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Geldern
Parteien sehen Zeit für Veränderungen

Geldern. CDU und SPD glauben, dass es mit Sven Kaiser als Bürgermeister ein besseres Klima und eine bessere Zusammenarbeit im Stadtrat geben wird. Er hatte vermutlich viele Stimmen von Nicht-CDU-Wählern gewonnen. Von Sina Zehrfeld

Der Vergleich der nackten Zahlen legt den Schluss nahe, dass die Wähler der beiden Kandidaten Hanneke Hellmann und Jörg Grahl, die bereits beim ersten Urnengang am 13. September ausschieden, sich zu Sven Kaiser hin umorientiert haben.

Die Wahlbeteiligung ist um rund 1730 Wähler zurückgegangen: 11.513 Menschen haben vorgestern abgestimmt, vor zwei Wochen waren es 13.240 gewesen. Die Zahl der ungültigen Stimmen ist dabei einigermaßen konstant geblieben: 125 waren es am Sonntag, 122 vor zwei Wochen.

Umso dramatischer waren die Veränderungen in den Ergebnissen der beiden verbleibenden Kandidaten. So hat Sven Kaiser vom ersten Wahlgang bis zur Stichwahl am Sonntag über 2000 Stimmen dazugewonnen. 6348 Wähler machten nun für ihn ihr Kreuz; im Vergleich zu 4286 vor zwei Wochen. Ulrich Janssen hingegen sammelte exakt 351 Stimmen dazu, um jetzt auf 5040 zu kommen.

Vor zwei Wochen hatten 4689 Wähler für den amtierenden Bürgermeister gestimmt. Damit hatte er bei der damaligen Kandidaten- und Stimmenverteilung noch in fast allen Bezirken vorne gelegen, mal knapp, mal mit deutlichem Abstand. So war er etwa in Hartefeld oder in Pont unangefochtener Erstplatzierter. Am Sonntag war sein Vorsprung selbst in Hartefeld zur dünnen Mehrheit geschrumpft, in Pont hatte Kaiser ihn überholt.

Dr. Frank Greshake, Vorsitzender des CDU-Ortsverbands in Pont, räumte ein, dass viele Hellmann- und Grahl-Wähler wohl "zähneknirschend zum ersten Mal bei der CDU ihr Kreuzchen gemacht" hätten, um, wenn schon ihre Wunschkandidaten aus dem Rennen waren, zumindest einen anderen Chef an die Stadtspitze zu befördern.

CDU-Stadtverbandschef Stefan Wolters hat wie berichtet einen "Politikwechsel" angekündigt. Der CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Lorenz deutete an, dass es in Zukunft über Parteigrenzen hinweg mehr Kooperation geben könne. Die neuen Umstände machten "für die Fraktionen die Arbeit leichter".

Auch der SPD-Fraktionschef Hejo Eicker macht sich Hoffnungen auf eine bessere, "konstruktivere" Zusammenarbeit der Parteien. Das Wahlergebnis sei auf jeden Fall besser für das Klima in der Lokalpolitik, "auch im Spannungsverhältnis zwischen Rat und Ratsvorsitz, also dem Bürgermeister".

Sven Kaiser hat im Wahlkampf Transparenz, schnellen Informationsfluss zwischen Stadtverwaltung, Politik und Öffentlichkeit und Offenheit gegenüber allen Fraktionen versprochen. "Was zuletzt kritisiert worden ist, das soll sich ändern", bekräftigte er nach seinem Wahlsieg am Sonntagabend.

Quelle: RP
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