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Geldern
Pläne für die letzte Ruhe an Schloss Haag

Geldern: Pläne für die letzte Ruhe an Schloss Haag
Im Wald hinter Schloss Haag soll eine Naturwaldruhestätte entstehen. . FOTO: Markus van Offern
Geldern. Die Beyer & Bürvenich GbR stellt im Bauausschuss das Konzept für eine Naturwald-Ruhestätte an der Burganlage vor. Einzugsgebiet: 2,8 Millionen Menschen. Insolvenzkonto als Sicherheit für die Stadt. Kein Verstreuen von Asche. Von Lutz Küppers

Die Reaktionen im Gelderner Bauausschuss fielen zum Teil euphorisch aus. "Eine Naturwald-Ruhestätte in diesem schönen Wald: Von mir gäbe es sofort ein dickes Ja!", erklärte Bernd Bianchi (Grüne). SPD-Fraktions-Chef Hejo Eicker will das Vorhaben "konzeptionell unterstützen". Und Jörg Grahl, Bürgermeisterkandidat der Genossen, meinte: "Das ist eine große Chance für Geldern, ein zeitgemäßes und weltoffenes Signal auszusenden."

Die Rede ist von dem Konzept für eine Naturwald-Ruhestätte im Wald von Schloss Haag, das jetzt von dem gebürtigen Gelrianer Paul Bürvenich und seinem Mitgeschäftsführer Jörg Beyer (Kalkar) vorgestellt wurde. Die RP beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das mögliche Projekt, das allerdings ohne die Zustimmung der Politik chancenlos wäre.

Wie muss man sich die Umsetzung bei Schloss Haag vorstellen?

Die Urnen sind biologisch abbaubar und werden an den Baumwurzeln im Grab beigesetzt. FOTO: FriedWald

In der Anfangsphase werden nur sieben bis acht der insgesamt 42 Hektar Wald benötigt. Eine naturbelassene Parkfläche für bis zu 30 Fahrzeuge könnte eventuell mit Beleuchtung entstehen. Der Zugang zur Naturwald-Ruhestätte erfolgt über die Fleuthbrücke. Ein 150 Quadratmeter großer Andachtplatz mit einem massiven, drei mal vier Meter großen Holzkreuz ist ebenso vorgesehen wie der Erhalt der Wanderwege sowie die Aufstellung diverser Holzbänke zum Verweilen. Der Wald bleibt als Naherholungsgebiet erhalten, wird gleichzeitig regelmäßig vom Betreiber gesäubert.

Wie läuft eine solche Baumbestattung ab ?

An den Wurzeln des gewählten Baumes wird ein 60 bis 80 Zentimeter tiefes Loch ausgehoben, mit Grün dekoriert und mit einer Baumscheibe abgedeckt. Am Tag des Begräbnisses übernehmen die Betreiber vom Bestatter die Urne, die dann zum Andachtsplatz überführt wird. Dort finden die Trauerfeierlichkeiten durch Angehörige, Grabredner oder kirchliche Vertreter statt. Danach wird die biologisch abbaubare Urne während einer Abschiedsandacht beigesetzt und das Grab vom Betreiber geschlossen. Vorher wurde bereits an dem für die Bestattung vorgesehenen Baum eine zehn mal 14 Zentimeter große Plakette mit den Daten des Verstorbenen angebracht. Über die Kosten einer solchen Beisetzung sagten Bürchenich & Beyer in der Ausschuss-Sitzung nichts.

Wie funktioniert die Betreibergesellschaft?

Die von Hoensboech'sche Forst GmbH verpachtet den Naturwald für 99 Jahre an die Beyer & Bürvenich GbR, die mit der Stadt Geldern als Träger der Anlage einen Vertrag schließt und sich danach in die Naturwaldruhestätte GmbH umwandelt. Sie fungiert als Betreibergesellschaft und Verwaltungshelfer der Stadt. Gleichzeitig führt sie Kontrollbesuche auf der Anlage durchFür die Stadt entstehen keine personellen oder finanziellen Aufwendungen.

Wie hoch ist die Nachfrage nach solchen Bestattungen ?

Die beiden Marktführer für Bestattungswälder, die Friedwald GmbH und die Ruheforst GmbH, betreiben 53 beziehungsweise 62 Standorte in Deutschland. Tendenz steigend. Der Niederrhein ist dagegen laut Bürvenich ein weißer Fleck auf der Landkarte. Die Geschäftsleute gehen von einem Einzugsbereich im südlichen Kreis Kleve, dem Kreis Wesel, dem Kreis Viersen, dem Kreis Heinsberg sowie den Städten Mönchengladbach, Krefeld, Duisburg und Oberhausen aus. Dort leben 2,8 Millionen Menschen. Laut Trend entscheiden sich derzeit 50 Prozent für eine Urnenbestattung, fünf Prozent für eine Waldbestattung.

Warum entscheiden sich Menschen für diese Form?

Bürvenich & Beyer führen vor allem "Grabpflege durch die Natur" als Motiv an. Außerdem Naturverbundenheit, das "Eins werden mit der Natur" und den Baum als Trostspender, weil "man ihn auch mal umarmen" kann.

Ist eine solche Anlage keine Konkurrenz für Bestatter/Friedhöfe?

Aufgrund der sich wandelnden Bestattungskultur rechnen die Macher mit fünf Prozent weniger Bestattungen auf den Gelderner Friedhöfen selbst - was ein Minus von 15 Begräbnissen pro Jahr bedeutet. Die meisten Interessenten sollen ja aus dem Einzugsbereich außerhalb von Geldern kommen. Bestatter sollen finanziell "mehr als ausgeglichen" werden. Auch die Stadt erhält vom Betreiber Geld für fehlende Bestattungen auf den eigenen Friedhöfen, um dort die Gebühren stabil halten zu können.

Was passiert bei einer Insolvenz ?

Im Gegensatz zu den beiden Marktführern richtet der Betreiber ein Insolvenzkonto "für diesen sehr unwahrscheinlichen Fall" ein. Das wird auf 250 000 Euro gedeckelt. Die Summe soll nach 14 bis 16 Jahren erreicht sein. Das Geld stünde dann der Stadt für den Weiterbetrieb und den Unterhalt zur Verfügung.

Quelle: RP
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