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Geldern
Vom Internet zurück in die Läden

Online-Handel: Vom Internet zurück in die Läden
Rita Wennekers von Schuh Köhler auf der Hartstraße befürwortet eine Wiederholung der "Heimatshoppen"-Aktion. FOTO: Seybert
Geldern. Drei Wochen nach der Aktion "Heimatshoppen": Einzelhändler setzen auf ein Umdenken bei der Kundschaft. Sie bauen darauf, dass sich der persönliche Kontakt im Geschäft gegen den anonymen Mausklick bei der Bestellung behauptet. Von Michael Klatt

Für Anne Schimmelfennig steht der Sinn der Aktion außer Frage. "Das Heimatshoppen hat gut getan", bewertet sie im Abstand von rund drei Wochen die Maßnahme, mit der die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer in vielen Städten die Werbetrommel für das Einkaufen beim Händler vor Ort rührte. Für die Inhaberin vom Lederstudio Bock auf der Gelderner Hartstraße hat sich das jetzt nicht in Riesenumsätzen ausgedrückt. "Aber im Feedback", sagt Anne Schimmelfennig.

Nach Ansicht von Ludger Derrix vom "Bücherkoffer" auf der Issumer Straße hat die Aktion einen bundesweit zu beobachtenden Trend bestätigt. Die Kunden orientieren sich vom Mausklick bei der Bestellung im Internet wieder hin zum persönlichen Kontakt mit ihrem Händler vor Ort. "Zu mir haben einige Leute stolz gesagt, sie kauften nicht im Internet, nur hier", berichtet Derrix. Viele kämen auch mit Ausdrucken aus dem Internet, um sich im Fachgeschäft weiter beraten zu lassen und dort zu kaufen - also die genaue Umkehrung der vom Einzelhandel oft beklagten Vorgehensweise: erst im Laden informieren, dann im Internet bestellen.

Anne Schimmelfennig vom Lederstudio Bock weiß, wie sehr Kunden auch das Plaudern im Geschäft schätzen. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)

Derrix würde eine Wiederholung der zum zweiten Mal durchgeführten "Heimatshoppen"-Aktion, an der Geldern erstmals teilgenommen hat, befürworten. Unter anderem auch, um den Kunden klar zu machen, dass die Buchhändler vor Ort ein Buch per Computer ebenso schnell besorgen können wie der Versandhandel.

"Eigentlich habt ihr ja recht", so beschreibt Goldschmiedin Anna Bergers die Reaktion vieler Kunden auf das "Heimatshoppen". Mit selbst gestalteten Tüten macht sie auch jetzt noch auf den Wert des Einkaufens vor Ort aufmerksam "Heimatshoppen bedeutet Einkaufen bei Nachbarn und Freunden" hat sie aufdrucken lassen, oder "Heimatshoppen ist eine Investition in die eigene Lebensqualität". Sie habe zwar an den beiden Tagen der Aktion nichts verkauft, doch viele Ideen für Weihnachtsgeschenke gesät, mutmaßt Anna Bergers. Eine Wiederholung der Aktion hält sie wegen des langfristigen Effekts für angebracht. Nur sollte sie künftig mit einem verkaufsoffenen Sonntag kombiniert werden.

Für eine Wiederholung ist auch Anne Schimmelfennig. Man müsse die örtlichen Händler unterstützen. Wenn das Geschäft gut laufe, sei es auch einfacher, Nachfolger zu finden. Im Internet fehle die Persönlichkeit. "Plaudern ist wichtig", weiß die Geschäftsfrau aus vielen Kontakten gerade mit älteren Kunden. Viele Stammkunden begrüßt auch Ida Banner im Modegeschäft "For You" auf der Hartstraße. In Privatgesprächen hört die Verkäuferin immer mehr von Zurückhaltung im Internet. Inhaberin Barbara Valkysers, zugleich Vorsitzende des Gelderner Werberings, findet es gut, die Menschen für die Bedeutung des lokalen Handels zu sensibilisieren, ohne den moralischen Zeigefinger. Oft kommen nach ihrer Darstellung Kunden zu ihr mit der Bemerkung "Ich habe im Internet gesehen", um dann im Laden die Kleidungsstücke nach Farbe und Größe anzuprobieren.

Den Beitrag zum Umdenken hält auch Rita Wennekers vom Schuhgeschäft Suzanne Köhler auf der Hartstraße einer Wiederholung für wert. Darüber hinaus sei ein Zusammenhalten der Kaufleute nötig. Als einen wichtigen Punkt nannte sie hierbei das Harmonisieren der Ladenöffnungszeiten, auch und gerade im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft.

Quelle: RP
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