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Geldern
Pierre-Phillip Lagarde ist Lehrling des Monats

Geldern. Die Handwerkskammer zeichnete den jungen Auszubildenden der Holzbaufirma Moll und Bruns aus Weeze gestern aus. Gewürdigt wird vor allem sein nicht ganz einfacher Weg zum Traumberuf. Von Sebastian Latzel

Es war kein gerader Lebensweg: Pierre-Phillip Lagarde tat sich in der Schule schwer, schaffte nur mit Mühe und Not seinen Abschluss. Dann begann er die Ausbildung in einer auf Trocken- und Akustikbau spezialisierten Tischlerei. Hier wurde er nicht glücklich. "Das war zu eintönig, ich musste immer nur Gipsplatten schleppen. Das war nicht, was ich wollte", sagt der 20-Jährige. Es drohte das Ende der Ausbildung. Über privaten Kontakt der Eltern zu Tischlermeister Klaus Oenings gelang es ihm schließlich, in dessen Betrieb Moll und Bruns zu wechseln. "Es war ein guter Griff für uns", sagt Oenings, der wie sein Partner Stephan Schagarus erst gezögert hatte, weil sie schon drei Lehrlinge unter Vertrag hatten. In dem Betrieb fand Lagarde dann offenbar genau die Arbeit, die ihm Spaß machte. "Er sucht die Arbeit, ist unheimlich selbstständig. Das passt gut zu unserem Wahlspruch: Nicht quatschen, machen", sagte Oenings.

Gestern wurde dann freilich ausnahmsweise einmal mehr gequatscht als gemacht. Denn Kammerpräsident Andreas Ehlert war persönlich nach Weeze gekommen, um den jungen Lehrling als Auszubildenden des Monats auszuzeichnen. Bei dieser neuen Initiative der Handwerkskammer wird pro Monat ein Lehrling wechselweise aus einem der zwölf Kreishandwerkerschaftsbereiche geehrt. Nach Duisburg und Remscheid war diesmal der Kreis Kleve an der Reihe. 35 Betriebe hatten einen Auszubildenden vorgeschlagen. Die Kammer sah sich in den Unternehmen um, sprach mit möglichen Kandidaten, die Wahl fiel schließlich auf den jungen Mann aus Kalkar-Wissel. "Besonders, weil mit der Auszeichnung auch die besonderen Bedingungen gewürdigt werden, unter denen der junge Mann seine Karriere eingeschlagen hat", sagte Kammerpräsident Ehlert. Nicht jeder müsse studiert haben. Es ärgere ihn, dass in der öffentlichen Wahrnehmung das Handwerk immer noch zu kurz komme. "Heute scheint es ja so, als wenn das Leben erst mit dem Abitur anfangen würde." Das sei nicht so. Ein Bachelor-Abschluss an der Hochschule sei gleichwertig mit dem Meister in einem Betrieb.

Kreishandwerksmeister Heinz Smets freut besonders, dass der junge Lehrling auch seine Meinung klar zum Ausdruck gebracht hatte, als er mit der Arbeit im ersten Ausbildungsbetrieb unzufrieden war. "Es ist eine positive Eigenschaft, zu seinen Ansichten zu stehen und diese auch zu äußern", lobte er.

Dem jungen Mann selbst waren das ganze Lob und die große Ehrung sichtbar gar nicht so recht. Er sei überrascht gewesen, als er von der Auszeichnung erfahren habe. "Diese Ehrung bedeutet mir viel", sagt er, jetzt stehen im Juni und Juli erst einmal die Prüfungen an. Als Gesellenstück will er ein kleines Vitrinenschränkchen anfertigen. Schafft er die Prüfung, wird er übernommen, das sagten seine Chefs gestern zu.

Quelle: RP
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