffelmarkt. Von Lutz Küppers

Wenn mit dem neuen Dienstleistungszentrum in den Räumen der ehemaligen Volksbank erst mal wieder Leben in den Ponter Ortskern eingezogen ist, werden auch die Professoren von Sebastian Kleinen zu den Gästen an der Dorfwiese zählen. Denn von dem Sozial-Pädagogen stammt das Konzept, das er im Rahmen seiner Master-Abschluss-Arbeit im Studienfach Sozial-Management erarbeitet hat. Und das wollen sich die Wissenschaftler ansehen, weil es Vorbildcharakter für so viele kleine, ausgeblutete Ortschaften wie eben Pont sein kann. Schlafdörfer für Pendler, in denen aber die ältere Generation keine Zukunft mehr hätte. Eine Generation, die nicht mehr möglichst lange im vertrauten Ortskern innerhalb einer gewachsenen Gemeinschaft leben kann. Weil es keine Gastronomie mehr gibt. Keine Einkaufsmöglichkeiten. Und auch kaum Hilfsangebote wie beispielsweise einen Hausmeister-Service, der genau dann hilft, wenn man sich selbst nicht mehr so gut helfen kann.

Gegen diese Entwicklung kämpfen Sebastian Kleinen und sein Bruder Benjamin, ein gelernter Einzelhandelskaufmann, nun an. Mit diesem Pilotprojekt, das einen Mix aus Handel und Hilfsangeboten sowie deren Vermittlung im Kern beinhaltet, wollen sie auch das Leben in die kleine Ortschaft zurückholen. Eine Herzensangelegenheit für die beiden bekennenden Ponter, die in diesen Tagen fast jede Minute in die Realisierung des "Ponter Dienstleistungszentrums" stecken. Da packt auch schon mal die ganze Familie mit an. Wie auf dem Lande üblich.

Momentaufnahme. Benjamin Kleinen rückt die Laubsauger in der Ecke für den "kleinsten Hagebaumarkt Deutschlands" auf stolzen zwölf Quadratmetern Fläche plus Regale in den Blickpunkt. Sein Bruder telefoniert in Dauerschleife mit den nächsten Lieferanten. Mutter Marlies Kleinen putzt derweil die Obst- und Gemüseaufsteller im Mini-Rewe-Markt von Franz Arians, der hier immerhin 700 Artikel zum regulären Preis verkaufen lässt. "Einen kleinen Kühlwagen haben wir auch schon angeschafft, um unsere Kunden auch zuhause beliefern zu können", so der ehemalige Aldi-Mann mit einem Anflug von Stolz. Hinter der neuen Theke poliert derweil Alexandra Richartz die Vitrinen. Die Verlobte von Sebastian Kleinen (und Konditormeisterin!) bestückt die Auslagen schon bald mit eigenen Kreationen sowie den Produkten des "Bäckers von Lüllingen", die in der ersten Etage gebacken werden. Dort werden gerade die neuen Fliesen verlegt. Vor dem Nebeneingang wird inzwischen laut geflext, weil ein Sichtschutz für die Mülltonnen entsteht. Der Innenhof, der ab der Eröffnung am 2. November auch rauchenden Cafégästen die Möglichkeit gibt, ihrem Laster nachzugehen, ist noch im Rohzustand. Sebastian Kleinen: "Dort hatten wir Probleme mit den Wänden und Wasser." Bis Sonntag, wenn die Ponter beim beliebten Kartoffelmarkt schon mal einen Blick vorab in das dann noch unfertige Center werfen können, wird sich hier nicht mehr viel tun.

140.000 Euro investieren die Brüder, die das Objekt von einem Ponter Geschäftsmann gemietet haben, allein in die Ausstattung. Zu der wird auch eine Kühltruhe mit Bofrost-Eis und Pizza-Produkten anderer Hersteller gehören, die Sonntags-Spätaufsteher sonst an der Tankstelle kaufen müssen. Auch Regale mit PC-Utensilien wie Druckerpatronen oder Maus wird es hier ebenso geben wie Elektronik, Uhren und Seniorenwindeln. Eine Lotto- und Poststelle entsteht. Der Geldautomat bleibt. Und, und, und.

Mit einem ausgeklügelten System sorgen die Brüder dafür, dass weitere Dienst- und Hilfsleistungen (wie Hausmeister- oder Besuchsdienste) über sie gebucht/vermittelt werden können. Service aus einer Hand. Außerdem können Mitarbeiter der familieneigenen Jugendhilfe-Einrichtungen hier zusätzliche Stunden arbeiten. Und eingekauft für Don-Bosco-Haus, Kinderhaus "In der Schanz" sowie die Nebenstelle an der Bruchstraße wird ab sofort in Pont. Im Dienstleistungszentrum. Denn nur den Samariter, den können sich auch die Kleinen-Brüder nicht erlauben.

Quelle: RP
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