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Straelen
Preisgekrönte Orchideen im EÜK-Biotop

Straelen: Preisgekrönte Orchideen im EÜK-Biotop
Ursula Sinnreich (l.) von der Kulturstiftung NRW überreichte den Förderpreis an Christine Ammann (Mitte) und den Übersetzerpreis an Brigitte Döbert. FOTO: Gerhard Seybert
Straelen. Übergabe des Übersetzerpreises an Brigitte Döbert und Christine Ammann. Premieren während der Feierstunde: Erste Würdigung eines Sachbuches und erste Lesung von Autor und Übersetzerin. Preis als Wertschätzung. Von Michael Klatt

Für Brigitte Döbert war es der "strahlende Höhepunkt meiner Laufbahn". Lächelnd stand sie am Rednerpult im lichtdurchfluteten Atrium des Europäischen Übersetzerkollegiums (EÜK). Soeben hatte sie den Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW für ihre Übersetzung des Epos "Die Tutoren" des serbischen Autors Bora Cosic und für ihr übersetzerisches Lebenswerk erhalten. Den Dank für ihre Ehrung verband sie mit dem Lob für den Übersetzerpreis allgemein. Er habe erheblichen Anteil an der "Wertschätzung unserer Arbeit". Ähnlich äußerte sich Christine Ammann, die für ihre Übersetzung von "Das verborgene Leben des Waldes" des Amerikaners David G. Haskell mit dem Förderpreis belohnt worden war. "Diese Preise erlauben uns, in Ruhe und ohne Zeitdruck auch an aufwändigen Projekten zu arbeiten."

Welche Mammutaufgaben die beiden Preisträgerinnen gemeistert hatten, wurde in den Redebeiträgen während der Feierstunde zuvor deutlich. Jurymitglied Jürgen Dormagen, der die durchgängig hohe Qualität aller 70 Bewerbungen hervorhob, sprach von Wortwürmern, die einen verfolgten und zu Ohrwürmern würden. Wortschwall könne Weltwissen herbeizaubern. Mit der Ehrung von Döbert und Ammann werde auch der Umstand prämiert, dass Wörter immer wieder der Erdung bedürften, zum Beispiel durch die Volkssprache im Roman von Cosic oder durch den Wald im Buch von Haskell.

Laudatorin Alida Bremer suchte nach einem neuen Wort statt "übersetzen" für die besondere Tat der Preisträgerin. Ein neues Wort, "um die detektivische Entschlüsselung der verrücktesten Einfälle der unablässig sprechenden Tutoren zu bewundern. Um die kreative Kraft zu ehren, mit der Brigitte Döbert ,Die Tutoren' in der deutschen Sprache neu erschaffen hat". Doch es gebe kein besseres Wort, höchstens die Metapher des Pfropfverfahrens bei der Pflanzenveredelung. Brigitte Döbert habe das serbische Original um die verschiedenen Vorzüge der Möglichkeiten der deutschen Sprache bereichert. Sie gehöre zu jenen herausragenden Übersetzern, die "einerseits die Regeln der Übersetzungskunst vollständig beherrschen, aber auch beherzt eine Neuschöpfung wagen".

Dass aus Verflechtungen Weltliteratur entstehe, erwähnte Alida Bremer bei ihrer Würdigung von Christine Ammann. Durch deren Haskell-Übersetzung, in der es um das Leben in einem Kubikmeter Waldboden geht, habe sie die existenziellen Beziehungen innerhalb einer Flechte und somit die Bedeutung des Wortes Verflechtung in seiner Fülle verstanden. Ammann habe mit einer souveränen Eleganz das vielfältige botanische Vokabular mit der literarischen Ebene des Textes verknüpft.

Ursula Sinnreich von der Kunststiftung NRW wies bei der Übergabe der Preise auf zwei Premieren der Veranstaltung hin. Erstmals sei ein Sachbuch ausgezeichnet worden. Und zum ersten Mal kam es zu einer Lesung von Autor und Übersetzerin, Cosic und Döbert. Ins botanische Vokabular griff EÜK-Präsident Claus Sprick. Die Geehrten seien zwei neue preisgekrönte Orchideen im intellektuellen Biotop des EÜK.

Quelle: RP
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