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Geldern
Präparierte Köder: Hundehalter in Angst

Geldern: Präparierte Köder: Hundehalter in Angst
Diese Wurststücke mit Klingen von Teppichmessern fand Björn Reummen am Havelring. Tierquäler hatten es offenbar auf Hunde abgesehen. FOTO: Björn Reummen
Geldern. Tierfreunde sind schockiert. Björn Reummen hat Wurststücke gefunden, in denen Teppichmesser-Klingen steckten. Jeannett Schmidtke hat ihre Hündin Baghira verloren. Sie glaubt, dass das Tier durch einen vergifteten Köder starb. Von Sina Zehrfeld

Hundehalter Björn Reummen erkannte beim Spaziergang auf dem Havelring mit Schrecken, was sein Jack Russell Terrier da erschnuppert, zum Glück aber noch nicht angerührt hatte: Fleischwurstbrocken, gespickt mit Klingen-Stücken von Teppichmessern. "Direkt am Wegesrand im frisch gemähten Gras lagen diese Wurststücke mit Cutter-Klingen drin", schildert er.

Labrador Baghira wurde nur acht Monate alt, sie starb einen qualvollen Tod. Ihre Halterin glaubt, dass das Tier einen vergifteten Köder gefressen hat. FOTO: Privat

Das war am Mittwoch vergangener Woche um kurz nach 12 Uhr mittags. Beim morgendlichen Spaziergang ein paar Stunden zuvor waren die Wurststücke noch nicht da gewesen: "Die waren definitiv frisch", schlussfolgert Reummen. Er sammelte sie ein und übergab sie der Stadt, inzwischen liegen sie beim Kreisveterinäramt.

Tierquäler-Fälle in NRW FOTO: Uwe Miserius

Was Björn Reummen an der Tat, mit der ein Tierquäler es offensichtlich gezielt auf Hunde abgesehen hat, besonders schlimm findet: Die verwendete Wurst erinnerte ihn sehr an ein speziell für Kinder angepriesenes Produkt. Und in dem Bereich, in dem er sie fand, sind viele Kinder unterwegs. Nicht auszudenken, welche Gefahren sie also nicht "nur" für Tiere, sondern auch für Menschen bedeuteten.

Jeannett Schmidtke hat ihre acht Monate alte Labrador-Hündin verloren. Sie glaubt, dass das Tier qualvoll durch einen Giftköder gestorben ist, den es ganz in der Nähe gefressen haben könnte. Denn das war der jungen Hündin nicht abzugewöhnen: "Egal, was sie gefunden hat, sie hat's zerkaut." Am Montagmorgen vergangener Woche war Schmidtke im Bereich des Egmondparks mit ihr spazieren. Am Abend war Baghira plötzlich sehr krank, am Dienstagmorgen blutete sie aus dem Darm. Die Tierärztin vermutete einen Magen-Darm-Infekt. Trotz Infusion ging es Baghira immer schlechter, die Blutungen wurden stärker, und am Dienstagabend machte Jeannett Schmidtke sich auf zur Tierklinik in Kleve. Dort kam Baghira nicht mehr lebend an, sie starb auf dem Weg.

Jeannett Schmidtke, ihr Lebensgefährte Tobias und ihr Sohn Phil halten einen Warnhinweis zu den Giftködern in den Händen. Die Familie hat ihre acht Monate alte Labrador-Hündin verloren. FOTO: Gerhard Seybert

Die Ärztin der Tierklinik glaubte nicht an eine Krankheit: "Die hat sofort gesagt, das kann nicht sein. Bei so viel Blutverlust müsste es Gift gewesen sein", berichtet Jeannett Schmidtke. Offenbar sei die Darmwand perforiert worden, so dass die Hündin an inneren Blutungen umkam. Ein Rest Unsicherheit bleibt aber - echte Klarheit hätte nur eine Obduktion bringen können.

"Für meinen Sohn ist das natürlich ganz schrecklich", beschreibt Jeannett Schmidtke die Situation nach dem Tod des Tieres. Der Sechsjährige leidet. Auch für die Erwachsenen ist es aber schwer: "Allein, den Hund so leiden zu sehen. Und zur Klinik zu fahren, den Kofferraum aufzumachen, und er atmet nicht mehr" - ein schlimmer Moment. Wenn sie jetzt mit ihrem zweiten, 13 Jahre alten Hund unterwegs ist, hat sie Angst um ihn.

Björn Reummen und andere Tierhalter haben inzwischen Warnhinweise an Anne-Frank-Straße, Egmondpark und Havelring ausgehängt. Auch die Stadt ist alarmiert. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes halten die Augen verstärkt nach präparierten Ködern offen. Die Stadt bittet Spaziergänger, die präparierte Köder finden, darum, dem Ordnungsamt bescheid zu geben. Die städtische Nummer 02831 3980 kann auch am Wochenende gewählt werden; dann wird unter dem Anschluss die Notdienstnummer des Ordnungsamtes durchgesagt.

Quelle: RP
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