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Pont: Mini-Handels-Mix sorgt für Leben

Geldern: Pont: Mini-Handels-Mix sorgt für Leben
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Geldern. Spannendes Vorhaben von Sebastian und Benjamin Kleinen: Im Gebäude der Voba werden die Ponter Brüder bald wieder die wichtigsten Dinge des täglichen Lebens verkaufen. Steigende Seniorenzahlen wichtiger Teil des Konzeptes. Von Lutz Küppers

Der Ort ist wunderschön. Doch Pont ist auch relativ "platt". Denn von einigen Geschäften und einer ordentlichen Gastronomie ist in den vergangenen Jahren so gut wie nichts mehr übrig gebleiben. Diesen Kahlschlag, verbunden mit dem Verlust sozialer Kontakte und der Möglichkeit, wenigstens die wichtigsten Dinge des täglichen Lebens "vor Ort" zu besorgen, wollen Sebastian und Benjamin Kleinen nun beheben. Dazu werden die beiden Ponter Brüder ein Dienstleistungszentrum im Volksbank-Gebäude im Ortskern errichten, das auf den beiden Säulen "Einzelhandel" und "Hilfsangebote" basiert (siehe Grafik oben). Wenn das Geldinstitut Mitte Juli das Gebäude verlässt, werden die Brüder mit einem Ladenplaner das Projekt angehen.

"Die Idee für ein solches Zentrum ist in einem Marketing-Seminar meines Masterstudiengangs ,Sozial-Management' entstanden", erklärt der Sozial-Pädagoge und Erzieher Sebastian Kleinen. Hier wurde über Dienstleistungsnetzwerke für ländliche Regionen nachgedacht, wo mehr und mehr die eigene Infrastruktur (Geschäfte, Gastronomie, Bankfiliale) verloren geht. Vor allem Dörfer bis 3000 Einwohner seien davon betroffen, so Sebastian Kleinen weiter. Gleichzeitig wolle man aber vor allem der wachsenden Zahl von älteren Menschen ermöglichen, möglichst lange zuhause wohnen zu bleiben. "Wir möchten eine Koordinationsstelle für soziale Hilfsleistungen, aber auch Einzelhandelsanbieter sein. Ein Treffpunkt für das Dorfleben, wo man einkaufen und klönen kann, aber auch Anlaufstelle für alle Fragen, die sich durch den demografischen Wandel für die Ponter Bürger ergeben."

Sebastian Kleinen spielt damit auf eine langjährige Familientradition als Jugendhilfeträger inklusive der entsprechenden bestehenden Netzwerke an. So leitet er das Kinderhaus "In der Schanz" in Pont. Außerdem zählen noch eine Außenwohngruppe am Bruchweg und das Don-Bosco-Haus, wo die Eltern aktiv sind, zum Familienunternehmen. "Wir haben ja bereits Personal, das als Hausmeister, Hauswirtschafter oder Erzieher arbeitet und teilweise gerne mehr Stunden machen würde", erläutert Sebastian Kleinen den Synergie-Effekt. Bei Bedarf könnten einige Kollegen also auch über das neue Dienstleistungszentrum an Ponter Senioren vermittelt werden, die den Haushalt altersbedingt nicht mehr allein schaffen, einen Gesprächspartner brauchen oder einen Gassi-Dienst für Bello suchen. Den Machern schwebt da ein Genossenschaftsmodell vor, bei denen Kinder, die oft nicht mehr vor Ort wohnen, Hilfe für Mutter oder Vater buchen können. Ein eigener Pflegedienst ist übrigens nicht geplant. Die Zusammenarbeit und Vermittlung mit einem entsprechenden Unternehmen dagegen schon. Auch Handwerker werden gegen Provision vermittelt.

Die Säule "Einzelhandel" wird von Benjamin Kleinen betreut, der als Erzieher und Einzelhandelskaufmann, der vor kurzem bei Aldi gekündigt hat, entsprechende Voraussetzungen mitbringt. "Wir werden verschiedene Partner mit eigenen Mini-Verkaufsflächen ins Gebäude holen. Den Akku-Schrauber, Brötchen, den Toaster oder frisches Obst sowie Batterien fürs Hörgerät gibt es direkt zum Mitnehmen. Und ein neuer Rasenmäher ist spätestens am nächsten Tag in Pont verfügbar", so Benjamin Kleinen. Auch ein Café, das auch am Wochenende geöffnet ist, wird von ihm geleitet. Er verspricht, dass die Preise für Lebensmittel nicht teurer als in den Filialen der Supermärkte sein werden. Auch günstige Discount-Ware sei erhältlich.

Das Zentrum und seine Partner arbeiten, vereinfacht gesagt, nach dem Halbe-Marge-Prinzip: Händler und Betreiber teilen sich also den Gewinn. Für Miete, Ausstattung und Personal kommen die Brüder auf, die nach dem "Handelsvertreterprinzip" agieren und die Ware von daher nicht kaufen müssen. Was nicht läuft, geht halt wieder zurück an die Partner. Denn die Brüder geben offen zu, dass sie zwar einerseits gerne etwas Gutes für ihren Heimatort tun wollen. Doch dass das Geschäft ebenfalls stimmen muss, verhehlt das pfiffige Brüderpaar nicht.

Info-Veranstaltung: Weitere Details - auch zum Genossenschaftsmodell - gibt es heute Abend im Lemkes-Hof. Beginn ist um 19 Uhr.

Quelle: RP
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