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Straelen
NS-Vergangenheit hinterfragt

Straelen. Schüler des städtischen Gymnasiums Straelen interviewten während des Geschichtsunterrichts Zeitzeugen über ihre Erfahrungen unter der NS-Herrschaft. Die Erzählungen waren zum Teil emotional und mitreißend. Von Sarah Cox und Christina Rademacher

Das Thema "Jugend im Nationalsozialismus" behandelten die Schüler der Klasse 10 d des städtischen Gymnasiums Straelen. Dazu befragten sie verschiedene Zeitzeugen über ihre Erlebnisse und Erfahrungen speziell während des Zweiten Weltkriegs.

Im Zentrum des Projektes, das einen Teil des Geschichtsunterrichtes ausmacht, stehen die Begegnung und das Gespräch sowie die Produktion historischer Quellen. Die ältere Generation ermöglicht dabei der Jugend einen umfassenden Blick sowohl auf das Thema "Jugend im National-Sozialismus" als auch auf die Regional- und Alltagsgeschichte der Kriegs- und Nachkriegszeit am Niederrhein, insbesondere in Straelen. Durch den Straelener Seniorenrat wurde der Kontakt hergestellt. Im Nachhinein wird von den Schülern eine Ausstellung zum Projekt mit Audiodateien und Niederschriften der Interviews erstellt.

Historische Zusammenhänge

Im Vorfeld erarbeiteten sich die Jugendlichen im Unterricht grundlegende Kenntnisse über die historischen Zusammenhänge und zur Durchführung eines Interviews. Die Klasse wurde in Gruppen eingeteilt, die an vier verschiedenen Terminen Zeitzeugen befragten.

Während eines Termins sitzen Lukas Gielen und Timon Rittinghaus als Interviewer den Zeitzeugen Karl Herzberg und Norbert Roosen gegenüber. Karl Herzberg feierte einen Tag zuvor seinen 86. Geburtstag. Die 15- und 16-jährigen Schüler hatten Fragen zum Thema "Kriegserfahrungen als junger Soldat" vorbereitet. Doch einmal angefangen, erzählte der frühere Soldat eineinhalb Stunden lang aus seinem Leben im Krieg, mit zum Teil sehr emotionalen und mitreißenden Momenten.

Angefangen in Frankreich beim Reichsarbeitsdienst bis zum Kämpfen in Russland an der Front. "Wenn ich Herrn Herzberg nach zwei Schulstunden nicht unterbrochen hätte, säßen wir wahrscheinlich noch heute Abend hier", sagt Mario Kanopa, der leitende Referendar des Projektes. "Wir können nie planen, wie so ein Zeitzeugeninterview abläuft, denn jeder Interviewpartner redet mit einem anderen Erzählhorizont", ergänzt er. Der 32-jährige Referendar wollte neben den Daten aus dem Geschichtsbuch den Jugendlichen mal einen anderen Zugang zur Geschichte vermitteln.

Die 16-jährige Franziska Müllers interviewte ebenfalls einen Zeitzeugen und erzählt: " Es ist viel interessanter als normaler Unterricht. Persönliche Erfahrungen sind mehr wert als trockener Stoff aus dem Geschichtsbuch."

Quelle: RP
 
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